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Neu-Ulm/Gerlenhofen

30.01.2019

Wenn Grundschüler Alarmanlagen programmieren

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Die Viertklässler um Diplominformatiker Andreas Hallerbach mit der Erfindung der Vorgänger-Gruppe: Dieser Stuhl piept, sobald ein Schüler damit kippelt. Beim zehnten Mal gibt es einen längeren Alarmton.

Bildung An der Einrichtung in Gerlenhofen können Viertklässler bei einer Arbeitsgemeinschaft technische Projekte angehen. Geleitet wird die Gruppe von einem Fachmann auf dem Gebiet.

Die neun Viertklässler sind schnell sich einig: „Cool“ ist das was, das ihnen Andreas Hallerbach da gerade erklärt – nämlich eine Alarmanlage für den Schulranzen. Und die werden die Schüler in den kommenden Wochen gemeinsam bauen und entsprechend programmieren. Mit Hallerbach hat die Arbeitsgemeinschaft (AG) der Grundschule Gerlenhofen dabei einen Fachmann: Der 38-Jährige ist Diplominformatiker, arbeitet seit mittlerweile elf Jahren in der Softwareentwicklung.

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Calliope-mini nennt sich das Gerät, mit denen die Grundschüler in der AG arbeiten. Mit diesem kleinen Einplatinencomputer können sie allerlei Programme anlegen. Die vorherige Gruppe hat damit einen Kippel-Alarm für einen Stuhl erstellt: Es gibt einen Piepton, sobald ein Schüler damit kippelt – und beim zehnten Mal einen längeren Alarmton. „Die Idee kam von den Kindern selbst“, erzählt Hallerbach, dem es ein Anliegen ist, dass auch Mädchen bei der AG mitmachen. . Manchmal brauche er für Sachen länger als gedacht, auch beim Erklären muss er sich natürlich auf die Viertklässler einstellen. „Was eine Variable ist, weiß eben niemand“, sagt er und fügt hinzu: Alle sind mit viel Spaß dabei.“

Wie die Alarmanlage für den Schulranzen funktioniert

Jetzt aber soll das kleine unscheinbare Sechseck eine Alarmanlage für den Schulranzen werden. Die funktioniert folgendermaßen: Calliope wird so programmiert, dass es piepst, wenn eine bestimmte Helligkeit herrscht – das Indiz dafür, dass der Schulranzen offen ist. „Dafür müssen wir aber jedes Detail eingeben“, erklärt Hallerbach den Schülern. Denn das Calliope sei so etwas wie eine alte Oma – es vergesse einfach ziemlich schnell Dinge, wenn man sie nicht ganz genau einprogrammiere. Das geschieht über ein spezielles Computerprogramm, über das Hallerbach beispielsweise eingibt, dass die Alarmanlage fünf Sekunden braucht, um sich zu aktivieren – sonst piepst sie schon, bevor man überhaupt Zeit hatte, den Schulranzen zu schließen. Als Hallerbach den Schülern sagt, sie könnten das eben Gelernte jetzt selbst am Computer programmieren, stürmen alle sofort los.

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Die Idee für die Arbeitsgemeinschaft kam dem Diplominformatiker vor über einem Jahr: Er hatte sich den kleinen Einplatinencomputer für zu Hause bestellt, und auch sein Sohn, der derzeit in die vierte Klasse der Gerlenhofer Grundschule geht, bastelte eifrig mit. „Ich finde es wichtig, dass Kinder das früh lernen. Das ist die Zukunft“, sagt Hallerbach. Der 38-Jährige, der früher einmal überlegt hatte, noch Lehramt zu studieren, schlug das Projekt im Elternbeirat vor, in dem er zu diesem Zeitpunkt auch Mitglied war. Die fanden es gut – und auch Schulleiterin Renate Seiler war nach eigener Aussage „sofort begeistert“. Denn, dass ich Eltern oder Extern einbringen, entspreche komplett dem Leitspruch der Schule „Miteinander Leben – voneinander lernen.“ Sie fügt hinzu: „Es ist auch nicht alltäglich, dass jemand jeden Montag hier ehrenamtlich eine Arbeitsgruppe leitet.“

Die Arbeitsgemeinschaft zeige auch, dass die Gerlenhofer Grundschule bei diesem Thema voran marschiere, so Seiler. Generell müsse der Umgang mit neuen medien immer wieder thematisiert, die Schüler dafür sensibilisiert werden. Die nötigen finanziellen Mittel für die AG stellte der Elternbeirat der schule und der Förderkreis Gerlenhofen zur Verfügung. Seit März vergangenen Jahres läuft die AG. 17 Viertklässler haben sich in diesem Schuljahr dafür angemeldet, sie wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, damit es nicht zu viele Kinder auf einmal sind.

In der neuen Gruppe ist auch Constantin dabei. Der Zehnjährige will später vielleicht einmal Spieleentwickler werden, programmieren findet er deshalb spannend. Eine Idee für ein Spiel hat er mit zwei Mitschülern sogar schon, die er aber lieber nicht verraten will. „Damit sie uns niemand klaut.“ Auch die zehnjährige Emma findet, dass die AG „voll Spaß“ mache. Die vorherige Gruppe habe dabei tolle Sachen gemacht. Und die Alarmanlage, die sie und ihre Mitschüler in den kommenden Wochen programmieren, findet sie vor allem eines: „Voll cool“.

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