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Ulm

12.02.2015

Wenn Geldscheine nur „Zettele“ sind

Dennis Gastmann war zu Gast im Roxy. Er sprach über die Superreichen und das Glücklichsein.
Bild: Dagmar Hub

Dennis Gastmann aß mit Superreichen und sprach mit ihnen über Geld. Im Roxy erzählt er von dieser manchmal kuriosen Welt.

Mit 80000 Fragen zieht Dennis Gastmann aus Osnabrück um die Welt – so verkündete es seinen Bestseller 2011. Wie schön ist Panama, wollte Gastmann wissen. Und ist Cuba libre? Gastmann lief zu Fuß nach Canossa und lebte mit russischen Oligarchen, immer auf der Suche nach Antworten. Jetzt trieben ihn neue Fragen um: Was bedeutet Geld für einen Menschen, für den Geld keine Bedeutung mehr hat, weil er mehr besitzt, als er sich in Zahlen vorstellen kann? Welche Wünsche hat ein Mensch, der sich alle Wünsche erfüllen kann? Und vor allem: Wie öffnet man die geschlossene Tür zur Gesellschaft der Superreichen dieser Welt?

Im Sommer 2014 erschien Gastmanns „Reichtumsbericht“. Für die Recherche dieses Buches schrieb der Autor 200 Menschen an, die zu den Reichsten dieser Welt gehören, und er arbeitete die Liste der hundert vermögendsten Deutschen ab. Egal ob Parvenu, Playboy oder Prinzessin: 90 Prozent seiner Briefe blieben unbeantwortet, und die meisten derer, die immerhin reagierten, gaben ihm einen Korb. Karl Lagerfeld gehört zu denen, die sich Gastmann verweigerten, ebenso wie der Sultan von Brunei, Madonna oder Gabriele Renate Inaara Prinzessin zu Leiningen, geschiedene Begum Aga Khan. Zu denen, die Gastmann in ihr Leben ließen, zählen Rolf Sachs und der Istanbuler Beschneidungs-König Kemal Özkan. Die schwäbischen Milliardäre Wolfgang Grupp und Reinhold Würth luden Gastmann in ihre Domizile. Mit Grupp speiste Dennis Gastmann von goldenem Geschirr, mit Schraubenhersteller Würth aß er Linsen mit Spätzle und Saitenwürsten. Und Würth verriet, dass er sich zeitlebens nicht als erfolgreich bezeichnen lassen will. Erst wenn sein Unternehmen bei seinem Tod noch blüht, war er erfolgreich, sagt Würth. Um den Glanz einer Glitzerwelt geht es Gastmann nicht; er sucht den Menschen hinter der Rolle des Superreichen, und manche seiner Begegnungen mit dem Dasein von Lobbyisten, Global Playern und Mannequins gerieten zur Reise nach Absurdistan. Da tourt die junge Ehefrau eines russischen Oligarchen auf dem Fluss Dnjepr mit einer Luxusjacht zum Einkaufen nach Kiew, und in Moskau stehen an jeder Straßenecke bettelnde Mütterchen neben Maybach-Luxuskarossen.

Was Geld ist? „Zettele“, sagt Reinhold Würth, der sein Vermögen auf etwa sieben oder acht Milliarden Euro schätzt. Neid habe ihn manchmal während der Recherche ergriffen, erzählt Dennis Gastmann – aber keinen Moment lang der Wunsch, sein Leben gegen das eines seiner Gesprächspartner zu tauschen. Denn, dass Wünschen reich machen kann und die Erfüllung aller Wünsche arm, auch davon erzählt Gastmanns Reichtumsbericht.

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