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Ulm

21.05.2016

Wie die Farbe Türkis in den Garten kam

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Eine Ausstellung im HfG-Archiv zeigt die Entwicklung des Ulmer Unternehmens Gardena anhand von etwa 150 Gartengeräten aus 50 Jahren. Dabei geht es auch um die besondere Rolle des Designs der Produkte.
Bild: Alexander Kaya

Eine Ausstellung im HfG-Archiv zeigt die Entwicklung des Gartengeräteherstellers Gardena. Und die besondere Rolle des Designs dabei.

Die Marke Gardena kennen heute Gartenfreunde in aller Welt. Dazu trägt auch die unverwechselbare Gestaltung der Geräte der Ulmer Firma bei. Wie aus einem Zwei-Mann-Unternehmen ein Global Player mit mehr als 500 Millionen Euro Umsatz im Jahr wurde und welche Rolle dabei das Design der Produkte spielte, zeigt eine Ausstellung im HfG-Archiv, die am heutigen Samstag eröffnet wird. Dabei wird klar: Studenten der Hochschule für Gestaltung trugen maßgeblich dazu bei, dass die Sachen von Gardena so aussehen, wie sie aussehen. Gezeigt werden aber auch Produkte von heute. Die Marke Gardena besteht nunmehr seit 50 Jahren. „Das war für uns ein schöner Anlass, auch über das Ende der HfG hinaus zu blicken: Was ist danach entstanden?“, erläuterte Martin Mäntele, der Leiter des HfG-Archivs auf dem Hochsträß.

Zu sehen sind etwa 150 Objekte, die größtenteils von Gardena zur Verfügung gestellt wurden, und in den Ausstellungsräumen in chronologischer Reihenfolge angeordnet sind, also von der Firmengründung im Jahre 1961 bis heute. Durch die Ausstellungsräume mit der ganzen Palette wie Kreisregner, Heckenscheren, Rasenmäher und Blumenrechen führt passenderweise ein Gartenschlauch am Boden. Dazu gibt es ausführliche Erläuterungen und eine Wand mit Bildern aus der Firmengeschichte sowie Klappen, auf denen Fragen stehen, die dahinter beantwortet werden. Außerdem können sich Besucher über QR-Codes per Smartphone Abschnitte aus dem Buch „Leidenschaft für den Garten“ anhören. Dieses hat der Fachjournalist Joachim Bengelsdorf im Auftrag des Unternehmens geschrieben und bietet umfassende Informationen über die Geschichte Gardenas. Er hat dafür mit mehr als 30 Zeitzeugen gesprochen.

Als die Firmengründer Eberhard Kastner und Werner Kress sich 1961 selbstständig machten, hatten sie noch keine eigenen Produkte, sondern verkauften Gartengeräte der französischen Firma Dragon. Begonnen hatten sie in Nürnberg, ein Jahr später folgte der Umzug nach Ulm. 1963 präsentierten sie schließlich das erste eigene Produkt: den Geräteboy, „die Garderobe für Haus- und Gartengeräte“. Der Name „Gardena“ wurde 1966 aus der Taufe gehoben – bei einem Kneipengespräch in Stuttgart in kleiner Runde. Er funktioniert translingual, er ist also in vielen Sprachen verständlich. Im Rennen waren damals übrigens auch „Gardex“ und „Happy Garden“.

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Anfangs waren die Geräte noch in Grau und Orange gehalten, erst später kam Türkis hinzu – einer Anekdote zufolge aus reinem Zufall. Ende der 60er Jahre entwickelt das Stuttgarter Grafikbüro Schober und Reinhardt schließlich Elemente für ein einheitliches Erscheinungsbild. Dazu gehören die orangefarbene Sonne – manche sehen darin auch eine Blume – sowie die Schrift Helvetica. 1968 erarbeitet Manfred Winter in seiner Diplomarbeit an der HfG Ulm „Gestaltungsrichtlinien für das Packaging-Design der Firma Kress & Kastner OHG“. Auch beim nächsten großen Schritt des Unternehmens ist die HfG von entscheidender Bedeutung.

Die Studenten Dieter Raffler und Franco Clivio sowie zeitweise Michael Conrad entwickeln die Steckkupplung, ein Grundprinzip, das als Basis für ein ganzes System von Gartengeräten diente. Es kam 1968 als „Original Gardena System“ auf den Markt. In der Ausstellung wird es ausführlich erläutert. Für Heribert Wettels von der Firma Gardena zeigt sich hier „Design als Katalysator des Geschäftserfolgs“. Die von Dieter Raffler gestaltete Akku-Schere „Accu 6“ hat es sogar bis ins Museum of Modern Art in New York geschafft.

Im HfG-Archiv wird aber nicht nur deutlich, wie wichtig das Design für den Erfolg der Firma war, sondern auch, wie Gardena immer wieder mit Innovationen punkten konnte – etwa im Bereich Selbstbedienung in den 60er Jahren oder mit einem Bewässerungscomputer, den das Unternehmen 1985 auf den Markt brachte. Zu sehen ist ebenfalls, wie die Produktpalette stetig erweitert wurde, bis hin zum Mähroboter im Jahre 2012. Verschwiegen wird aber auch nicht, dass die Verbindung Gardena – HfG nicht von Anfang an unter einem guten Stern stand. Bereits 1966 hatte sich Werner Kress an die Hochschule für Gestaltung gewandt. Er wollte einen Schlauchwagen auf den Markt bringen. Doch die Kosten, die ihm vonseiten der Hochschule für die Entwicklung eines solchen Produkts genannt wurden, fand Kress so unverschämt hoch, dass er abwinkte. Erst mit dem Stecksystem hat es zwischen der HfG und Gardena doch noch „Klick“ gemacht.

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