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22.07.2010

Wirtschaftskrise lässt kreuzbraven Familienvater zum Dieb werden

Neu-Ulm Die globale Wirtschaftskrise hat einen zuvor kreuzbraven Familienvater aus einem Neu-Ulmer Stadtteil nach eigener Wahrnehmung zum Dieb werden lassen. Weil er aufgrund von Kurzarbeit weniger Geld in der Lohntüte hatte, die monatlichen Belastungen für Kredite aber gleich blieben, klaute der Maschinist binnen eines Monats im Sendener "Saturn"-Markt nicht weniger als 45 Navigationsgeräte sowie mehrere andere Elektronik-Artikel im Gesamtwert von rund 10 000 Euro. Die Beute verhökerte er meistbietend im Internet. Immerhin knapp 6000 Euro erlöste er dadurch. Die Rechnung für seine "gewerbsmäßigen" Diebstähle erhielt er jetzt vom Neu-Ulmer Amtsgericht. Direktor Thomas Mayer verurteilte den 42-Jährigen zu einer achtmonatigen Gefängnisstrafe auf Bewährung. Zudem muss der Mann 500 Euro an den AWO-Frauennotruf überweisen.

Vor Richter Mayer und Staatsanwalt Daniel Egge saß ein Angeklagter, der vor Scham wohl am liebsten in den Boden versunken wäre. Ganz besonders bedrückte ihn nach eigenen Angaben, dass sein Kind jetzt einen Dieb zum Vater habe.

Dem Gericht erklärte er, dass er und seine Familie 2002 sich mit Hilfe von Krediten eine Eigentumswohnung zugelegt hätten. Die Rückzahlung von rund 1000 Euro monatlich für das Darlehen klappte auch ganz gut, weil der Alleinverdiener rund 2100 Euro in der Lohntüte hatte. Doch dann erfasste die Wirtschaftskrise auch seinen Betrieb, Kurzarbeit war die Folge - statt 2100 gab's nur noch 1700 Euro pro Monat. Das Geld reichte hinten und vorn nicht mehr, zumal die Familie auch noch einen Autokredit abstottern muss und der Vater mehrere Tausend Euro Schulden bei seinen Eltern hatte.

Die Geschäftsidee, die Haushaltskasse mit Klauen aufzubessern, kam ihm eher zufällig. Bei einem Bummel durch den "Saturn"-Markt in Senden beobachtete er zufällig mehrere Burschen, die sich auf Kosten eines Kumpels einen Jux machten. Sie hatten ein elektronisches Sicherungssetikett, das auf den meisten Waren in dem Markt klebt, entfernt, und es dem Jugendlichen unbemerkt auf die Jacke gepappt. Beim Rausgehen schlug deshalb - sehr zum Gaudium der Jugendlichen - die Alarmanlage an. Da machte es wohl "klick" beim Angeklagten: Wenn man die elektronische Sicherung entfernt, kann man unbemerkt Gerätschaften aus dem Laden schmuggeln.

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Ende Januar dieses Jahres begannen dann die Beutezüge des Angeklagten, häufig begleitet von der Ehefrau, Ende Februar war Schluss. Wie es ihm gelang, innerhalb nur eines Monats an über 50 elektronischen Artikel die Sicherung verschwinden zu lassen und sie aus dem Markt zu bringen, blieb in der Verhandlung weitgehend unbeantwortet. "Es war relativ einfach", sagte der 42-Jährige nur. "Unfassbar", war der Kommentar von Richter Mayer, der dem Mann "großen kriminellen Eifer beim Diebstahl" bescheinigte. An diesem Eifer haperte es jedoch bei der "Verwertung" der Beute. Auf die Spur des Langfingers kamen "Saturn"-Detektive, die im Internet Testkäufe machten - unter anderem ersteigerten sie eines der von dem Angeklagten feilgebotenen Navis. Anhand der Seriennummer fanden sie heraus, dass das Gerät aus dem Sendener "Saturn" stammt.

Wohnung durchsucht

Den Rest erledigte die Polizei, die unter anderem die Wohnung des Mannes durchsuchte. Der Besuch der Fahnder traf den 42-Jährigen wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Auf der Stelle habe er reinen Tisch gemacht und mit den Ermittlern kooperiert, ließ Staatsanwalt Egge wissen. Strafmildernd wirkte sich unter anderem aus, dass der Mann dabei ist, den angerichteten Schaden wieder gutzumachen. 5000 Euro hat er an "Saturn" bereits überwiesen. (kr)

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