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Ulm/Ehingen

22.02.2021

"Wie im Horrorfilm": Vater soll elf Mal mit Messer auf Tochter eingestochen haben

Der Mann hat die Tat bei der Vernehmung durch die Kripo gestanden.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Plus Ein Iraker wollte nicht akzeptieren, dass seine Tochter die Freiheiten einer Frau in Deutschland genoss. Er soll die 31-Jährige fast totgestochen haben.

Im September 2020 hatte die Messerattacke eines 60-jährigen Vaters auf seine 31-jährige Tochter an einem Nachmittag mitten im Stadtgebiet von Ehingen Erschütterung ausgelöst. Elf tiefe Stiche in den Oberkörper der Frau lösten lebensgefährliche Verletzungen aus, sie konnte sich schwerstverletzt von ihrem Angreifer befreien. Bei einer Notoperation wurde die Frau im Krankenhaus vor dem Tod gerettet. Warum hat der Mann das getan?

Das versucht jetzt die Schwurgerichtsgerichtskammer des Landgerichts Ulm in insgesamt fünf Tagen Beweisaufnahme zu klären. Zu Beginn der Sitzung hat der Staatsanwalt am Montag die Anklageschrift verlesen, in der von einem versuchten Mord und gefährlicher Körperverletzung in der tragischen Familientragödie die Rede ist. Der Angeklagte habe seine Tochter an jenem Septembertag töten wollen, weil sie eine andere Lebenseinstellung eingenommen hatte. Sie kam mit dem Vater auf der Flüchtlingsroute über Rumänien nach Deutschland, um hier Asyl zu beantragen. Offenbar war sie von den Freiheiten der Frauen im Westen, anders als in ihrem Herkunftsland Irak, sichtlich beeindruckt.

Ehingen: Vater sieht Tochter als "Ungläubige" und sticht auf sie ein

Der Vater sagte bei einer Vernehmung durch die Kriminalpolizei in der Untersuchungshaft, er habe die Lebenseinstellung hierzulande als zu freizügig empfunden und seine Tochter als muslimisches Familienoberhaupt bestrafen wollen. Sie sei in Deutschland zu einer Ungläubigen geworden. Daraufhin hat der Mann, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, den Tod seiner Tochter zumindest billigend in Kauf genommen.

Die Tat geschah genauer gesagt am Abend des 4. September 2020 bei einem kleinen Park in der Nähe des Ehinger Bahnhofs. Der Vater hatte, wenn die Anschuldigungen stimmen, seiner Tochter mit einem scharfen Messer aufgelauert. Die Klinge drang laut Anklagebehörde insgesamt elf Mal tief und heftig in den Körper der 31 Jahre alten Frau ein. Trotz der Wunden gelang es ihr blutend ihren Vater zur Seite zu stoßen und zu fliehen. Die Frau schleppte sich in eine Sisha-Bar, etwa 200 Meter vom Tatort entfernt, und war dort vor ihrem Vater endlich in Sicherheit. Das Personal und Gäste leisteten Erste Hilfe, bis der Notarztwagen kam. Die Ehefrau des Sisha-Betreibers sagte in einem ersten Interview einem lokalen Reporter: "Es war wie in einem Horrorfilm".

Prozess in Ulm: Opfer steht seit der Tat unter Polizeischutz

Der tatverdächtige Vater wurde noch am gleichen Abend in der Nähe des Tatorts von der Polizei festgenommen. Seitdem sitzt der Mann, der kein Wort Deutsch spricht, in Untersuchungshaft. Am Montag übersetzte eine Dolmetscherin den gesamten Ablauf des einstündigen Prozessauftakts in arabische Sprache. Der Mann wurde in Fesseln in den Gerichtssaal geführt. Auf eine Verdeckung seines Gesichts etwa mit einem Aktendeckel verzichtete der Angeklagte, der weisungsgemäß einen Mund- und Nasenschutz trug. Das Opfer lasst sich als Nebenklägerin von einer Anwältin vertreten.

Vor dem Angriff ihres Vaters hatte die 31-Jährige in einer Unterkunft für Asylbewerber im Raum Ehingen gewohnt. Seit der Entlassung aus dem Krankenhaus steht die Frau unter Polizeischutz.

Der Prozess wird am Freitag, 5. März, um 8.30 Uhr im Schwurgerichtssaal des Ulmer Landgerichts fortgesetzt. Dann sind neun Zeugen geladen. Möglich, dass der Angeklagte dann Angaben zu seiner Person und der vorgeworfenen Tat macht.

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