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Weißenhorn

28.08.2016

Weltmeister aus Weißenhorn

Der 24-jährige Dominic Greiner aus Weißenhorn hat sich dem Motorsport verschrieben: Er steuert Modellautos, die bis zu 117 Stundenkilometer schnell fahren. Vor zwei Wochen holte Greiner in Italien den Weltmeistertitel.
Bild: redrc

Dominic Greiner gewann den internationalen Titel mit seinem Mini-Car. Was einen guten Fahrer ausmacht und wieso er in der Vergangenheit oft Pech hatte.

Gerne erinnert sich Dominic Greiner zurück an die Momente, die über seinen bislang größten Erfolg entschieden haben: Wie sein kleines Auto Runde für Runde zurücklegt, er es mit wachen Augen, schmerzendem Nacken und Fernbedienung in der Hand verfolgt. Wie das Auto über die Zielgerade flitzt. Wie er den Pokal entgegennimmt und ihn ehrfürchtig küsst. 210 Runden, je 250 Meter, in einer Stunde: der Weltmeistertitel.

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Seit seiner Kindheit ist der 24-jährige Weißenhorner im Motorsport aktiv, genauer gesagt: dem kleinen Bruder des Motorsports. Er ist Mini-Car-Fahrer, lenkt und steuert Modellautos. Vor zwei Wochen reiste er zur Weltmeisterschaft ins italienische Gubbio, um dort gegen die internationale Konkurrenz anzutreten. „Vor allem die Deutschen und Italiener sind bei den Meisterschaften stark“, sagt er. Unterstützt hat ihn dort sein Team in der Boxengasse: Ein Freund und Kollege wechselten während des Rennens die Reifen und füllten Sprit nach – in Sekundenschnelle, wie bei der Formel 1. „Die 75 Milliliter Sprit reichen nur fünf Minuten. Die Reifen sind alle 20 Minuten hinüber“, erklärt Greiner. Da so viel Verschleiß am Material teuer ist, stehen ihm Sponsoren zur Seite.

Sein Auto, Modell „Serpent“, ist zehnmal kleiner als ein normales Auto. Greiner tritt in der zweitbesten Klasse des Mini-Car-Sports an, in der erstbesten fahren Autos im Maßstab 1:8. Sein Flitzer wiegt rund eineinhalb Kilo und ist rund 20 Zentimeter lang. Es kann mit bis zu 117 Stundenkilometern über den Asphalt rasen, bei zwei PS und 45000 Motorumdrehungen – ordentlich Dampf für so ein kleines Gefährt.

Weltmeister aus Weißenhorn

Zu dem ungewöhnlichen Sport gekommen ist Greiner als kleiner Junge über seinen Vater und Onkel, die sich selbst für ferngesteuerte Flugzeuge oder Boote begeistern. „Zur Kommunion hab ich mein erstes Auto geschenkt bekommen“, erzählt Greiner. Mit dem habe er in Weißenhorn geübt, damals hätte es noch einen Formel 1-Fanclub gegeben und eine kleine Rennstrecke im Eschach. Seit einigen Jahren ist Greiner Mitglied beim MCC Türkheim – einem von bundesweit rund 70 Mini-Car-Vereinen – , wo er auf einer ehemaligen Kartstrecke für Meisterschaften trainiert. An diesem Wochenende steht die deutsche Meisterschaft in der Nähe von Karlsruhe an. Diesen Titel holte der Weißenhorner bereits im vergangenen Jahr – und will es heuer wieder wissen.

Was einen guter Mini-Car-Fahrer ausmacht? „Konzentration – bei einem Rennen ist man mental voll fokussiert. Außerdem gutes Material und ein eingespieltes Team in der Boxengasse.“ Aber ohne eine Portion Glück gehe trotzdem nichts. Das hat Greiner in der Vergangenheit erfahren müssen: Bei der Weltmeisterschaft in Thailand vor zwei Jahren zum Beispiel platzte ein Reifen im Finale. „Ich hatte viel Pech. Am Ende bin ich nur Dritter geworden“, sagt der Weißenhorner. Dieses Jahr habe endlich alles gepasst.

Neben einem Pokal und Prämien der Sponsoren, wird Greiner mit einer ihm gewidmeten Modellauto-Serie belohnt: Sein Sponsor bringt „Serpent“ als Weltmeisteredition heraus.

Ob man von dem Sport auch leben könnte? „Manche machen das schon hauptberuflich. Eine Zeit lang klappt das auch ganz gut. Aber irgendwann lässt die Konzentration und Fitness nach“, sagt Greiner. Er gehe lieber auf Nummer sicher. Derzeit arbeitet er als Anlagenelektroniker in Neu-Ulm. Beruf und Hobby zu verbinden sei manchmal gar nicht so einfach: „Der Tag sollte mehr Stunden haben. Wenn am Wochenende ein Rennen ansteht, bin ich oft schon ab Dienstag damit beschäftigt, das Material herzurichten.“

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