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Konzert

10.02.2015

Wenn Jazzgeschichte lebendig wird

Eine gute Kombination: Sängerin Brenda Boykin und Pianist Jan Luley im Neu-Ulmer Wiley-Club.

Sängerin Brenda Boykin und das Jan Luley Trio geben im Wiley-Club Klassikern neuen Schwung

Mit einem Weltstar und einem überragenden Trio ist der Verein zur Förderung des New-Orleans-Jazz Ulm/ Neu-Ulm in das Jahr 2015 gestartet: Die amerikanische Jazzsängerin Brenda Boykin und das Jan-Luley-Trio bereiteten im Wiley-Club dem Publikum eine musikalische Sternstunde.

In dem mit Kerzen romantisch beleuchteten Saal rief zunächst das Trio mit dem 100 Jahre alten „St. Louis Blues“ Erinnerungen an die guten alten Zeiten des New-Orleans-Jazz wach und startete den Evergreen auf ungewöhnliche Weise: Mit einem Schlagzeugsolo des mehrfachen Preisträgers von „Jugend jazzt“, Tobias Schirmer. Im rhythmischen Galopp ging es voran, Pianist Jan Luley und Swing-Bassist Paul G. Ulrich stiegen ein und vorwärts ging es im Blues, Cha-Cha- und Bolero-Tempo. Nach diesem temperamentvollen Warm-up betrat Brenda Boykin im Steppdance-Look die Bühne. Schräger Strohhut, roter Blazer, schwarze Hose. Diese Frau aus San Francisco hat Jazzgeschichte geschrieben, auf dem CD-Sampler „Finest Female in Jazz“ ist sie einer der Stars neben Dianne Reeves und Norah Jones, im Jazz-Mekka Montreux wurde sie als beste Vokalistin ausgezeichnet.

Bei ihrem Parforce-Ritt durch die „American Roots Music“ drückt sie unsterblichen Melodien wie „Lazy River“ ihren eigenen Stempel auf und erzeugt Gänsehaut-Feeling. Zu der großartigen Stimme gesellt sich ihre lässige Bühnenpräsenz und ihr Humor. Bei Klassikern wie „When the Saints go Marchin’ in“ denkt man keinen Moment an Louis Armstrong, sondern nur an diese Sängerin auf der Bühne – als stamme das Lied aus ihrer Feder. Immer wieder tritt sie in Dialoge mit ihrem Trio. Luley, auch mit Hut, passt am Flügel mit seinem virtuosen Spiel und seiner stilistischen Vielfalt genau zu Boykin, wie man es sich nicht besser vorstellen kann, mit dem Bassisten Ulrich liefert sich die Sängerin ein Solo-Duett auf höchstem Niveau und Drummer Schirmer glänzt bei den samtenen Balladen der Sängerin durch Einfühlsamkeit und rhythmische Perfektion.

Es konnte einem schwindelig werden an diesem Konzertabend: Blues, Boogie-Woogie und Swing am laufenden Band und dann kurz vor Schluss noch ein seelenvoller Gospel: Hier zeigt Boykin ihre musikalischen Wurzeln: Ihre Karriere hatte sie bereits in der Kindheit als Solosängerin in der „North Oakland Missionary Baptist Church“ begonnen.

So war dieser Abend auch eine musikalische Lebensgeschichte der Sängerin. Mit einem Halleluja und der Zugabe „Bye Bye Blues“ verabschiedete sich Boykin vom Publikum, wobei man bei diesem Evergreen nicht an Armstrong, sondern nur an diese Frau dachte, die die schönsten Melodien aus der Welt des Jazz in neuem Glanz präsentierte. (bh)

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