1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Wie der Mensch die Kultur entdeckte

Ulm

06.07.2016

Wie der Mensch die Kultur entdeckte

Copy%20of%20_AKY0097(1).jpg
2 Bilder
An einer Medienstation mit Touchscreen können Besucher mehr über die Höhlen erfahren: (von links) Marco Hompes und Kurt Wehrberger vom Museum sowie Wolfgang Koller vom Landratsamt Alb-Donau-Kreis führen sie vor.

Die Ausstellung „Am Anfang der Kunst“ soll Interesse wecken für die Eiszeithöhlen auf der Alb und ihre Schätze. Einen Schub für das Thema könnte 2017 die Unesco bringen.

Die Anträge sind eingereicht und geprüft – jetzt hilft nur noch warten: Voraussichtlich im Juni 2017 wird die Unesco darüber entscheiden, ob sechs „Höhlen der ältesten Eiszeitkunst“ im Aach- und Lonetal zum Welterbe erklärt werden. Dort, in der Nähe von Blaubeuren und Langenau, entdeckten Archäologen in den vergangenen Jahrzehnten die ältesten bislang bekannten figürlichen Kunstwerke der Menschheitsgeschichte, darunter den Löwenmenschen aus dem Hohlenstein-Stadel, der zu den wichtigsten Schätzen des Ulmer Museums zählt. Dort ist die circa 30 Zentimeter hohe Statuette ab heute gleich zweimal zu sehen: Zum Donaufest macht im Lichthof die Wanderausstellung „Am Anfang der Kunst – Art at the Start“ Station.

Mit der modular gestalteten Schau will die Initiative „Weltkultursprung“ Aufmerksamkeit für die Höhlen, die bedeutenden Funde und die Region erzeugen. Hinter dem Projekt stehen Wissenschaft, Kommunen, Alb-Donau-Kreis und Kreis Heidenheim sowie die mit dem Thema Eiszeitkunst befassten Museen – das Urgeschichtliche Museum Blaubeuren (Urmu), der Archäopark Vogelherd in Niederstotzingen und eben das Ulmer Museum.

„Am Anfang der Kunst“ richtet sich nicht an Kenner der Materie, sondern ist ein schneller Einstieg in das Thema: Die sechs Höhlen und die in ihnen gemachten Funde werden vorgestellt, wobei die 40000 Jahre alten Funde als Repliken zu sehen sind: der Löwenmensch, die „Venus vom Hohle Fels“, Mammut, Pferd sowie einige Flöten – im Original aus Mammutelfenbein oder Knochen, in der Ausstellung aus Epoxidharz. Aus gutem Grund, wie Kurt Wehrberger, Kurator Archäologie und kommissarischer Direktor am Ulmer Museum, erklärt: „Die Originale sind ausgesprochen empfindlich.“ Dazu komme, dass sie einen unschätzbaren Wert haben – sowohl bei der Versicherungssumme als auch für die Museen, in denen sie aufbewahrt werden.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die dreisprachige, von Sibylle Wolf (Uni Tübingen) konzipierte Ausstellung war zunächst in der baden-württembergischen Landesvertretung in Brüssel, im Landratsamt Alb-Donau-Kreis und in Heidenheim zu sehen. Jetzt gastiert sie erstmals in einem Museum, wo sie kostenlos besichtigt werden kann.

Wolfgang Koller, beim Alb-Donau-Kreis mit dem „Weltkultursprung“ betraut, sieht nicht nur die Unesco-Bewerbung auf einem guten Weg. Die Aufmerksamkeit für Eiszeitkunst und Höhlen sei bereits gestiegen, mittlerweile werbe selbst der Schwäbische-Alb-Tourismus mit dem Löwenmenschen. Im Ulmer Museum, so Kurator Wehrberger, sei die Archäologie die am besten besuchte Abteilung. Dass er und seine Kollegen jedoch nicht glücklich mit den dortigen Präsentationsmöglichkeiten sind, ist kein Geheimnis: Bei den bislang eher fruchtlosen Diskussionen über Umbau und Erweiterung des Museums war die Schaffung einer adäquaten Umgebung für den Löwenmenschen stets ein wichtiges Argument. „Solche Dinge müssen gut durchdacht sein. Und sie kosten Geld“, sagt Wehrberger, der hofft, dass im Falle eines Erfolges der Unesco-Bewerbung das Thema neuen Schub bekommt. Auch Wolfgang Koller verspricht sich davon Impulse für die regionale Entwicklung – „Mit dem Welterbe-Status spielt man in einer internationalen Liga“, sagt der Fachdienstleiter. Ein bisschen helfen kann und soll dabei auch „Am Anfang der Kunst“. Der Termin zum Donaufest ist nicht zufällig gewählt: Die Organisatoren hoffen, so weitere Interessenten aus dem Donauraum zu gewinnen. Wehrberger zufolge müssen die Gastgeber nur für Transport und Versicherung aufkommen. In Ulm ist „Am Anfang der Kunst“ bis 11. September zu sehen. Offizielle Eröffnung ist heute, Mittwoch, um 18 Uhr.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
dpa_1495C400B4088DCE.jpg
Bilder

Eiszeithöhlen auf der schwäbischen Alb sind nun Weltkulturerbe

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser Morgen-Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen