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Gesundheit

20.06.2017

Wie geht es weiter mit den Kliniken?

Bürger sollen über die Zukunft der Kreiskliniken mitreden.
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Bürger sollen über die Zukunft der Kreiskliniken mitreden.

Die Kreisspitalstiftung will erfahren, welche Wünsche und Vorschläge Bürger für die Reform haben. Schon zum Auftakt der drei Dialogveranstaltungen wird hitzig diskutiert

Die geplante Strukturreform der drei Kreiskliniken im Landkreis Neu-Ulm ist ein heißes Thema. Knapp 40 Menschen war die Diskussion darüber gestern so wichtig, dass sie trotz des lauen, sommerlichen Abends ins Martinushaus nach Pfaffenhofen gekommen sind. Es war die erste von drei Dialogveranstaltungen, bei denen die Kreisspitalstiftung Meinungen, Vorschläge und Wünsche von Bürgern zur Reform der drei Krankenhäuser erfahren will.

Stiftungsdirektor Ernst Peter Keller sagte zu Beginn: „Wir wollen die Meinungen der Bürger für die Strukturentscheidung im Kreistag einfließen lassen.“ Die stellvertretende Landrätin Sabine Krätschmer fügte hinzu: „Wir müssen etwas tun mit unseren Kliniken.“ Auch sie appellierte an die Bürger, mitzuteilen, was ihnen in dieser Sache am Herzen liegt. Schnell wurde bei der Veranstaltung deutlich: Der Diskussionsbedarf ist groß.

Siegfried Hasenbein hat nach eigenen Angaben schon zahlreiche Strukturveränderungen bei Kliniken begleitet. Aus seiner Erfahrung kann der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, kurz BKG, sagen: „Wenn man solche Strukturveränderungen plant – und meistens sind sie unausweichlich – dann sollte man das nicht lange hinter verschlossenen Türen tun.“ Die BKG vertritt als Verband etwa 250 Krankenhaus-Träger mit insgesamt 370 Kliniken in Bayern.

Hasenbein stellte in seinem Vortrag zunächst die Rahmenbedingungen und die vielen gesetzlichen Vorgaben dar, unter denen Krankenhäuser arbeiten müssen. Dazu zählen etwa Personalkosten, die schneller und steiler steigen als die Einnahmen der Kliniken. Hinzu kommen Qualitätsanforderungen und Vorgaben an Struktur und Kapazität. „Die große Diskussion in den nächsten Jahren wird sein: Wie viele Krankenhäuser brauchen wir noch und was dürfen diese tun?“, sagte Hasenbein. Die Statistik zeige seit 20 Jahren: Die Zahl der Krankenhausfälle nimmt zu, die Zahl der Häuser, Betten und die Zahl Verweiltage der Patienten nehme ab.

Die Herausforderungen lassen sich aus Sicht von Hasenbein nur durch leistungsfähigere und effizientere Strukturen, durch Kooperationen und Allianzen zwischen den Kliniken sowie Teamarbeit im Unternehmen bewältigen. Sein Fazit: „Der Trend geht hin zu größeren Organisationseinheiten.“

Ein Zuhörer eröffnete die Diskussion, indem er feststellte, dass es Politik und Krankenhausgesellschaft seit 20 Jahren versäumt hätten, den Bürgern deutlich zu machen, dass kleinere Einheiten nicht bestehen könnten. „Nur große Einheiten sind in der Lage, echte Qualität zu leisten.“ Hasenbein sprach sich wie der Bürger zwar nicht für 1000-Betten-Häuser aus, machte aber deutlich, dass ein Ausgleich gefunden werden müsse zwischen Erreichbarkeit der Klinik und bestmöglicher Qualität und Kompetenz.

Mehrere Bürger brachten das in den vergangenen Jahren aufgelaufende Millionendefizit der drei Kreiskliniken zur Sprache. Wie könne das erst im Nachhinein rauskommen, fragte eine Frau. „Ich war im Laufe des Jahres nicht zuständig“, sagte Keller ausweichend, der die Stelle des Direktors erst später übernommen hatte. Er machte aber auch deutlich: „Von uns wird ein hoher Standard gefordert, es wird aber nicht sachgerecht vergütet.“

Scharfe Kritik äußerte Wolfgang Karger, Sprecher der Bürgerinitiative „Geboren im Süden“, an hohen Honoraren für die Dienste von Unternehmensberatern und an der Entscheidung des Kreistags, für 7,7 Millionen Euro ein neues Parkhaus neben der Donauklinik in Neu-Ulm zu bauen. „Da verbraten sie wieder Geld für eine Klinik, die keine Zukunft haben wird.“ Schließlich gebe es auch in Ulm Kliniken.

Werner Schmidbaur, ärztlicher Stiftungsdirektor, äußerte daraufhin die Befürchtung, dass die „unsäglichen Diskussionen“, wie er sagte, dem Image der Kreiskliniken weiter schaden könnten. Er warf die Frage auf: „Schaffen wir es überhaupt noch zu einer neuen Strukturlösung, ohne dass uns vorher die Mitarbeiter und Patienten weglaufen?“.

Heute um 18 Uhr findet die nächste Dialogveranstaltung im Feuerwehrgerätehaus in Straß statt, am morgigen Mittwoch, 18 Uhr, ist die dritte Runde in der Kantine Winkle in Altenstadt.

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