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Pfaffenhofen

19.09.2016

Wenn einem das Gemälde neckisch entgegen blickt

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2 Bilder
Auge in Auge mit sich selbst: Der Attenhofer Künstler Norbert Riggenmann fertigte Porträts, die ihn aus Sicht seines Kunstwerks zeigen. Mal sei ihm zum Lachen zumute, dann wieder zum heulen.
Bild: Andreas Brücken

Bei „Künstler in Aktion“ in Pfaffenhofen können Besucher hautnah erleben, wie Gemälde und Skulpturen entstehen – und wie mancher mit seinem Handwerk ringt.

Der würzige Duft von Leinöl liegt in der Luft des Martinussaals in Pfaffenhofen. 17 Kunstmaler und Bildhauer arbeiten konzentriert an ihren Werken, die unter den Augen der interessierten Besucher entstehen. Doch wollen die Kunstschaffenden nicht nur als Schauobjekte posieren: „Künstler in Aktion“ nennt sich die Veranstaltung des Gewerbeverbandes und des Vereinsringes Pfaffenhofen, die alle zwei Jahre stattfindet und dann mit dem Marktsonntagswochende einhergeht. Dabei sind die Gäste eingeladen, über das Zuschauen hinaus mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen.

Teilnehmerin Manuela Schlegel aus Vöhringen, die gerade an einem großformatigem Bild arbeitet, fühlt sich durch Besucher keineswegs in ihrem Schaffen gestört, wie sie sagt. im Gegenteil: Sie freue sich über das Interesse der Gäste. „Wer als Künstler nicht angesprochen werden möchte, sollte hier nicht teilnehmen.“ Schlegel verarbeitet unter den Augen des Publikums ihre Urlaubserinnerungen an eine Reise auf der bekannten Autobahn „Route 66“, die quer durch die Vereinigten Staaten führt.

Dank der Acrylfarbe auf Leinwand können die Besucher in Pfaffenhofen sozusagen im Zeitraffer den Alterungsprozess der legendären Straße verfolgen. So verwandelt sich mit einem Pinselstrich eine schmucke Werbetafel auf dem Gemälde in ein schäbiges Schild. Die morbide Stimmung des Highways durch die Wüste habe sie sehr fasziniert, sagt Künstlerin Schlegel.

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Ihr gegenüber steht Jutta Krätschmer aus Neu-Ulm, die sich dem Thema Wohnen widmet. Sie schneidet Fotos aus, klebt sie auf das Bild, das sie zuvor mit Sprayfarbe durch eine Schablone besprüht hat. Ein Konzept habe sie nicht, gibt sie zu. Vielmehr würde das Werk aus dem Chaos heraus entstehen. So arbeite sie auch schon mal ein Objekt aus der bestehende Farbe heraus, die dann aber vom Bild wieder abgetragen wird. Bei der Wahl ihrer Materialien ist die Künstlerin experimentierfreudig: Sogar dickflüssiges Kaffeepulver wird mit dem Pinsel auf der Leinwand aufgetragen.

Auf künstlerisches Neuland begibt sich der bekannte Kunstschaffende Norbert Riggenmann aus Attenhofen: „Ich versuche die diffizile Kombination von Leinöl und Paraffin mit dem Pinsel auf das Papier zu bringen“, beschreibt er seine Tätigkeit. Noch in der Nacht zuvor hätten ihn die ersten Versuche zur Verzweiflung gebracht, sagt er. „Ich hätte fast den Pinsel in die Ecke geworfen.“ Bei soviel Emotion vor der Staffelei ist es nicht verwunderlich, dass der Künstler das Motiv für seine fünf Bilder in seinem eigenen Spiegelbild gefunden hat: Fünf Selbstporträts eines Malers aus der Sicht seines Werkes lässt Riggenmann mit sicherer Linie und dynamischen Schraffuren entstehen. Mal tragisch, mal belustigt, dann wieder kritisch wirken seine Gesichtszüge. Dabei legt Riggenmann nicht nur den technischen Prozess seiner Arbeit n offen – er bietet auch Einblick in die Gefühlswelt eines Künstlers, dem vor dem eigenen Werk stehende mal zum Lachen und mal zum Heulen zumute sei, wie er sagt. Fast uneingeschränkt begeistert zeigt sich Riggenmann vom Pfarrsaal als Veranstaltungsort. Der sei eigentlich nur eine Notlösung als Alternative zu den Zelt-Ateliers gewesen. Doch weil die Wettervorhersage für das Wochenende heftigen Regen prophezeit hatte, entschieden sich die Veranstalter, ins Martinushaus umzusiedeln.

Auch aus Sicht von Alfons Endres vom Gewerbeverband hat die neue Lokalität „gewisse Vorteile“. So könne man auf Sicherheitskräfte verzichten, die während der zweitägigen Veranstaltung in der Nacht die Kunstwerke stets bewachen müssten. Dazu sei die gesamte Atmosphäre des Pfarrsaales sehr angenehm und die Beleuchtung ideal.

Die fertigen Werke von „Künstler in Aktion“ können ab Mittwochabend, 21. September, in der VR-Bank besichtigt werden. Im Rahmen einer Vernissage wird dann um 19.30 Uhr von einer Jury der Favorit unter allen Künstlern gekürt.

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