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Persönlichkeit

17.04.2015

Wo Max Schmeling seine Flinte kaufte

Der ehemalige Box-Weltmeister Max Schmeling war auch Mitglied der deutschen Nationalmannschaft im Tontaubenschießen. Als Sportschütze und Jäger waren ihm Anschütz-Gewehre ein Begriff und er kaufte einige davon direkt in Ulm ein. Mit Dieter Anschütz (rechts) verband ihn eine Freundschaft.
Bild: Archiv-Anschütz

Dieter Anschütz, Ex-Chef des weltbekannten Jagd- und Sportwaffenherstellers, wird 85

97 Prozent aller Biathleten schießen mit Gewehren aus dem Hause Anschütz. Dieter Anschütz, ein Pionier im Biathlonsport, wird am kommenden Mittwoch 85. „Wohl kaum jemand hat den Schießsport in all seinen Facetten in den vergangenen 60 Jahren so geprägt und so für diesen Sport gelebt, wie mein Vater Dieter“, sagt Jochen Anschütz, der nunmehr in der fünften Generation Geschäftsführer der Ulmer Premiumschmiede ist und bereits 2008 die alleinige Geschäftsführung von seinem Vater Dieter übernommen hat.

Als junger Bub erlebte Dieter Anschütz noch die Zeit von Anschütz in Zella-Mehlis nahe Suhl mit. Nach dem Krieg dann die Flucht und Umsiedlung nach Ulm. Nach seinem Studium und Ausbildung in Deutschland zog es Dieter Anschütz in die weite Welt hinaus. So arbeitete er Ende der 1950er-Jahre in den USA für renommierte Waffenhersteller. Nach seiner Rückkehr aus den USA sei ihm der direkte Kontakt zum Schießsport und zu den Athleten immer eines seiner wichtigsten Anliegen gewesen, sagt sein Sohn. Mit dem Anschütz-Servicebus besuchte er eine Vielzahl von Wettkämpfen und Meisterschaften. Dies habe den inzwischen „legendären Ruf“ des Anschütz-Sport-Service begründet. Unzählige Erfolge die mit Anschütz-Gewehren erzielt wurden, begleitete Dieter Anschütz persönlich. So etwa auch den ersten Weltmeistertitel mit einem Luftgewehr überhaupt, den Gerd Kümmet 1966 mit einem Anschütz-Luftgewehr Modell 220 erzielte. Bekannte Sportler wie Bernd Klingner oder Gary Anderson wurden zu Wegbegleitern und Freunden.

Zum Pionier des Biathlonsports wurde der Jubilar, nachdem er im Januar 1969 die Geschäftsführung von seinem Vater Max und seinem Onkel Rudolf übernommen hatte. Auf sein Wirken hin entwickelte sich diese Sportart vom großkalibrigen Militärsport zu einer kleinkalibrigen und hochpopulären Spitzensportdisziplin. Dieter Anschütz weiß, dass seine Firma das Gesicht des Sports veränderte. „Ja, es war eine Revolution“, sagte der in Thüringen geborene Seniorchef. Bis Anschütz eine Kleinkaliberwaffe für Biathlon entwickelte, war der einstige Militär-Patrouillenlauf noch eine Domäne mit Großkaliber jagender Soldaten. Traumquoten im Fernsehen, volksfestartige Stimmung in Skiarenen und selbst die Beteiligung von Frauen war da noch Zukunftsmusik.

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„Nach Einführung der Kleinkalibergewehre explodierte der Biathlonsport“, sagte einst Dieter Anschütz. Plötzlich war der Sport auch interessant für Menschen, die mit Uniformen nichts am Hut hatten. Inzwischen schießen 97 Prozent aller Biathleten mit Gewehren aus Ulm. Die „Meistermacher“ entwickelten sich von einer Manufaktur in Zella-Mehlis (Thüringen) zu einem Ulmer Unternehmen mit gut zehn Millionen Euro Jahresumsatz. Wobei Biathlon-Waffen nur einen Bruchteil der Umsätze ausmachen, der Markt ist sehr klein.

„Mein Vater ist bis heute sehr eng am Schießsport und den Schützinnen und Schützen dran. Dies hat dazu beigetragen, dass viele Innovationen schnell und passend für den Schießsport umgesetzt werden konnten“, sagte Uwe Anschütz, der Geschäftsführer der Tochtergesellschaft Ahg-Anschütz anlässlich des bevorstehenden Geburtstages.

Dieter Anschütz selbst lässt es inzwischen etwas ruhiger angehen und genießt gemeinsam mit seiner Frau Elfi sein Leben als Privatier. Auf den großen Veranstaltungen der Branche wie etwa der IWA in Nürnberg oder auf dem Deutschen Schützentag lässt sich der Träger der goldenen Ehrennadel der Internationalen Biathlon Union (IBU) sehr aber noch immer regelmäßig sehen. (az/heo)

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