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Ulm

07.03.2017

Wo Einstein das Licht der Welt erblickte

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Der in Ulm geborenen Physiker und Schöpfer der Relativitätstheorie, Albert Einstein, auf einem undatierten Foto.

Die Überreste des Geburtshauses sind in einem besseren Zustand als vom Investor erwartet. Bis zu 60 Tonnen Gestein werden geborgen. Was tun mit dem historischen Material?

Die im Boden verborgenen Überreste des Einstein-Geburtshauses sind besser erhalten als erwartet. Dies wurde am Montag bei einer nicht-öffentlichen Begehung der Sedelhöfe-Baustelle deutlich. „Da ist mehr übrig als wir dachten“, sagt Lothar Schubert Geschäftsführer von DC Developments, dem Investor der Sedelhöfe. „Sehr gewissenhaft“ werde nun jeder einzelne Stein gesichert und archiviert. Möglicherweise könnten sogar zusammen hängende Mauerteile entnommen werden. Das Geburtshaus von Albert Einsein, dem berühmtsten Sohn der Stadt, stand in der Bahnhofstraße wo derzeit für 200 Millionen Euro ein neues Wohn- und Einkaufsquartier entsteht. Das Haus wurde 1871 erbaut und im Dezember 1944 bei einem Luftangriff zerstört. Schubert schätzt, dass es zwei Wochen dauern wird, bis sämtliche Steine gesichert sind. Das Gewicht wird auf 55 bis 60 Tonnen geschätzt. Das heißt: Gesetzt der Fall, ein Backstein wiegt ein Kilo, dann werden 60000 Steine nummeriert, sortiert und gelagert.

Erleichtert zeigte sich Stadtrat Hans-Walter Roth nach der Begehung. „Die Reste sind erstaunlich gut erhalten.“ Von „Frevel“ wie unlängst als er die Steine bereits dem Untergang nahe wähnte, spricht der Arzt jetzt nicht mehr. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende ist seit Jahren ein leidenschaftlicher Kämpfer für das Einstein-Erbe.

Roth setzt sich dafür ein, dass möglichst ganze Kellerräume in einem angedachten Museum rekonstruiert werden. Die Chance an „Ort und Stelle“, das Einstein-Geburtshaus in Teilen wiederherzustellen, sei verspielt. „Die Brocken irgendwie an die Wand“ des geplanten Einkaufsquartiers zu kleben, sei für ihn keine Option.

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Bei der Begehung der Baustelle habe sich gezeigt, dass bei der Errichtung des Einstein-Geburtshauses vermutlich auch Steine der Ulmer Stadtmauer als Kellerboden verwendet wurden. Ob allerdings der kleine Albert, der Ulm bereits nach 15 Monaten mit seiner Familie verließ, jemals über den Kellerboden kroch, ist freilich ungewiss.

Letztlich wird der Ulmer Gemeinderat über den Umgang mit dem Einstein-Erbe beraten. Ein Erbe in dem viel Potenzial liege. Wie Roth berichtet, machten sorgten die Überreste des Geburtshauses im Ausland für weit mehr Furore als in Deutschland. Der mit dem Nobelpreis geehrte Physiker ist etwa in den USA der Inbegriff von Prominenz. Bereits entschieden ist, dass der im Einkaufsquartier entstehende Freiraum Einsteinplatz heißen wird.

Der „Verein der Freunde eines Albert-Einstein-Museums in Ulm“ engagiert sich für den Aufbau eines Albert-Einstein-Museum mit angeschlossenem „Science-Center“, einem Angebot, das Wissenschaft und Technik begreifbar machen soll. Albert Einstein hätte die Gruppierung um die aus den USA stammende, in Ulm lehrende Physikerin Nancy Hecker-Denschlag wohl auf ihrer Seite: „Es ist von zentraler Bedeutung, dass die Allgemeinheit sich umfassend und verständlich über wissenschaftliche Forschung und ihre Resultate informieren kann. Wenn man wissenschaftliche Erkenntnisse einem kleinen Kreis von Menschen vorbehält, wird dadurch der philosophische Sinn eines Volkes geschwächt, was zu seiner geistigen Verarmung führt“, sagte der gebürtige Ulmer einst in Princeton, wie die „Albert Einstein Gesellschaft“ zitiert.

Nötig wäre wohl eine zweistellige Millionensumme, die der Verein derzeit probiert aufzutreiben. „Ulm braucht ein Alber-Eintein-Museum“, ist Hecker-Denschlag überzeugt. Es wäre der dringend benötigte Anlaufpunkt für Touristen und könnte durch das Profil sowohl die Universität stärken als auch dem Nachwuchs-Mangel in den naturwissenschaftlichen Fächern entgegenwirken. Gerade durch das inter-national renommierte Institut für Quantenphysik sei Ulm ein idealer Standort. Eine Machbarkeitsstudie soll kommen unklar ist noch, inwiefern sich die Stadt Ulm daran beteiligt.

Einen Wunschstandort für das geplante Museum gibt es bereits: schräg gegenüber der Reste des Einstein-Geburtshauses am heutigen Busbahnhof. Hier ist wie berichtet nach der Fertigstellung der Tiefgarage ohnehin ein Neubau geplant.

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