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Illertissen/Neu-Ulm

24.04.2017

Wenn Naturschützer vor Gericht ziehen

Bis zur Autobahnauffahrt Nersingen soll die B10 vierspurig werden,
Bild: Alexander Kaya (Archiv)

Die Klagen gegen Illerkraftwerk und B10-Ausbau bestimmen die Arbeit des Neu-Ulmer Kreisverbands. An anderer Stelle wurde im Jahr 2016 viel erreicht - trotzdem gibt es Verdruss.

Juristische Auseinandersetzungen haben im vergangenen Jahr die Arbeit des Bund Naturschutzes im Landkreis Neu-Ulm bestimmt: Diese Bilanz hat Bernd Kurus-Nägele, der Geschäftsführer der Kreisgruppe, kürzlich bei einer Jahresversammlung gezogen. So klagten die Umweltaktivisten gegen die Baugenehmigung für das geplante Illerkraftwerk zwischen Illertissen und Dietenheim und bereiteten eine weitere gegen den vorgesehenen Ausbau der B10 zwischen Neu-Ulm und der Autobahnzufahrt Nersingen vor. Mehrere Stellungnahmen wurden zu anderen anstehenden Bauvorhaben abgegeben: Mit der Resonanz darauf ist Kreisvorsitzender Wolfgang Döring allerdings nicht zufrieden. Ein Überblick.

Klagen: Gemeinsam mit Fischereiverband, dem Landesbund für Vogelschutz und der Bürgergruppierung „Naturraum Iller IG“ gegen die Genehmigung für das Wasserkraftwerk an der Iller auf Höhe Dietenheim vor. Wie berichtet, will das Unternehmen Fontin zwischen Memmingen und Illertissen insgesamt acht Anlagen einrichten, die erste davon bei Dietenheim. Umweltschützer erwarten negative Folgen für die Iller als Öko-System. Zudem haben sie Zweifel, dass sich das Kraftwerk wirtschaftlich rentiert. Das Bauvorhaben war vom Landratsamt des Alb-Donau-Kreises genehmigt worden, Naturschützer und Fischer reichten Klagen beim Verwaltungsgericht in Sigmaringen ein. Ihrer Auffassung nach verstoßen der Bau (und damit die Erlaubnis) gegen europäische Richtlinien zum Umwelt- und Artenschutz. Kreisvorsitzender Döring sieht seinen Verband bei dem Vorstoß auf einem guten Weg: So habe man die Haltung bei der Fernsehsendung „Jetzt red i“ vorgetragen und an einer Demonstration auf der Illerbrücke in Illertissen hätten sich zahlreiche Bürger beteiligt. Aus Sicht der Naturschützer hat die Erlaubnis durch das Landratsamt „ein Geschmäckle“, wie Kurus-Nägele sagt. Der Bau stehe der dringend erforderliche Sanierung des betreffenden Illerbereichs im Wege. Man wolle alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um die Kraftwerke zu verhindern, hieß es weiter.

Das zweite „heiße Thema“ sei der geplante B10-Ausbau, sagte Kreischef Döring. Die Straße sollvon der Breitenhofstrasse (Neu-Ulm) bis zum Autobahnzubringer Nersingen als vierspurig ausgebaut werden, mit Seiten- und Mittelstreifen. Dass die überplanten Fläche im Bereich des Landschaftsschutzgebiets „Pfuhler und Finninger Bauernried“ liegt, stößt den Umweltschützern sauer auf. Die Schutzgebietsverordnung verbiete Handlungen, die der Natur schaden, den Naturhaushalt beeinträchtigen, oder das Landschaftsbild verunstalten, betonten sie bei ihrer Versammlung. Allerdings könnten zur Umsetzung von „Gemeinwohlaufgaben“ Befreiungen von der Verordnung erteilt werden – dabei gelte aber ein „Minimierungsgebot“, so Kurus-Nägele. Somit müssten alle Alternativen geprüft werden, die mit geringstem Flächenbedarf eine Lösung für das Verkehrsproblem durch die stark befahrene Straße bringen könnten. Ein vierspuriger Ausbau in autobahngleicher Ausführung widerspreche diesem Gebot jedoch. Man befürchte einen „immensen Flächenverbrauch“.

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Amphibien: Viele Stunden Arbeit haben die Mitglieder des Bund Naturschutzes in das Aufstellen und Betreuen von neun Zäunen zum Schutz von Amphibien geleistet. So konnten im Landkreis rund 2500 Frösche und Lurche vor dem Tod auf viel befahrenen Straßen bewahrt werden, hieß es weiter.

Fledermäuse: Die Naturschützer setzen sich in der Region für den Erhalt von Quartieren der nachtaktiven Tiere ein. Es gab Beratungen und Führungen für Bürger.

Ökomarkt: Trotz schlechten Wetters sei der 18. Roggenburger Öko-Markt, den der Bund Naturschutz gemeinsam mit dem dortigen Bildungszentrum veranstaltet, ein Erfolg geworden: Rund 7500 strömten in die Klostergemeinde. Über 60 ehrenamtliche Helfer des Naturschutzverbands waren dabei im Einsatz, so Kurus-Nägele.

Landschaftspflege: 27 Maßnahmen wurden in der Region gestemmt, so die Bilanz der Umweltschützer: Von der „Brenne“ in der Roten Wand bei Wiblingen bis zum Großseggenried bei Nordholz. Die bearbeitete Fläche betrug laut Bund Naturschutz insgesamt rund 17 Hektar.

Engagement: Zu Verfahren in der Landschafts- und Raumplanung hat der Bund Naturschutz 21 Stellungnahmen abgegeben. Leider würden die Ansichten der Umweltschützer meist kaum Berücksichtigung finden, sagte Kreisvorsitzender Döring. (az, caj)

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