1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Wie gut sind die Retter für den Ernstfall gerüstet?

Ulm

21.10.2018

Wie gut sind die Retter für den Ernstfall gerüstet?

Copy%20of%20181020_Heckmann_Ulm_Gro%c3%9f%c3%bcbung_6262.tif
4 Bilder
Rund 800 Helfer vieler Hilfsorganisationen, Polizei und Klinikmitarbeiter haben am Samstag in Ulm für den Ernstfall geprobt. Das Szenario: Bewaffnete Täter haben an der Robert-Bosch-Schule am Kuhberg Sprengsätze gezündet, auch Schüssen sind gefallen.
Bild: Thomas Heckmann

Bewaffnete Attentäter, zahlreiche Verletzte: Rund 800 Helfer von Hilfsorganisationen, Polizei und Klinikmitarbeiter haben bei einer Großübung in Ulm viel zu tun.

Bewaffnete Täter haben in der Robert-Bosch-Schule am Ulmer Kuhberg selbst gebastelte Sprengsätze gezündet und auch Schusswaffen eingesetzt: Das war die Ausgangssituation einer Übung, die rund 800 Helfer vieler Hilfsorganisationen, Polizisten und Klinikmitarbeiter am Samstag bewältigt haben. Mehr als 80 Verletzte mussten in Sicherheit gebracht und medizinisch versorgt werden. Alle drei Ulmer Kliniken waren genauso eingebunden wie eine Alarmhundertschaft der Ulmer Polizei.

Gegen 13 Uhr ertönen Detonationen, Rauch steigt vor der Robert-Bosch-Schule auf. Zahlreiche Notrufe lassen die Einsatzzentrale der Polizei und die Leitstelle des Rettungsdienstes aufhorchen. Den Übenden ist vollkommen unbekannt, was passiert ist – und man rechnet mit allem. Der Notarzt fährt daher nicht wie üblich direkt vor den Haupteingang, sondern bleibt mit den Rettungsdienst-Mitarbeitern geschützt hinter dem Mensa-Gebäude. Polizisten in schusssicheren Westen und Helmen nähern sich mit gezogenen Waffen von hinten aus dem Gebüsch heraus der Schule. Verletzte liegen auf dem Schulhof, schreien, rennen herum. Die Polizisten ziehen sie hinter das Gebäudeeck, durchsuchen die Verletzten kurz, damit sie es nicht mit einem bewaffneten Angreifer zu tun haben, und stillen lebensbedrohliche Blutungen. Immer mehr Polizisten rücken an, eine Drohne steigt auf und sendet Videobilder in das Lagezentrum bei der Polizei.

Die Verletzten werden von den Polizisten aus dem Gefahrenbereich bis zur Mensa getragen. Wege von bis zu 150 Metern verlangen den Polizisten körperlich alles ab. Feuerwehrleute und Rettungsdienstmitarbeiter übernehmen dann im Schutz der Mensa die Verletzten, über 50 Rettungs- und Krankenwagen mit 260 Helfern aus der gesamten Umgebung kommen dazu. Nach einer ersten Sichtung wird entschieden, wer wie schwer verletzt ist und in welche Klinik kommt. Uni-Klinik, RKU und Bundeswehrkrankenhaus nehmen an der Übung teil und müssen nun sehen, wie sie mit so vielen Verletzten zurechtkommen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Großübung in Ulm: Polizisten durchsuchen die Verletzten, damit die Attentäter nichts einschleusen

Im Lichthof der Chirurgie sammeln sich Chirurgen, Anästhesisten und Pfleger. Am Ende werden alleine hier 150 Fachleute gezählt. Wagenweise wird Verbandmaterial herangefahren. Ultraschallgeräte für Untersuchungen stehen bereit, auf einer Stellwand werden Strichlisten über die Schwere der Verletzungen geführt, der medizinische Leiter erteilt mit dem Megafon Anweisungen an seine Kollegen, wer sich um welchen Verletzten kümmern muss. Ein Rettungswagen nach dem anderen bringt Verletzte. Noch in der Zufahrt werden die Fahrzeuge von Polizisten gestoppt und die Verletzten nochmals durchsucht, damit kein Attentäter etwas Gefährliches in die Klinik einschleusen kann.

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Bundeswehrkrankenhaus, mit militärischer Disziplin geht jeder der 250 Übenden seinen Aufgaben nach. Auch als einer der verletzten Attentäter zur Versorgung gebracht wird, funktioniert alles: Die bereitstehenden Polizisten können seinen Angriff abwehren und ihn gefesselt den Ärzten übergeben.

Im Führungs- und Lagezentrum laufen alle Fäden zusammen

Währenddessen herrscht in den klimatisierten und abhörsicheren Räumen des Führungs- und Lagezentrums der Polizei hektische Betriebsamkeit. Informationen von der Einsatzstelle und von den Kliniken werden zusammengetragen und taktische Befehle nach draußen gegeben. Zwei Polizistinnen kümmern sich um die sozialen Medien, beantworten Anfragen, beruhigen und geben Verhaltenstipps, bearbeiten Presseanfragen.

Nach rund drei Stunden können sich dann auch die gut 80 Verletzten ihre geschminkten Verletzungen wieder abwischen lassen, die sie am Vormittag von rund 20 Maskenbildnern aus Baden-Württemberg und Bayern nach einem genauen Plan bekommen haben. Brandwunden, offene Knochenbrüche oder Platzwunden waren realistisch gestaltet worden, damit die Übenden auch einen Eindruck bekommen haben, was sie in der Realität erwartet.

Das Fazit war bei allen Organisatoren positiv. Bald werden noch Details analysiert und Verbesserungen abgeleitet. „Naturgemäß verläuft so ein Unterfangen niemals ohne Fehler“, so Udo X. Kaisers, Leitender Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Ulm. „Vielmehr ist genau das der Sinn und Zweck einer solchen Übung. Indem wir jetzt Schnittstellenprobleme erkennen, sind wir in der Lage, sie zu beheben.“

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
IMG_20190521_140516_resized_20190521_022932117.jpg
Ulm/Neu-Ulm

Regen lässt Donau rasend schnell ansteigen

ad__pluspaket@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live, aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Plus+ Paket ansehen