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Oberfahlheim

11.09.2018

Wenn aus Erde und Gestein Kunst entsteht

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3 Bilder
Ein Blick in die Ausstellung „Lines“: im Vordergrund ein Betonobjekt von Dieter Gass-ebner, dahinter Malerei von Trisha Kanellopoulos. <b>Fotos: Andreas Brücken</b>

Im Landkreismuseum begegnen sich der Blaubeurer Bildhauer Dieter Gassebner und die Münchner Malerin Trisha Kanellopoulos. Deren Arbeiten verbindet mehr, als man zunächst sieht.

Wenn Dieter Gassebner über seine Betonobjekte spricht, streicht er mit seinen Händen gerne über ihre rauen und doch angenehmen Oberflächen. Schließlich kommt es dem Blaubeurer Künstler nicht nur auf die Optik an, sondern auch auf die Haptik. Eine seiner Skulpturen stehe zuhause bei einer nahezu blinden Frau, erzählt er. Und wie er gehört habe, sei diese überglücklich, das Kunstwerk mit ihren Händen erleben zu können. Auch für die Besucher im Museum für bildende Kunst des Landkreises in Oberfahlheim ist Anfassen derzeit erlaubt, zumindest bei Gassebners, bei Kunstfreunden in der Region, längst berühmten Betonobjekten.

Die machen jedoch nur einen Teil der neuen Ausstellung „Lines“ aus. Denn in dieser tritt das bildhauerische Werk des 1950 geborenen Autodidakten, der zu den aktivsten Künstlern im Raum Ulm gehört, auf abstrakte Erd-Bilder der in München lebenden US-Amerikanerin Trisha Kanellopoulos. Die beiden kennen sich seit vielen Jahren, haben dieselbe Galerie in München und mehrere gemeinsame Ausstellungsprojekte geschultert, unter anderem bei „Pro Arte“ in Ulm. Und natürlich war Kanellopoulos auch bei Gassebners Projekt „Kunst im Steinbruch“ im Blaubeurer Stadtteil Gerhausen dabei. Dort, im Steinbruch, hat dieser auch sein Atelier.

Die Malerin sammelt selbst Erde für ihre Bilder

Kanellopoulos’ zumeist monochrome Malerei wirkt auf den ersten Blick minimalistisch und konstruiert, genau betrachtet aber warm und menschlich. Die den Bildraum strukturierenden Linien sind von Hand gezogen, die Farben stellt die Wahlmünchnerin selbst her – aus selbst gesammelter Erde. Deren Herkunftsort gibt sie mit den Bildtiteln an. Auch an der Donau in Ulm wurde sie fündig, woran ein Weckglas mit schwäbischer Erde in der Ausstellung erinnert. Die Verwendung von Naturmaterialien gibt der Kunst der Amerikanerin eine gewisse Bodenhaftung, wobei der aufmerksame Betrachter auch starke Bezüge zur Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts findet – etwa beim neunteiligen „The Grey in the Light“, das an Gerhard Richters Farbtableaus erinnert, aber keine Industriefarben verwendet, sondern Erden aus Süddeutschland, den USA und auch aus Abu Dhabi.

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Auch in Dieter Gassebners Skulpturen steckt Heimaterde beziehungsweise -gestein, denn in den Zement mischt er unter anderem Weißkalk aus dem Gerhauser Steinbruch. Die „Lines“, also Linien, die der Ausstellungstitel verspricht, sind bei dem Bildhauer jedoch ganz andere als bei Kanellopoulos, in deren Bildern die Vertikale und vor allem die Horizontale akzentuiert wird. Gassebners schlauchartige Objekte hingegen bilden Schleifen und Schlaufen, als ob sie mit dem Zeichenstift in den Raum gesetzt worden wären: Elegant und fragil, ganz anders, als es der Werkstoff Beton erwarten lassen würde. Gassebner mag es, Kunst aus „banalem Material“ zu machen. Im Keller des Museums zeigt der Blaubeurer eine neue, nicht zum Anfassen gedachte Werkreihe: Objekte aus lackiertem Baustahl, mal zu strengen, turmartigen Objekten, mal zu dichtem Gespinst zusammengeschweißt, sandgestrahlt und lackiert. Wo die Kunst im Erdgeschoss eine souveräne Ruhe verbreitet, regiert hier das spielerische Chaos. Spannende neue Seiten im Schaffen Gassebners.

Im Kabinett öffnen sich "Imaginäre Welten"

Einen starken Kontrast zur Doppelschau bildet die Kabinettausstellung „Imaginäre Welten“ mit grafischen Arbeiten der Ulmer Künstlerin Elena Schoch. Die gebürtige Weißrussin arbeitet für ihre Collagen vor allem mit der Technik der Monotypie, wobei sie abstrakte Formen und figürliche Darstellungen verbindet. Häufig tauchen darin Figuren auf, die an antike Helden-skulpturen erinnern, doch Schoch geht es nicht um eine Aufarbeitung der Kulturgeschichte, sondern um Metamorphosen, um ein Spiel mit Wahrnehmung und Erinnerung. Sie schafft dabei fantastische Welten – die doch aus den Tiefen unseres Gedächtnisses stammen könnten.

Beide Ausstellungen werden am Mittwoch, 12. September, um 19 Uhr eröffnet und laufen danach bis 18. November. Der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: Dienstag 16 bis 20 Uhr, Samstag/Sonntag 13 bis 17 Uhr.

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