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Ulm

29.02.2020

Wirbel um „Biedermann und die Brandstifter“ am Theater Ulm

Ein Showmaster trifft auf Biedermann und die Brandstifter, Benzin-Tonnen stehen bereit. Von links: Frank Röder als Moderator, Rudi Grieser als Kellner Eisenring, Maurizio Micksch spielt den Biedermann und Benedikt Paulun den Ringer Schmitz.
Bild: Marc Lontzek

Ein Stück über Extremismus und bürgerliche Bequemlichkeit wird zum TV-Trash-Spektakel. So gespalten reagierten Zuschauer auf die Premiere in Ulm.

„Biedermann und die Brandstifter“ – das ist ein Bühnenstück, das vom Extremismus handelt und die (vermeintliche) Naivität der braven, unbescholtenen Bürger aufspießt. In der Inszenierung von Ekat Cordes am Theater Ulm gerät dieser Klassiker von Max Frisch nun zu einer knallenden, hochironischen und satirisch überdrehten Fernseh-Show. Ist das noch Frisch ? Wird das seinem Werk gerecht? Viele Zuschauer verließen in der Pause der Premiere schon das Theater. Das Publikum ist gespalten, die Empörung ist bei manchem Besucher groß.

"Biedermann und die Brandstifter" am Theater Ulm

Ein Bühnenstück über Extremismus , verpackt in ein TV-Trash-Format? Der junge Premieren-Besucher Linus Schindler aus Biberach fand diese Grundidee schlüssig – wenn auch stellenweise übertrieben. „Mir hat das Konzept gefallen. Allerdings war mir die Umsetzung teilweise zu bunt, zu knallig.“ Ein großes Lob spricht Schindler den Schauspielern aus: „Die Hauptcharaktere waren toll dargestellt, vor allem der Biedermann und das Hausmädchen Anna.“

Hartmut Seliger aus Thalfingen ließ diese Version des Bühnen-Klassikers, die sich teilweise weit vom Original entfernt, ziemlich ratlos und skeptisch zurück. „Ich habe den Originaltext des Stücks zwar nicht mehr ganz genau in Erinnerung“, sagte der Zuschauer nach dem Ende der Premiere und deutete dann gen Himmel: „Aber am liebsten würde ich den Max Frisch dort oben einmal selbst befragen, was er von dieser Inszenierung hält.“ Trotz vieler Zweifel konnte auch er der Darbietung etwas abgewinnen: „Die Schauspieler haben wirklich ihr Bestes gegeben.“

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Claudia Gänsler aus Weißenhorn gefiel die Leistung der Schauspieler ebenfalls – allen voran Alexandra Ostapenko in der Rolle des Dienstmädchens Anna und als „Future Woman“. Trotzdem war die Inszenierung für Gänsler eine große Enttäuschung. „Schon wieder eine Faschingsvorstellung“, sagte sie. „Nach ’1,2,3’ und ähnlichen Inszenierungen am Theater Ulm habe ich keine Lust mehr auf solche komödiantischen Bühnen-Shows.“ Seit mehr als 20 Jahren besuche sie hier regelmäßig Vorstellungen auf der großen Bühne – nun überlege sie, in einen anderen Bereich, ins Podium zu wechseln. „Das brennt mir wirklich auf dem Herzen. Ich vermisse die vielschichtige intelligente Inszenierung und den vornehmen Humor der Veranstaltungen unter der Regie des früheren Intendanten Andreas von Studnitz.“ Sie habe sich sehr auf das Frisch-Stück gefreut, aber: „Das hat mich leider nicht angesprochen.“

Die Reaktionen auf die "Biedermann"-Inszenierung sind gespalten

Auch Waltraud Saier aus Ulm konnte diese Version des Stücks gar nicht überzeugen. „Ich bin sehr enttäuscht, ich hatte mir etwas vollkommen anderes vorgestellt“, sagte sie. „Die weibliche Emanzipation, die hier plötzlich ins Spiel kommt, hat mit dem eigentlich Stück nichts zu tun. Da sind wir Frauen vorgeführt worden. Der Saal war auch nach der Pause halb leer.“

Anders sieht das Lynn Kress aus Ulm . Die Schülerin hatte sich im Unterricht gerade erst mit dem Werk befasst und erlebte die Aufführung als Teil des Publikums, das mitten auf der Show-Bühne saß. „Mir hat das Stück an sich sehr gut gefallen. Es passt in die heutige Zeit, vor allem, wenn wir auf den Anschlag von Hanau blicken und sehen, dass es immer mehr Rechtsextremismus gibt. Zu viele schauen da weg“, sagt die Schülerin. „Die Inszenierung hier ist aber komplett anders, als man es erwarten würde. Es ist sehr peppig, da wurde auch viel dazu erfunden. Manchmal etwas zu viel. Es passiert so viel auf der Bühne, da ist es manchmal schwer, der Handlung zu folgen.“

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