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26.06.2009

Welttheater im Liniengewirr

Ulm Dem Künstler ist das Unmögliche als Aufgabe gestellt: sich ständig zu wandeln, um nicht das Immergleiche als Masche zu produzieren. Und gleichzeitig sich treu zu bleiben und auch im Wandel gleichbleibende Grund-Linien und Formen erkennen zu lassen.

Erstaunlich ist in dieser Hinsicht die Ausstellung, mit der Florian Arnold, der höchst begabte Zeichner aus Elchingen, im MDK Ulm seine neuesten Arbeiten, gemischt mit älteren Bildern, dem Publikum vorstellt.

"Theatrum mundi" aus Winzigkeiten

Er geht dabei zwei Wege: Schon im Eingangsbereich überraschen und verzaubern dunkle, aber von innen leuchtende Kästen mit abstrakten und zugleich höchst symbolhaften Objekten den Betrachter. Minimalistische Fundobjekte, Äste, Kronkorken oder Papierausrisse gewinnen, farbig bemalt und vor dem dunklen Hintergrund, eine packende Wirkung. Ein schmaler Ast mit sich gerade entfaltenden symmetrischen Blättern frägt "vielleicht ein engel"? Farbige Obstkerne und gedrehtes Blattwerk spielen als "windsbraut", und "frau general" strahlt Strenge aus, ohne dass man die Einzelteile bestimmen kann, aus denen diese straffe Würde zusammengesetzt ist. Paolo Calleri verwies in seiner klugen Einführung auf den barocken Begriff des "theatrum mundi": In Florian Arnolds Objektkästen entstehe ein Welttheater aus Winzigkeiten, an denen die Nichtkünstler achtlos vorübergehen.

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Komik und tragische Wirkung stehen in diesem Guckkasten-Theater dicht beieinander, so wie in Arnolds Zeichnungen, die ebenfalls - der zweite Weg - eine unübersehbare Entwicklung erkennen lassen.

An die Stelle der früheren Buntheit und eher flächigen Skurrilität treten nun strenge, aber feinst ausgestrichelte Schwarz-Weiß-Bilder, mit winzigen, im Liniengewirr versteckten Wörtern. Der Betrachter pendelt zwischen Gelächter und Schrecken, wobei die Titel schon die "zarte verwirrung" andeuten, die etwa das "selbst - in zwanzig jahren" unweigerlich auslöst. Neben diesen neuen Arbeiten bietet die Ausstellung auch einen Querschnitt durch die skurril-verspielten, aber auch satirisch-bissigen Werke der vergangenen Jahre. Musik wird hier ebenso thematisiert wie Berufsgruppen ("kultur-manager"; "arzt - der halbierte gott") oder Typen ("existenzialist 1"; "wolkenschweber").

Zur Ausstellung erscheint übrigens in einer einmaligen Auflage von 16 Exemplaren eine farbige Edition, die vor Ort oder beim Künstler bestellt werden kann (www.florianarnold.de).

Ausstellung Florian L. Arnold: "Terra incognita". Zeichnungen, Objekte. Medizinischer Dienst der Krankenversicherung (MDK), Ulm, Wilhelmstraße 25; bis 11.9., Montag bis Freitag, 8 bis 16 Uhr.

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