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Ulm

13.03.2018

Wenn die Angst ans Bett kommt

Julia (links) lernt als Protagonistin Mia in „Der dunkle Vogel“, dass sie Geheimnisse erzählen muss, auch wenn sie schmerzhaft sind. Rechts Christian Streit als ihr Bruder Jan.

Lisa Sommerfeldts Kinderstück „Der dunkle Vogel“ erzählt von Missbrauch und will sanft aufklären. Das gelingt bei der Uraufführung im Podium auf beeindruckende Weise.

„Es ist ja nichts schlimmes. Wenn es etwas schlimmes wäre, dann würde ja was passieren“, raunt der Werwolf (Christel Mayr) der kleinen Mia (Julia Baukus) ins Ohr, bevor er über sie herfallen will. Im Kinderstück „Der dunkle Vogel“ wird im Theater Ulm ein erschütterndes Thema aufbereitet: Kindesmisshandlung und sexueller Missbrauch – in einem möglichst sanft aufklärenden Stück für Kinder ab zehn Jahren.

Die Uraufführung im Podium ist von Kindern und Erwachsenen sehr gut besucht, die Bühne (Britta Lammers) zeigt ein ganz normales Kinderzimmer: Bär, Elefant, Palletten-Bett, Holzschrank mit Leiter, Spielkiste, Spielecke, Schaukel. Mia im rosafarbenen Strampler wälzt sich im Bett hin und her, sie kann nicht schlafen. Sie hat Angst, dass nachts diese Schritte zu ihr kommen – zu ihr oder zu ihrem Bruder Jan (Christian Streit). Oder träumt sie das bloß? In eine Welt aus Illusionen vermag das Mädchen jedenfalls zu fliehen. Der dunkle Vogel erscheint auf ihrem Schrank, schenkt ihr eine Feder und nimmt sie mit auf eine Reise, weit fort, aus ihrem Körper hinaus, der dann nichts mehr spürt.

Mia begegnet auf dieser Flucht vielen seltsamen Gestalten, die aus ihrem Schrank hüpfen: einem Vergesser, zwei ungeschickten Blinden („Die ist bestimmt hässlich!“) oder einem Wahrheitsverdreher. Das Mädchen landet sogar in einer Castingshow, will dort aber nicht gesehen werden. Die Furcht bricht aus Mia heraus. Ein Pillen-Dealer will sie beruhigen, aber ihre Angst ist echt. Ein Vampir versteckt Jan, den Bruder des Mädchens. Mia sucht ihn fortan verzweifelt. Hilfe bekommt die Protagonistin schließlich von einer guten Hexe, die ihr klarmacht, dass man schmerzende Geheimnisse unbedingt erzählen muss. Ausgestattet mit einem „Kaktuspanzer“ trifft sie einen verwunschenen Prinzen, der ihr schließlich spielerisch erklärt, was geht und was nicht: „Küssen geht nur freiwillig!“ oder „Da darf nur ich mich anfassen!“. Der dunkle Vogel darf nun davonfliegen und Mia und ihr Bruder Jan offenbaren sich ihrer Mutter: „Es ist kein Traum. Papa ist der Werwolf! Hilf uns!“

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„Der dunkle Vogel“ ist ein Stück, das unter die Haut geht. Bittersüß gespielt von Baukus als unschuldiges Mädchen, das mit Ängsten, Selbstzweifeln, Sehnsucht und Liebe kämpft. Streit und Mayr schlüpfen gekonnt von einer in die andere Rolle. Mayr spielt einmal sogar drei Personen gleichzeitig. Streit bringt Komik mit und lockert das bittere Thema auf.

Autorin Lisa Sommerfeldt ist Projektstipendiatin des Kinder- und Jugendtheaterpreises Baden-Württemberg. Ihr ist mit „Der dunkle Vogel“ ein tiefschürfendes Werk gelungen, dass trotzdem eine gewisse Leichtigkeit ausstrahlt und letztlich zur Entschlossenheit führt: Nein heißt nein! Regisseurin Miriam Locher bringt diese Botschaft auf den Punkt.

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