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Landkreis

13.04.2019

Wie viel Geheimnis brauchen die Kliniken?

Stiftungsdirektor Marc Engelhard muss stets viel erklären.
Bild: Roland Furthmair

Nicht alle Zahlen der Kreiskrankenhäuser können öffentlich diskutiert werden, findet der Landrat

Wenn es um das Klinik-Defizit geht, dann wird im Kreistag zuverlässig mit viel Ausdauer diskutiert. In der jüngsten Sitzung am Freitag etwa darüber, ob nun öffentlich oder nichtöffentlich beraten werden kann, soll oder muss. Es wurde dann eine Mischung aus Tür auf und Tür zu. Aber zunächst ging es darum, wie viel Geheimnis die Krankenhäuser brauchen.

Schädlich für die Kreiskliniken?

Die Fraktionen von Freien Wählern, SPD und Grünen hatten einen Tag vor der Sitzung beantragt, öffentlich über die medizinische Strategie der Kreiskliniken zu reden. Das fand Landrat Thorsten Freudenberger nur teilweise in Ordnung. Natürlich gebe es ein Transparenzgebot, doch ebenso ein gewisses Interesse, Betriebsgeheimnisse nicht in die Öffentlichkeit zu tragen: „Das kann schädlich sein.“ Zudem sei vor gut einem Jahr sehr gründlich über die Struktur der Kliniken geredet worden, von Intransparenz könne keine Rede sein. Gegenrede hielt Helmut Meisel von den Grünen, der sich dagegen wehrte, dass stets von Betriebsgeheimnissen die Rede sei. Es handle sich wohl um einen Betrieb mit vielen Geheimnissen. Das mochte der Landrat so nicht stehenlassen: „Es gibt niemanden, der als Träger so intensiv diskutiert wie wir. Was wissen Sie denn über das Günzburger Kreiskrankenhaus, über das Bundeswehrkrankenhaus, über das Bethesda?“

Wie lange diskutieren wir noch über die Kreiskliniken?

Ein weiteres Argument Freudenbergers: Am Freitag sollten kein endgültigen Grundsatzentscheidungen getroffen werden. Er regte einen Workshop an, bei dem über alle Zahlen geredet werden könne. Mitten in die Diskussion, in welcher Form diskutiert werden solle, polterte Gerhard Unglert (CSU) hinein: „Wie lange wollen wir denn noch diskutieren? Wir sollten endlich vorankommen.“

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In den Kliniken hat sich einiges gut entwickelt

So wurde denn der Wirtschaftsplan für 2019 zum Anlass genommen, doch noch etwas tiefer in die Probleme der Kliniken einzusteigen, für eine knappe Stunde die Öffentlichkeit vor die Tür zu schicken, sie wieder reinzulassen – und dann wieder rauszuschicken. Wie berichtet, werden die drei Häuser in diesem Jahr wohl ein Minus von knapp 14 Millionen Euro einfahren. Stiftungsdirektor Marc Engelhard trug vor, was 2018 bereits an Maßnahmen umgesetzt wurde, allerdings musste er einräumen, dass noch nicht alle sofort griffen, was teilweise personelle Ursachen gehabt habe. So konnte Weißenhorn nicht wie geplant vom Überstundenberg herunterkommen, weil eine angestiegene Krankheitsquote das Vorhaben teilweise durchkreuzte. Dafür sei es gelungen, die Auslastung des OP-Bereichs in der Stiftungsklinik zu optimieren. Sehr gut entwickelt habe sich der Geriatriebereich in Illertissen, jedoch fehle noch ein weiterer Fachmann auf diesem Gebiet, der auf dem Arbeitsmarkt nicht zu bekommen war. Sehr gut gestartet sei die neue Schmerzklinik in Illertissen mit ihren zehn Betten. „Aber das Thema Notaufnahme hat uns überrollt“, so Engelhard. Die Illertalklinik erfüllt nicht mehr die Voraussetzungen. Gerade erarbeitet die Stiftungsführung einen drei-Jahres-Plan. Wie Engelhard versicherte, liegen nun erstmals seriöse Zahlen vor.

Höhere Personalkosten in der Weißenhorner Klinik?

Franz Clemens Brechtel (CSU) fand es bemerkenswert, dass die Personalkostensteigerung von 2,6 Millionen Euro überhaupt nicht durchschlage, das sei schon ein Erfolg. Meisel monierte, trotz aller Maßnahmen entstehe ein Defizit von 14 Millionen Euro. Wann werde endlich mit den Einsparungen angefangen? Und schon wieder sei Geld für fünf Gutachten eingeplant. Diese Bemerkung jedoch trieb dem Landrat kurz die Zornesröte ins Gesicht: „Immer die gleiche Leier!“ Laut Engelhard handle es sich um fachliche Analysen, welche die Spitalstiftung alleine nicht leisten könne. Intensiv hatte sich Jürgen Bischof (FW) damit beschäftigt, Zahlen von 2017 mit dem Geschäftsplan von 2019 zu vergleichen. Er kritisierte eine deutliche Personalkostensteigerung in Weißenhorn. Doch die Zahlen ließen sich nicht vergleichen, so Engelhard, denn die von 2017 seien unseriös. Die Mehrheit billigte den Wirtschaftplan.

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