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29.07.2010

Wirtschaft rast mit Vollgas aus der Krise

Wirtschaft rast mit Vollgas aus der Krise
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Wirtschaft rast mit Vollgas aus der Krise

Landkreis So gute Nachrichten gab es schon lange nicht mehr aus der Region: Die Arbeitslosigkeit sank mit 3,7 Prozent auf den günstigsten Wert des laufenden Jahres. Und es soll noch besser werden. Die Wirtschaftsvertreter sehen nach Monaten der Skepsis eine gewisse Standhaftigkeit des Booms. "Das ist keine Luftblase", sagte gestern der Illertisser Thilo Butzbach, der Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer (IHK). Er gehe davon aus, dass die Unternehmen nachhaltig die Krise überwunden hätten. Ausgenommen sei lediglich das Baugewerbe. Doch auch hier sei mit einem Aufschwung zu rechnen. Nur eben zeitverzögert, wie es in dieser Branche üblich sei.

Inzwischen kristallisiere sich zunehmend ein "Luxusproblem" heraus. Die Arbeitslosenquote nähere sich der Vollbeschäftigung, sodass durchaus ein Fachkräftemangel zu spüren sei. Gefragt seien insbesondere Arbeitnehmer aus dem technischen Bereich. Hans-Heiner Honold, der Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung Neu-Ulm und Seniorchef eines großen Logistikunternehmens, sieht im Mangel an Kraftfahrern einen handfesten Hemmschuh des eigenen Firmenwachstums. "Wir können zwar Laster kaufen, aber das nützt nichts, wenn wir keine Fahrer haben."

Forderungen der Gewerkschaften, die Betriebe müssten dann halt mehr ausbilden, seien absurd. Schon jetzt würde Butzbach etwa in seiner Firma mehr Ausbildungsstellen anbieten, als er qualifizierte Bewerber finden könne. Die Zunahme von Leiharbeit sei eine Reaktion auf die "Knebelung" durch den Kündigungsschutz. Viele Firmen würden dem Aufschwung noch nicht so sehr trauen, als dass sie die Stammbelegschaft aufstocken wollen. Seiner Kenntnis nach werde die Leiharbeit von den kleinen und mittelständischen Unternehmen der Region - wie vom Gesetzgeber erdacht - zum Abfangen von Auftragsspitzen verwandt. Leiharbeit zur Kostensenkung gebe es aber durchaus in einigen Großkonzernen.

Die Sicherung von Fachkräften als wichtigstes Ziel hat sich die IHK für die kommenden Jahre auf die Fahnen geschrieben. Honold und Butzbach sehen insbesondere im großen Anteil an Migranten ein ungenutztes Reservoir. Viele Potenziale gingen durch die zähe Anerkennung von ausländischen Abschlüssen verloren. Die Region werde aber durch die niedrigen Geburtenzahlen weiter auf Zuwanderung angewiesen sein. Auf der Basis einer Studie der Hochschule zur Nachfrage- und Angebotssituation sollen Handlungsempfehlungen formuliert werden. Nicht hinnehmbar, so Butzbach, sei, dass etwa 20 Prozent eines Jahrgangs an Hauptschulabsolventen nicht die nötigen Grundqualifikationen mitbringe, um überhaupt in die Berufswelt starten zu können. Was die Strukturen der lokalen Wirtschaftsorganisationen angeht, steht die Region vor großen Neuerungen. Wie Butzbach sagt, werde sich der "Club der Industrie", dessen Vorsitzender er ist, mehr auf die Funktion eines informellen Netzwerks zurückziehen. Denn einst wurde er aus Ärger über mangelnde Interessenvertretung Westschwabens bei der Augsburger IHK gegründet. Doch diese Differenzen sind beigelegt. "Wir ziehen an einem Strick", sagt Honold.

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Formelle Basis für Kooperation der IHKs aus Ulm und Neu-Ulm

Getreu den Forderungen des Clubs der Industrie stehe nun eine engere Kooperation mit der Ulmer IHK kurz davor, auf eine formelle Basis gestellt zu werden. Der Neu-Ulmer IHK sollen bei Themen mit grenzüberschreitender Wirkung eigenständige Handlungskompetenzen eingeräumt werden. Ulm und Neu-Ulm sei eine Wirtschaftsregion, die sich nicht trennen lasse. Die Industrievertreter wollen eine Vision für die Region entwickeln, die zwischen den Metropolregionen Stuttgart und München ihr eigenes Profil zeigt. "Das ist ein dickes Brett, an dem wir bohren", sagte Butzbach. Der lokalen Wirtschaft gehe es darum, dass die Region in Berliner Amtsstuben nicht unter den Tisch falle. Der Großraum Ulm zieht sich nach Überlegungen der IHK von Memmingen im Süden bis Heidenheim im Norden. "Seite 26

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