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Fairtrade

30.04.2015

Wie fair ist Neu-Ulm?

Darf es auch Fairtrade-Kaffee sein? Im Neu-Ulmer Rathaus gibt es künftig bei Stadtratssitzungen und im Büro des Oberbürgermeisters nur noch Kaffee aus fairem Handel zu trinken.
Bild: Alexander Kaya

Fünf Jahre nach einem gescheiterten Anlauf setzen sich erneut Stadträte für eine Bewerbung als „Fairtrade-Stadt“ ein. Doch die Verwaltung im Rathaus hat Bedenken

322 Städte sind es schon, jetzt will auch Neu-Ulm mitmachen und eine sogenannte Fairtrade-Stadt werden. Vielleicht. Irgendwann. Oder doch nicht? So ganz klar wurde das am Mittwoch nicht, als die Stadträte im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt darüber diskutierten. Sie beschlossen schließlich, dass sich die Stadtverwaltung dem Thema annehmen, die Voraussetzungen prüfen und innerhalb eines Jahres darüber berichten soll.

Manchem Stadtrat war das alles deutlich zu vage. Insbesondere den Grünen geht es bei dem Thema nicht schnell genug. Kein Wunder, hatte ihr Fraktionschef Rainer Juchheim gemeinsam mit Rätin Christina Richtmann ( Freie Wähler) bereits vor fünf Jahren einen ersten Anlauf gestartet. Damals scheiterten sie mit ihrer Idee, dass künftig bei Sitzungen des Stadtrates nur noch fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt wird – ein erstes Kriterium für die Bewerbung als Fairtrade-Stadt (siehe Infokasten). Mit 15:20 Stimmen wurde ihr Antrag abgelehnt.

Nun wagte die CSU-Fraktion, angetrieben von der Bundestagsabgeordneten Katrin Albsteiger, einen neuen Versuch. Und siehe da: Fünf Jahre später stieß die Idee auf eine deutlich größere Zustimmung bei den Räten. Nun soll also die Verwaltung prüfen, inwieweit Neu-Ulm überhaupt als Fairtrade-Stadt geeignet ist, wie viel Aufwand eine Bewerbung bedeuten und was das die Stadt kosten würde. Zudem soll in naher Zukunft Kirsten Tretter, Geschäftsführerin des Ulmer Weltladens und Wegbegleiterin der Ulmer Bewerbung, über ihre Erfahrungen berichten. Um Letzteres hatte Mechthild Destruelle (Grüne) gebeten, um etwas mehr Tempo in das Vorhaben zu bringen.

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Im Grunde waren sich schließlich alle anwesenden Räte einig: Die Welt werde man nicht grundsätzlich verändern, in dem man sich einen Aufkleber mit „Fairtrade-Stadt“ aufs Rathaus klebe. Aber es sei „ein Zeichen und ein erster Schritt in eine richtige Richtung“, wie Initiatorin Albsteiger erklärte: „Wir können hier Vorbild sein, ein Bewusstsein schaffen und damit unserer Verantwortung gerecht werden.“

In den Reihen der Stadtverwaltung hält sich die Begeisterung für das Projekt der Fairtrade-Kampagne, an der in der Region unter anderem Weißenhorn, Ulm und Illertissen teilnehmen, in Grenzen. Schon jetzt hätten fair gehandelte Produkte einen beträchtlichen Marktanteil und gehörten bei vielen Einzelhändlern bereits zum festen Sortiment. Daher stelle sich die Frage, inwieweit die unterstützende Tätigkeit der Stadtverwaltung noch angebracht sei. Auch sei nicht geklärt, welche nachhaltige Verbesserung die Fairtrade-Bewegung in Entwicklungsländern tatsächlich bringe. Der Einsatz von Ressourcen der Stadtverwaltung sei daher „sorgfältig abzuwägen“.

Immerhin konnten sich Räte und Verwaltung am Ende der Debatte zu einem durchringen: Künftig wird bei allen Sitzungen des Stadtrates, seiner Ausschüsse und im Büro des Oberbürgermeisters nur noch fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt.

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