1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Wissenschaft verständlich gemacht

Wettbewerb

14.02.2013

Wissenschaft verständlich gemacht

Der „Science Slam“ im Ulmer Roxy beschert dem Publikum so manches Aha-Erlebnis

Ulm Die große Leinwand im Ulmer Roxy zeigt gefüllte Schnapsgläser auf einem Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielbrett und dazu die Überschrift: „Mit Alkohol spielen“. Daneben steht David Silber und erklärt grinsend: „Essiggurken helfen am besten gegen den Kater.“ Das Publikum lacht, fragt sich aber, ob der Witzbold, der da auf der Bühne steht, eigentlich nichts anderes als Tipps für den nächsten feucht-fröhlichen Umtrunk geben kann. Von wegen: Silber ist Doktor der Chemie und unterrichtet an der Uni in Bochum. Was aber macht er dann auf der Bühne im Roxy?

Insgesamt gibt es fünf Teilnehmer

Der Chemiker ist der erste von fünf Kandidaten, die an diesem Abend beim Science Slam antreten. Aufgabe des Wettbewerbs ist es, dem Publikum in einem zehnminütigen Vortrag ein komplexes wissenschaftliches Thema nahe zu bringen. Hier kommt es auf Verständlichkeit, aber vor allem auf den Unterhaltungsfaktor an. Den Sieger bestimmt das Publikum.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

So spricht der erste Slammer, der Chemiker David Silber, nicht nur über Alkohol, sondern klärt ganz nebenbei auch Fragen wie: Was passiert in einer Fabrik? Und wie entsteht grüne Chemie? Alles gar nicht so schwer. Silber lässt Stoffe wie Titandioxid „mal eben eine Runde bolzen gehen“ und vergleicht die Moleküle einfach mit Fußballspielern. So treten bei ihm zum Beispiel der „FC Kohlendioxid“ gegen „Schwarz-weiß Essig“ an. Das mit den Formeln ist eigentlich ganz einfach, ist sich das Publikum am Ende des Vortrags einig.

Auch der Schweizer Elias Hagmann, spricht über Fußball. Der Ingenieur beginnt mit einer, wie er sagt, persönlichen Tragödie: „Im März 2012 stellte ich mal wieder fest, dass sich mein Konto im Minus befand.“ Daraufhin fasste Hagmann den Beschluss: „Ich werde reich.“ Also entwickelte er sein eigenes Fußballwettsystem. In den folgenden zehn Minuten erzählt er über einen weinenden Christiano Ronaldo und ein mathematisches Orakel, das zufällig in Form einer Krake mit Namen Paul auftaucht. Gegen Ende seines Vortrages erkennt der Ingenieur die Lage des Publikums und sagt mitfühlend: „Ihr denkt euch jetzt bestimmt: Der Schweizer hat zwar einen süßen Akzent aber ansonsten versteh ich kein Wort.“

Der Vortrag von Johannes Schildgen heißt: „Dich habe ich doch schon mal getrunken“. Der Informatiker beschäftigt sich mit der Analyse von großen Datenmengen im Internet. Völlig simpel erklärt er, wie die Firma Amazon ihre Daten sortiert. „So kommt es dann, dass der Kunde beim Einkauf auf Produkte hingewiesen wird, die ihm auch noch gefallen könnten“, sagt Schildgen. „Typisches Beispiel: Kunden, die den Clearasil-Pickelstift kauften, kauften auch World of Warcraft.“

In rasantem Tempo geht es beim Biologen Sebastian Lotzkat zu, der sogar schon deutscher Vizemeister im Science Slam ist. Mit Geschichten über seine Forschungen im Regenwald von Panama bringt er das Publikum zum Lachen. In seinem Vortrag „Wer bin ich – und wenn ja wie viele“ erzählt er gut gelaunt von der Herpetologie. „Die hat nichts mit Herpes zu tun sondern mit Amphibien, also Lurchi und Co.“, sagt Lotzkat. Ins Gebirge von Panama zu gelangen, vergleicht er mit einer Reise nach Mordor wie in „Der Herr der Ringe“. Zudem outet er sich als Echsenkiller, da Beweismaterial eben besser tot als lebendig sei, und krönt die Schneckennatter zur besten Schlangengattung. Gerade bei dieser hält er sich aber fest an sein Motto: „Lieber scheißen statt beißen.“

Die Zuschauer bestimmen durch Klatschen den Sieger

Den Abschluss macht der Paläontologe Achim Reisdorf mit langem, weißen Bart und dem Thema „Dinoleichen – wie habt ihr euch verändert“. Dabei versucht er dem Publikum vor allem klar zu machen, dass eindeutig die Paläontologen die Begründer des Hipstertums waren. Nebenher lernen die Zuschauer anhand von in Wasser eingelegten Hühnerhälsen etwas über die Taphonomie, die sich mit allen Prozessen beschäftigt, die nach dem Tod eines Lebewesens einsetzen. Am Ende seines Vortrags hat sich Reisdorf den Namen „Der mit den Hühnern taucht“ und den Applaus der Zuschauer verdient.

In der folgenden Abstimmung wählt das Publikum durch lautes Klatschen und Stampfen den Biologen Sebastian Lotzkat zum Gewinner – ein würdiger Sieger. (hele)

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20ABR_2893.tif
Märchen

Spannend statt gruselig

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket