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Bildung

24.02.2017

Wenn Kinder nicht reif für die Schule sind

An der Rupert-Egenberger-Schule in Pfuhl, einem sonderpädagogischen Förderzentrum, soll die Stütz- und Förderklasse entstehen.
Bild: Alexander Kaya

An der Rupert-Egenberger-Schule in Pfuhl soll eine sogenannte Stütz- und Förderklasse eingerichtet werden. Was sich Landkreis und Lehrer von dem neuen Angebot versprechen

Für manche Kinder ist die Grundschule alles andere als ein Vergnügen – und sie nehmen auch ihren Klassenkameraden den Spaß am Lernen. Angelika Kremer, Leiterin des sonderpädagogischen Förderzentrums Rupert-Egenberger-Schule in Pfuhl, kennt solche Fälle. Kinder, die mit Stühlen werfen, sich an keine Regeln halten – und mehr Zeit vor der Klassenzimmertür verbringen als dahinter. Für solche Kinder mit schweren Defiziten im emotional-sozialen Bereich soll es zum neuen Schuljahr ein neues Angebot an der Pfuhler Schule geben: eine Stütz- und Förderklasse. Der Jugendhilfe-Ausschuss des Landkreises hat das Projekt genehmigt.

Die Stütz- und Förderklassen – kurz SFK – gibt es in Bayern seit 2007. Sie funktionieren als Ganztagesangebot, bei dem Schule und Jugendhilfe kooperieren. Die Schüler werden für sechs bis 24 Monate aus ihrer Stammklasse herausgenommen, was bei anderen Förderformen nicht möglich ist. In den SFK sollen ihre Defizite ausgeglichen werden, damit sie beschulbar werden, dazu lernen sie natürlich Lesen, Schreiben und Rechnen. Danach werden die Schüler wieder in ihre eigentliche Klasse integriert, im Optimalfall an einer Regelschule. Die Betreuung ist relativ aufwendig, Lehrer, Heil- und Sozialpädagogen arbeiten dafür eng zusammen. Letztere sollen sich um die Kinder zudem außerhalb des Unterrichts kümmern – auch im Elternhaus. Nach Angaben des Kultusministeriums gibt es im Freistaat derzeit 77 Stütz- und Förderklassen mit zusammen 540 Schülern. Mit fünf bis acht Schülern rechnet Schulleiterin Kremer in Pfuhl, wo eine Kombiklasse für Schüler der ersten und zweiten Jahrgangsstufe entstehen soll.

Doch werden es überhaupt so viele? Oder ist der Bedarf sogar größer? Diese Frage lässt sich derzeit nicht beantworten. Denn für die SFK kann ein Kind erst nach der regulären Schuleinschreibung angemeldet werden; Schülerzahlen liegen voraussichtlich nach den Osterferien vor. Zudem entscheiden am Ende die Eltern. Trotz dieser Unsicherheiten stimmte der Jugendhilfeausschuss dem Antrag zu. Das hat finanzielle Konsequenzen: Denn während Lehrer und Heilpädagogen vom Land bezahlt werden, muss der Kreis für die sozialpädagogische Betreuung aufkommen. Kostenpunkt: circa 101600 Euro inklusive Sachkosten. Zahlen wird der Kreis aber nur, wenn tatsächlich eine Klasse zustande kommt.

Landrat Thorsten Freudenberger bescheinigte nach der einstimmigen Entscheidung Schulleiterin Kremer, einen „realistischen Optimismus“ auszustrahlen. Er sieht in den Stütz- und Förderklassen eine Weiterentwicklung des Angebots am Förderzentrum Pfuhl. Und es könnte dabei helfen, die Nachfrage nach Schulbegleitung zu reduzieren. Was sich durchaus auch rechnen könnte: Für einen Schulbegleiter zahlt der Kreis 25000 bis 30000 Euro – pro Kind wohlgemerkt.

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