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18.06.2009

Wie der Optimist den Pessimisten tröstet

Ulm. Bereits am ersten Tag, an dem es Zeltkarten gab, war sein Kabarett-Abend "Tür zu!" ausverkauft gewesen: Der Aschaffenburger Urban Priol sorgte ein Jahr nach seinem begeisternden CCU-Auftritt für ein rappelvolles Ulmer Zelt. Die Annahme des Veranstalters, dass Priol nach einer Stunde eine Pause machen würde, nannte der "Randbayer mit fränkischem Migrationshintergrund" puren Optimismus, im Blümchenhemd und mit Weißbier auf der Bühne unterhielt er sein Publikum reichlich drei Stunden lang.

Ach ja, Optimismus: Die gegenwärtige Situation der Bundesrepublik sei so, dass der Optimist den Pessimisten trösten könne, dass es durchaus noch schlimmer kommen könne, sagt Priol. Gründe findet er genug, die bundesdeutsche Politgarde gründlich und mit scharfen, trefflich beobachteten Bildern durch den Kakao zu ziehen, wobei die prozentual überwiegenden Anteile des Abends seinem Lieblings-Feindbild, der Bundeskanzlerin, gehören. "Wenn ich diese vier Knöpfe schon auf mich zukommen sehe ..." sagt er, und der Rest des Satzes geht im Gelächter unter.

"Nagle mal einen Pudding an die Wand"

Man weiß, dass "das Angela" Priols spöttische Fantasie mächtig anregt. Wobei Priol nicht im Stil mancher Comedians einfach draufhaut, sondern seine Gedanken begründet: Die Beliebtheit und Akzeptanz der Bundeskanzlerin bei weiten Teilen der Bevölkerung liege darin, dass sie so wenig greifbar und so beliebig sei und nach der Methode Roberto Blancos "Heute so, morgen so" vorgehe: "Nagle mal einen Pudding an die Wand", klagt Priol.

Wie der Optimist den Pessimisten tröstet

Zwischen dem politischen Rundumschlag durch alle Parteien, zwischen all der herrlichen politischen Unkorrektheit bringt er zwar auch einmal eine freche Erzählung wie jene über die im Zug beobachteten typischen Handy-Gespräche, wo er einmal einem Mann auf den Satz "Ich bin jetzt im Zug" geantwortet haben will "Ich auch. Das sind wir alle", im Wesentlichen aber widmet er sich der Kanzlerin und der hoffnungsvollen deutschen Politikerriege "im Ozean der Überraschungen", der neuen Ernährungsampel beispielsweise, die den mündigen Verbraucher führen soll "falls die rote Ampel nicht gerade auf eine rote Chipstüte gedruckt ist."

Urban Priols Unwort 2009 ist "freiwillig" - die freiwillige Selbstverpflichtung der Fleischindustrie etwa sei wie eine freiwillige Mülltrennung bei der sizilianischen Mafia. Wer nach so viel Einsicht in die "blutleere Leidenschaftslosigkeit" bundesrepublikanischer Politik eine Rückführungstherapie braucht, für den erzählt Urban Priol schon mal den klassischen Werdegang des Therapeuten - vom Avon-Berater über den Tupperparty-Veranstalter gehe die Laufbahn eben genau zum Rückführungs-Therapeuten.

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