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Ulm

20.05.2015

Wer schoss in der Blaubeurer Straße?

Nach den Schüssen in der Blaubeurer Straße sicherte die Polizei vorige Woche Teile der Fassade des Hotels, das offenbar von einem Projektil getroffen wurde. Auf das Bordell daneben soll geschossen worden sein.
Bild: Mario Harlekin

Die Ulmer Polizei schweigt weiter eisern, doch die Spur führt anscheinend ins Rocker- und Rotlichtmilieu. Schon einmal fielen in der Nähe Schüsse vor einem Bordell.

Ein rätselhafter Vorfall in der Blaubeurer Straße sorgt weiter für Aufregung und Diskussionen. Vor allem besorgte Anlieger fragen sich: Flammen die gewalttätigen Auseinandersetzungen in der Ulmer Rocker- und Rotlichtszene wieder auf, nachdem für einige Zeit Ruhe eingekehrt zu sein schien? Wie berichtet, sind in der vergangenen Woche offenbar Schüsse in der Blaubeurer Straße gefallen. Getroffen wurde die Fassade eines Hotels, das sich direkt neben dem Bordell „Lolita Club“ befindet. Wurde das eigentliche Ziel also verfehlt? War es ein Racheakt oder ein Einschüchterungsversuch? Die Polizei schweigt weiterhin eisern. „Wir führen die Ermittlungen mit aller Akribie“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jürgens lediglich. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt werde die Polizei aber nicht nichts zu den Vorgängen sagen. Die Ermittlungen sollen nicht gefährdet werden.

Fest steht, dass die Polizei am Mittwoch vergangener Woche die Blaubeurer Straße mit einem Großaufgebot abriegelte, und dass die Feuerwehr daraufhin Teile der Fassade des beschädigten Gebäudes zur Spurensicherung entfernte. Sie war dazu mit einem Kranwagen vorgefahren. Anwohner berichteten von mehreren Schüssen. Diese waren offenbar in Richtung des Bordells abgefeuert worden. Mindestens ein Projektil schlug in der Fassade des daneben liegenden Hotels ein. Verletzt wurde dabei niemand.

In diesem Bereich der Blaubeurer Straße war es in der Vergangenheit bereits mehrfach zu brutalen Revierkämpfen im Rockermilieu gekommen. Dass dabei Unbeteiligte nicht zu Schaden kamen, war reiner Zufall, denn es fielen auch Schüsse auf offener Straße. Black Jackets gegen Mitglieder der Red Legion und Bandidos gegen Vertreter der Rock Machine kämpften in Ulm um die Vorherrschaft. Inzwischen wurde eine ganze Reihe von Straftaten am Landgericht Ulm in zum Teil mehrmonatigen Mammutprozessen aufgearbeitet – wobei Ermittler und Richter immer wieder gegen eine Mauer des Schweigens prallten. Im Juni vorigen Jahres wurde ein Mitglied der Black Jackets wegen Mordversuchs zu sechs Jahren Haft verurteilt. Im März dieses Jahres wurde ein ehemaliger Boss der Bandidos für sechs Jahre und neun Monaten ins Gefängnis geschickt. Das waren nur die großen Brocken. Nach außen hin war seit gut zwei Jahren Ruhe in der Szene eingekehrt, auch durch den hohen Verfolgungsdruck von Polizei und Staatsanwaltschaft. Bis jetzt.

Das Bordell, das jetzt möglicherweise Ziel eines Anschlags wurde, hieß früher „Lustpark“ und war in der Hand der Black Jackets. Inzwischen firmiert es unter dem Namen „Lolita Club“ und hat auch die Betreiber gewechselt. Jetzt steht ein Ableger der Gruppierung Rock Machine dahinter, der genauso heißt, aber anders geschrieben wird, nämlich „Rockmachine“ (oder auch: „Blue Rockmachine“). Die Betreiber des Bordells sind der Polizei bestens bekannt. Sie standen vergangenes Jahr wegen einer Schießerei in Neu-Ulm vor Gericht, bei der im Dezember 2012 ein Sicherheitsunternehmer getötet wurde. Einer der Brüder wurde freigesprochen, der andere wegen versuchter Strafvereitelung zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt, die nach dem Prozess durch die Untersuchungshaft allerdings bereits abgegolten war. Ein dritter Mann, der die Schüsse abgegeben hatte, wurde wegen Totschlags zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Ob die Schüsse in der Blaubeurer Straße Zeichen eines neuerlichen Machtkampfs unter Rockern sind oder ob es sich eher um eine private Abrechnung im Rotlichtmilieu handelt – die Polizei scheint jedenfalls höchst alarmiert.

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