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Freudenegg

08.08.2020

Wie Freudenegg sich vom Klostergut zum Industriestandort gewandelt hat

Inmitten der Auwälder versteckt sich ein Backsteinbau am Ufer des Illerkanals. Fast beschaulich zeigen sich die Gebäude im Weiler Freudenegg.
Bild: R. Manhalter

Plus Der kleine Weiler Freudenegg bei Senden tauchte bereits im Jahre 1194 erstmals auf. Seitdem hat sich viel getan: Ein Blick in eine Geschichte mit päpstlichen Schutzbriefen und kuriosen Namen.

Liebhaber von Industriearchitektur aus dem 19. Jahrhundert können in und um Senden durchaus auf ihre Kosten kommen. Neben dem Webereigelände in Ay versteckt sich wenige Kilometer nördlich inmitten der Auwälder ein Backsteinbau am Ufer des Illerkanals. Fast beschaulich zeigen sich die ziegelroten Gebäude im kleinen Weiler Freudenegg. Der Betrieb der Spinnerei und Weberei Pfersee wurde schon vor langer Zeit eingestellt; in die Räume sind zwischenzeitlich andere Firmen eingezogen.

Weit in die Vergangenheit führt auch die Geschichte von Freudenegg zurück, auch wenn man es den wenigen Häusern heute kaum ansieht. Dabei tauchte die Ansiedlung schon im Jahre 1194 in einem päpstlichen Schutzbrief für das Kloster Wiblingen auf. Freilich noch nicht unter dem Namen Freudenegg – dieser war, wie wir nachher sehen werden, noch anderweitig vergeben. Stade hieß dieser Klosterbesitz rechts der Iller, war wahrscheinlich nicht mehr als ein vielleicht größerer Hof und befand sich westlich der Gerlenhofener Flur. Zu den Grundherren am jenseitigen Illerufer führte wohl eine Brücke hinüber, welche sicherlich angesichts der reißenden Fluten des Gebirgsflusses des Öfteren erneuert werden musste.

Freudenegg ging auf die Fugger über

Die Gerichtsherrschaft über Freudenegg lag indessen mit den Grafen von Kirchberg in weltlichen Händen und sollte später an die Fugger übergehen. Nun ist auf alten Flurkarten der Name Freudenegg noch an einer ganz anderen Stelle vermerkt: Der langjährige Heimatpfleger Joseph Matzke lokalisierte in den 60er-Jahren einen Burgstall mit diesem Namen südöstlich der Gemeinde Wullenstetten. Knapp jenseits von Sportplätzen und Eisenbahn erhebt sich am Waldrand ein markanter Geländesporn. Dieser Abschnitt zeigt sich sowieso sehr von ehemaligen Burgen beherrscht.

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Neben dem kleinen und großen Lichtenberg kann auch von einem alten Wohnsitz bei der Wullenstetter Pfarrkirche ausgegangen werden, das sogenannte „Mausers Buschele“. Unter Berücksichtigung, dass die Kirchberger sich genealogisch in mehrere Linien verzweigten, von denen ausgerechnet der Stamm Kirchberg-Wullenstetten den längsten Bestand hatte, darf man mit einiger Sicherheit annehmen, dass diese befestigten Wohnsitze in dessen Zusammenhang standen. Wenn auch nicht selbst bewohnt, so könnten Dienstleute der Kirchberger am Rande der Illerleite ihren Verwaltungstätigkeiten nachgegangen sein.

Ab dem 16. Jahrhundert erscheint der Weiler unter Freudenegg

Ab dem 16. Jahrhundert erscheint auf alle Fälle der ehemalige Stade-Hof in den Illerauen in den Urkunden als Freudenegg. Namensübertragungen bei einem Wohnsitzwechsel waren im Mittelalter nichts Außergewöhnliches, man denke nur an die sprechende Ortsbezeichnung Weißenhorn, die von den Herren von Neuffen in Erinnerung an ihren alten Wohnsitz – eben die Burg auf einem weißen (aus Kalkstein) Horn auf der Schwäbischen Alb – auch für die Neugründung gewählt wurde. Warum also nicht auch hier den alten Burgnamen mitnehmen?

Die Tatsache, dass im Umkreis weniger Kilometer zwei gleichlautende, sonst nicht verbreitete Ortsbezeichnungen vermerkt wurden, unterstreicht diese Annahme. Wie groß diese Ansiedlung letztendlich war, kann heute nicht mehr gesagt werden. Auf alten Karten taucht mitunter nur ein einzelner Hof auf. Im Jahr 1832 schließlich kam Freudenegg zu Gerlenhofen und 1978 zur Stadt Senden. Besagter Hof wurde 1880 abgebrochen, kurz darauf hielt die Industrialisierung Einzug in den stillen Auwäldern.

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