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Ulm

18.05.2019

Wie das Mittelalter die ICE-Strecke Stuttgart-Ulm beeinflusst

Reste der mittelalterlichen Stadtmauer Ulms. Auch auf der Alb sind Spuren aus dieser Zeit geblieben.
Bild: Alexander Kaya (Archivfoto)

Eine internationale Archäologie-Tagung in Ulm beleuchtet historische Einflüsse auf die Ulmer Alb. Welche Spuren aus dieser Zeit geblieben sind.

Archäologische Grabungen in einer Stadt lassen Rückschlüsse auf die Entwicklung der Siedlung zu und geben Aufschluss über das Leben der Menschen vor langer Zeit. Die Landschaftsarchäologie wird öffentlich weniger wahrgenommen, doch auch sie gibt wichtige Hinweise. Die Bahnlinie Ulm-Stuttgart etwa würde heute anders verlaufen ohne die frühen Mühlen im Flusstal der Fils. Denn die sumpfigen, wasserreichen Täler wie das Lonetal oder das Filstal wurden erst durch den frühmittelalterlichen Mühlenbau begehbar, Römerstraßen verliefen noch über die trockenen Höhen.

Am Freitag endete eine dreitägige internationale Fachtagung zur Archäologie des Mittelalters und der frühen Neuzeit in Ulm, Thema war „Die konstruierte Landschaft: Befunde und Funde zu anthropogenen Geländeveränderungen in Mittelalter und früher Neuzeit.“ In der Regel nutzte der Mensch bestehendes Gelände für Siedlungen und die Bewirtschaftung und nahm bei der Planung und Realisierung von Arealen, Infrastruktur und Bauwerken Rücksicht auf die Gegebenheiten. Im öffentlichen Vortrag der Tagung befasste sich Rainer Schreg, der an der Bamberger Otto-Friedrich-Universität Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit lehrt, mit den natürlichen, gesellschaftlichen und politischen Einflüssen, die die Ulmer Alb zu der heutigen Kulturlandschaft werden ließen.

Internationale Archäologie-Fachtagung in Ulm

Die Angriffe von alamannischen Gruppen auf das Römerreich und der Fall des Limes hatten zur Folge, dass sich Alamannen mit ihren Häusern aus Holz und Lehm oft ganz in der Nähe der Ruinen steinerner römischer Gutshöfe und Kastelle ansiedelten, nicht aber direkt auf ihnen. Die ältesten Siedlungen tragen häufig Namen, die auf -ingen enden, andere gebräuchliche Endungen wie -heim, -hofen oder -stetten entstanden später. Niederungsburgen sind Zeugen herrschaftlicher Elemente auch im ländlichen Bereich.

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Eisenverhüttung dürfte es auf der Alb schon zur Zeit der Hallstattkultur gegeben haben – also in der Eisenzeit, Jahrhunderte vor der römischen Zeit. Auch der Anbau von Flachs und das Flachsrösten ist eine uralte Kulturtechnik. Letzteres bezeichnet das Fermentieren von Halmen in wassergefüllten Gruben, um die Pflanzenfasern spinnbar zu machen. Schreg wies darauf hin, dass sich Ulm – bereits in alamannischer und merowingischer Zeit ein wichtiger Siedlungsort – im Bezug auf die Fertigung von Stoff ungewöhnlich verhielt, indem es immer auch die Textilherstellung in der Stadt hielt, sodass sich die Dörfer im Umland anders entwickelten als in anderen Regionen. Für Neubürger sei es schwerer gewesen, in den kleinen Ansiedlungen auf Ulmer Territorium Fuß zu fassen, so Schreg.

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Das Fazit des Archäologen: Der Mensch hat die Entstehung der Kulturlandschaft der Schwäbischen Alb beeinflusst, aber zumeist nicht aus gestalterischem Willen heraus, sondern oft unbeabsichtigt. Wie im Borgerhau-Wald bei Blaubeuren, wo in der Jungsteinzeit Silexgestein zur Fertigung von Werkzeugen und für Feuersteine im großen Stil abgebaut wurde. Der Wald auf dem Abbaugelände wächst noch heute schlechter als andernorts.

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