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Ulm/Neu-Ulm

21.09.2015

Wer redet schon gerne vom Krieg?

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Neue Nachbarn: Die Zirkusschule „Serrando“ präsentierte sich neben dem Mini-Münste von Ralf Milde auf dem Judenhof.

Die Sponsoren-Debatte ist nur eine Randnotiz bei der Kulturnacht, die erneut mehr als 10000 Besucher anlockt. Doch die verteilen sich ungleichmäßig über die Doppelstadt.

Das gewitzte Kabarettprogramm ist im offiziellen Programm der Kulturnacht der deutlichste Beitrag zu dem Thema, das im Vorfeld die Gemüter erhitzte: das Sponsoring durch die Airbus-Rüstungssparte. Und zumindest beim „Theater an der Donau“ geht die Diskussion bei der Kulturnacht weiter – sogar mit einer Airbus-Mitarbeiterin kommt Wisser ins Gespräch. Hier, in der wehrhaften Bastion, geht es um Politik und Moral.

Das ist draußen nicht unbedingt so: Die meisten Flaneure bekommen vom Airbus und Waffen kaum etwas mit. Sie streifen über die Plätze, strömen in Galerien und Museen und nehmen am Wegesrand das ein oder andere Kuriosum mit. Da gibt es Breakdance in der Hirschstraße, spirituellen Rap in der Eisdiele und einen Tango tanzenden Ex-Baubürgermeister Alexander Wetzig auf der Bühne am Münsterplatz. Bei der Kulturnacht kann man was erleben. Wer redet schon gerne vom Krieg?

Groß ist auch dieses Jahr wieder der Andrang, wie Mitorganisatorin Carmen Mark später bestätigt. Mehr als 10000 Menschen sind es nach ersten Schätzungen, die an diesem Abend durch die Doppelstadt spazieren – mindestens so viele wie im Vorjahr. Und das bei einer Kulturnacht, die nach Einschätzung Marks so kreativ wie lange nicht ist: „Wir sind sehr zufrieden.“ Das gelte auch für die Teilnehmer. Jedenfalls die meisten. Denn auf der bayerischen Donauseite ist früh Ernüchterung zu spüren, vor allem im und vor dem LEW-Gebäude am Heiner-Metzger-Platz, wo der Verein Kunstbauraum und einige andere Künstler ein gemeinsames Programm auf die Beine gestellt haben. Während drinnen in den Ateliers die Künstler noch ganz zufrieden sind, findet das Angebot draußen kaum Anklang. Um 22 Uhr, zu einer musikalischen Video-Performance zum Thema Krieg und Flucht, steht nur eine Handvoll Menschen auf dem Platz. Künstlerin Dorothea Grathwohl ist frustriert. „Wir wollten Neu-Ulm die Treue halten“, sagt sie. „Aber ist schwer, Leute hierher zu bringen.“

Ein Happy End gibt es immerhin für die anderen Kulturschaffenden, die wie Grathwohl wegen Airbus auf einen Eintrag im offiziellen Programm verzichteten. Zumindest im Steinhaus, wo der Verein „KunstWerk“ ein musikalisches Programm zusammengestellt hat, ist kein Unterschied zu spüren. Die große Ansturm freilich, den gibt es auch bei dieser Kulturnacht bei den klassischen Kulturstätten: im Theater, in den Museen der Innenstadt, im Stadthaus. Und zumindest in letzterem ist das Thema Rüstung präsent. Aber mit Humor. Dort können Besucher einen „Peacemaker“-Cocktail trinken, und über der Bar prangt ein Zitat von Outsider-Künstler André Robillard, bekannt für seine skurrilen Eigenbau-Knarren. „Ingenieure sind Dummköpfe. Sie haben Waffen erfunden, die töten. Dabei ist es so einfach, Waffen zu erfinden, die nicht töten.“ Vielleicht das Wort zur Kulturnacht.

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