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Elchingen-Thalfingen

23.02.2021

Wie Kunst in der Corona-Krise den Menschen Hoffnung geben kann

Kulturredakteur Marcus Golling hielt die Kanzelrede in der evangelischen Kirche St. Thomas in Thalfingen.
Bild: Andreas Brücken

Plus Kulturredakteur Marcus Golling erklärt in seiner Kanzelrede in Elchingen, was Kunst in der Krise bewirken könne. Und hat einen Rat für die Zeit nach dem Lockdown.

Jedes Jahr, zum Beginn der Fastenzeit, lädt die evangelische Kirchengemeinde St. Thomas zum Denkanstoß ein. Mit der Kanzelrede hat sich in Elchingen damit eine langjährige Tradition etabliert. Zum Fastenmotto "Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden" bat Pfarrerin Anja Saltenberger-Barraud den Kulturredakteur Marcus Golling an das Rednerpult, der das Thema coronakonform aufgriff.

Golling erklärte, dass der Lockdown schließlich ein Synonym für die Blockade geworden sei. Fast ironisch sei deshalb das aktuelle Motto, während die Spielräume für die Kultur, die Theater, Museen und Konzerthäuser seit fast drei Monaten geschlossen seien.

Kanzelrede in der Kirche St. Thomas in Thalfingen

"Wir erleben eine Zeit der Entbehrungen", sagte Golling und erklärte, dass es besonders die Künstler seien, die diese Blockaden abbauen: "Künstler, die guten jedenfalls, sind Menschen, die Spielräume austesten, bevor es andere tun, und ihre Erfahrungen zu etwas verdichten, das uns ganz direkt anspricht, ohne uns persönlich zu kennen." Deshalb bräuchten wir die Kultur derzeit ganz besonders, weil sie Blicke ermöglichten, die unseren eigenen Denk- und Spielraum erweiterten.

Künstlerin bereitete den Weg für die abstrakte Malerei

Die Beschäftigung mit der Kunst könne deshalb jetzt auch Hoffnung geben, sagte Golling und nannte die schwedische Malerin Hilma af Klint als Beispiel. Vor rund 120 Jahren bereitete sie den Weg für die abstrakte Malerei. Doch wollte die von Männern bestimmte Welt die verwegenen Bilder aus der Hand einer revolutionären Frau nicht sehen. "Was Hilma af Klints Spielraum einengte, war die Gesellschaft", erklärte Golling und nannte als weiteres Beispiel Alexei von Jawlensky, der als Maler von einer rheumatischen Arthritis eingeschränkt war, dessen Bilder trotz oder wegen dieser Behinderung den Betrachter besonders berührten. Unter dem Eindruck dieser Lebensgeschichten machte Golling den Zuhörern die Hoffnung, dass in uns Menschen mehr Kraft- und Durchhaltevermögen stecke, als man für möglich halten würde.

"Ist es vielleicht sogar so, dass es erst die Grenzen sind, die den Spielraum schaffen?", fragte Golling und kam zur schmerzhaften Erkenntnis, dass selbst das irdische Leben nicht erfüllender wäre, wenn es den Tod als Begrenzung nicht gäbe. Für die Zeit nach den Coronabeschränkungen gab Golling seinen Zuhörern eine Vorsatz mit auf den Weg: "Wir sollten uns wieder hineinstürzen in das Kulturleben!" Die Künstler, die Theater, Museen und Konzertveranstalter und jeder selbst bräuchten die Spielräume, die da seien, um genutzt zu werden.

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