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Medizintechnik

28.11.2018

Wie gelähmte Hände wieder greifen können

So sieht die Orthese aus. Entstanden ist die Produktidee der bionischen Handorthese in einem Forschungsprojekt zum Thema Handprothetik.
Bild: HKK Bionics

Zwei Ulmer wurden für die Erfindung einer neuartigen Orthese ausgezeichnet. Erwartungen sind groß

Wie hilft man Menschen, die ihre Hände nicht mehr bewegen können? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Ulmer Dominik Hepp und Tobias Knobloch. Gemeinsam entwickelten sie mit ihrer Medizintechnik-Firma HKK Bionics, die an der Hochschule Ulm entstanden ist, eine Orthese, die die Greiffunktion gelähmter wiederherstellen könne.

Nun gab es für das in der TFU-Fabrik im Science Park tätige Medizintechnik-Startup eine hochkarätige Auszeichnung: In Berlin wurden sie nun als eines von zwei innovativen Gewinner-Teams vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) ausgezeichnet. Die Fachjury mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft bewertete die Ideen nach den Idealen des VDE (Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik). Zu diesen gehören Nachhaltigkeit, Innovation, Know-how, Realisierbarkeit und Plausibilität.

„Durch das Votum der Fachjury fühlen wir uns in unserer innovativen Arbeit bestätigt“, freut sich Dominik Hepp. Entstanden ist die Idee einer bionischen Handorthese in einem Forschungsprojekt zum Thema Handprothetik, das von einem der Gründer 2011 im Labor für Biomechatronik der Hochschule Ulm initiiert wurde. Unterstützung erhielten die beiden Ingenieure der Medizintechnik zusätzlich durch das Institut für Medizintechnik und Mechatronik.

Die „Exomotion Hand One“ getaufte Handorthese besteht aus einer tragenden Armschiene, dem Antriebspaket, einer innovativen, anpassbaren Finger-Exomechanik, einem Silikonhandschuh sowie einem Sensor und der Bedieneinheit. Der Sensor und die intelligente Software in der Bedieneinheit erkennen die Bewegungsabsicht des Trägers. „Dann leiten die Antriebe gezielt Kraft in die Betätigungsmechaniken ein, welche die Finger öffnen, schließen und ihnen so die notwendige Griffkraft bereitstellen“, berichtet Hepp. Die akkubetriebene Orthese sei eine Lösung für ganz oder teilweise gelähmte Hände und schließe damit eine Versorgungslücke. Zielgruppe sind Patienten mit Lähmungen der Hand beispielsweise durch Verletzungen oder Schlaganfälle. Zur Gewährleistung bester Passform und höchsten Tragekomforts wird die Orthese mithilfe modernster digitaler Technologien wie 3D-Scan und 3D-Druck individuell an den Patienten angepasst.

Tobias Knobloch erläutert: „Dank unserer Erfindung profitieren Betroffene von einer signifikanten, dauerhaften Steigerung beziehungsweise Wiederherstellung ihrer Selbstständigkeit und damit Teilhabe und Lebensqualität.“ Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene entlaste die Orthese das Gesundheitssystem durch verminderte Pflegeleistungen und bessere Chancen auf eine schnelle Wiedereingliederung ins Berufsleben. Das interdisziplinäre Team der durch ein Gründerstipendium geförderten Firma HKK Bionics nimmt derzeit den letzten Schliff am Produkt vor. Parallel dazu erfolge der weitere Unternehmensaufbau. Als nächste Schritte stehen die Testphase unter realen Bedingungen sowie das Verfahren zur Konformitätsbewertung für Medizinprodukte an. Für den Vertrieb der Orthese strebt die Firma eine Kooperation an. Es besteht bereits ein starkes Netzwerk und eine intensive Zusammenarbeit mit Ärzten, Therapeuten, Sanitätshäusern und Patienten. Aktuell sucht das Unternehmen den Kontakt zu Betroffenen. (az)

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