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Ulm

16.01.2019

Wie Ulmer Kinder den Islam kennenlernen

Pfarrerin Rebekka Hemminghaus, Dekan Ulrich Kloos und Imam Israfil Polat bei der Podiumsdiskussion im Club Orange.
Bild: Dagmar Hub

Zwei Pfarrer und der Imam der Ulmer Ditib-Moschee sprechen über ihre Vorstellung von Erziehung - und entdecken Gemeinsamkeiten.

Ab dem Grundschulalter lernen muslimische Kinder in Ulm das arabische Alphabet, um später den Koran lesen zu können. Den Glauben bekommen sie in türkischer Sprache vermittelt. „Wir wollen, dass wir unsere Kultur pflegen, und die geht über unsere Sprache, über die Religion“, sagte Imam Israfil Polat bei einer Podiumsdiskussion am Montagabend. Der Vorbeter der Ditib-Moschee in der Herrlinger Straße in Ulm tauschte sich im Club Orange mit dem Ulmer katholischen Dekan Ulrich Kloos und mit der Pfarrerin Rebekka Hemminghaus über „muslimisches und christliches Gemeindeleben in Ulm“, über Unterschiede und Gemeinsamkeiten aus – zum Semesterabschluss der Sparte „Theologie und Ethik“. Das Halbjahr an der Vh Ulm, das seinen Schwerpunkt auf die Türkei legte, geht zu Ende. Gekommen waren durchweg ältere, kirchennahe Zuhörer – kein Muslim.

Hemminghaus ist Pfarrerin an der Martinskirche in Langenau, einer Stadt, die 1531 evangelisch wurde und über ein vielfältiges Gemeindeleben samt Hospizgruppe und Arbeitskreis Asyl verfügt. Polat, in Langenau geboren, ist nach Studien der Sozialpädagogik und der islamischen Theologie Imam der Ulmer Ditib-Moschee, die etwa 5000 bis 6000 Muslime anspricht.

Ditib-Mosche in Ulm hat 5000 bis 6000 Angehörige

Ganz präzise kann Polat diese Zahl nicht benennen. Denn im Allgemeinen, sagt er, sei immer nur einer aus einer Familie Mitglied bei Ditib, zur Moschee zugehörig fühle sich aber die ganze Familie. Das Selbstverständnis des religiösen Gemeindelebens ist im Islam ein anderes als im Christentum, das machte Polat deutlich: Die Moscheegemeinde sei in allen Lebensbereichen zuständig, von Geburt, Beschneidung und Namensgebung bis zur Totenwaschung und zum Begräbnis eines Menschen. Wie christliche Gemeinden ihre Kinderkirche oder Kindergottesdienste haben, gibt es in der Ditib-Moschee in der Herrlinger Straße in Ulm eine Kindermoschee. Etwa ab der Einschulung wird dort das arabische Alphabet gelehrt, damit die Kinder später den Koran lesen können. Die in türkischer Sprache gelehrte Glaubensvermittlung des muslimischen Gemeindelebens an Kinder und Jugendliche bedeute, religiöses Wissen zu vermitteln, die obligatorischen Pflichten auswendig zu lernen und über Gebete, Gebetshaltungen und das Leben des Propheten Mohammed Bescheid zu wissen.

Die Bewahrung kultureller Identität sei sehr wichtig, betont Polat. Jugendarbeit in der Moschee bedeute, Kindern und Jugendlichen die eigene Religion zu vermitteln, damit sie über islamisches Leben reflektieren können. Dazu sei es nötig, den Koran in arabischer Sprache rezitieren zu können, die Voraussetzungen zum Gebet zu kennen und auch die anderen Quellen des Islam, aus denen sich das islamische Gesetz speist, zu kennen.

Konfirmanden besuchen eine Moschee und eine Synagoge

Demgegenüber berichtete Rebekka Hemminghaus von Aktivitäten mit Konfirmandinnen und Konfirmanden: Mit ihnen andere Konfessionen und Religionen kennenzulernen, sei wichtig. Man besuche mit den Jugendlichen eine Moschee und eine Synagoge. Zentral ist aber auch für die Pfarrerin eine fundierte Kenntnis der eigenen Religion, bräuchten Offenheit für das Andere und Dialogfähigkeit doch eine stabile Identität. Die Langenauerin berichtete davon, dass die Jugendlichen der Gemeinde im Konfirmandenunterricht mit Lebenssituationen konfrontiert werden, die sie im Schulalltag nicht kennenlernen – über Mitarbeit im Tafelladen und im Altenheim sowie einen Besuch beim Bestatter beispielsweise.

Besucher fragten nach, ob im islamischen Freitagsgebet die Moscheebesucher gesegnet werden, was Polat verneinte: „Man hofft auf die Barmherzigkeit Allahs.“ Umgekehrt zeigte sich Polat überrascht von der Kürze einer christlichen Predigt, von der Ulrich Kloos berichtete. Sie dauere vor dem Beginn des islamischen Freitagsgebets zwischen 30 und 45 Minuten und werde dann während des Gebets noch einmal zusammengefasst.

Ähnlich schwierig sei es in Kirche und Moschee, Jugendliche anzusprechen, stellten Hemminghaus und Polat fest. Schule und sportliches Engagement beschäftigten die junge Generation stark. „Das haben wir gemeinsam“, konstatierte Rebekka Hemminghaus.

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