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Ulm

26.05.2015

Wer hat Angst vor dem Tod?

Düster ging es bei „Poetry & Party“ nicht nur optisch zu: Die musikalische Lesung im Roxy-Studio mit Autorin Susanne Heinrich (links) und DJ Klaus Sebastian Klose drehte sich um das Thema Tod.
Bild: Florian L. Arnold

Die zweite Folge von „Poetry & Party“ fällt düster und sehr persönlich aus. Doch die Veranstaltung offenbart auch Schwächen.

Die von Autorin Susanne Heinrich initiierte Reihe, die zum Kulturprogramm des Münsterturm-Jubiläums gehört, hatte etwas Pech bei der Gästeliste: Co-Autorin Lisa Rank fiel krankheitsbedingt aus. Der zuerst angekündigte „quicklebendige Tausendsassa Benjamin Lauterbach“ trat ebenfalls nicht ins schummrige Rampenlicht der Poesieparty. So wurde es ein Solo für Heinrich, die von DJ Klaus Sebastian Klose ( Berlin) und Mathias Blöch (Berlin, Gitarre) begleitet wurde, mit hypnotischen Klängen zu Texten, die trotz düsterer Thematik poetische Helligkeit aufzeigten. Heinrich kam auch ohne Gäste klar, ihr Berliner Team wurde durch die Mal-Performance von Lisa Rudolf und Andrea Tiebel-Quast ergänzt. Die entwarfen spontan zu den Klängen und Texten eine expressive Malerei.

Den Tod in Worte zu fassen und dabei nicht in depressive Abgründe zu versinken: Das gelang dem Abend über weite Strecken. Freilich musste man sich auf Heinrichs autobiografisch durchfärbte Texte einlassen wollen und auch verdauen, wenn es sehr persönlich wurde – etwa in der nahegehenden Schilderung des Beinahesuizids der Großmutter. Der Tod als abstraktes, in Vororte und ausgeblendete Bereiche abgeschobenes „Phänomen“. Heinrich machte ihn als Alltagswahrheit fassbar: „Wenn ich über den Tod spreche, spreche ich immer über meinen Tod und meine Liebe.“ Überhaupt sei es erst „der Tod, der unserer Liebe Sinn gibt“.

Musikalisch eine Stunde lang von DJ Roter Freibeuter noch durch einen stilistisch breiten Mix inklusive satirischer Tönen aufgewärmt, blieb der Rest des Abends humorfrei. So wurde „Tod“ dann unterm Strich eine düstere Sache – die nach fesselnden Exkursionen ins Innere der jungen Autorin mit erstaunlich flachem Finale ins Partygeschehen verlief: „Weitermachen! Immer weiter!“

Die Elektro-Poetry-Performance hatte ihre starken Momente. Doch sie zeigte auch Längen. Und ohne Literaturgäste droht dem Format eine monokulturelle Berlin-Überdosis, zumal man die angekündigten Bezüge zu Ulm bisher mit der Lupe suchen musste. Nun darf man auf den dritten Abend im Club Eden gespannt sein; am 25. September geht es unter der Überschrift „Heilig“ um nicht weniger als die Religion.

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