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Ulm

07.04.2014

Wo Uli Hoeneß seine Susi traf

Noch bis 30. Juni gibt’s die berühmten Torten und handgemachte Pralinen im Café Ströbele. Pächterin Carola Engler (rechts) mit Anja Dreyer.
Bild: Oliver Helmstädter

Das traditionsreiche Café Ströbele in der Ulmer Hirschstraße schließt. An den berühmten Torten liegt es sicher nicht.

Sie war Sprecherin des St. Hildegard und er Schülervertreter des Schubart-Gymnasiums. Uli Hoeneß lernte im Café Ströbele in der Hirschstraße seine spätere Frau Susi kennen. An einem Ort, der zur Ulmer Innenstadt gehört wie Abt oder Laumeyer.

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Abt gibt’s noch, Laumayer nicht, der Uli sitzt bald im Knast. Und die Tage des Café Ströbele sind gezählt: Die 1958 gegründete Institution wird am 30. Juni die letzte Torte verkaufen. Die Pächter – Konditormeister Adelbert Engler und seine Frau Carola – hören nach 15 Jahren auf. „Aus gesundheitlichen Gründen“, wie Carola Engler sagt. 15 Mitarbeiter stehen vor einer ungewissen Zukunft. Der Sanierungsrückstand des Gebäudes und die Krise altmodischer Kaffeehäuser machen den Abschied einer Ära etwas leichter. „Es hat ja kaum noch jemand die Zeit, so richtig zu genießen“, sagt Carola Engler, und ihr Blick schweift durch das Fenster im Café im ersten Stock rüber zu „Henry’s Coffee World“. Hier wird die Latte Macchiato „to go“ zelebriert.

Im Café Ströbele hingegen dominieren Klassiker wie Rüdesheimer Kaffee mit Sahnehaube oder der „Pharisäer“ mit einem „listigen Schuss Rum“, wie auf der Karte steht. Dazu gibt’s eine vom Aussterben bedrohte Art: Teegebäck aus eigener Herstellung. Fast jeden Mittag finden hier – bei durch Teppichboden gedämpfter Atmosphäre und dem bewussten Verzicht auf musikalische Beschallung – noch Kaffeekränzchen statt. Aber bitte mit Sahne: Mit derselben sowie richtiger Butter, frisch geschälten Äpfeln und ohne Konservierungsstoffe sind die monumentalen Torten aus der hauseigenen Konditorei.

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Davon, dass Schwarzwälder Kirsch und Co. aus frischen Zutaten ohne Zusatzstoffe auch noch weitere 56 Jahre Bestand haben könnten, sind die Englers überzeugt. „Aber man müsste mal kräftig sanieren“, sagt die gebürtige Sachsen-Anhaltinerin in Richtung der Volksbank Ulm-Biberach, der das Gebäude gehört. „Vor allem, wenn man Monat für Monat so viel Miete zahlt, wie ein Kleinwagen kostet.“ Insbesondere kritisiert Engler den schmalen Aufgang: Passanten vermuten am Ende der Treppe kaum 150 weitere Sitzplätze, sondern eher Privatwohnungen.

Sehr freuen würden sich die Englers, wenn der Konditormeister im Hause, der noch ungenannt bleiben möchte, den Zuschlag als Nachmieter bekäme. Die Immobilienverwaltung der Ulmer Volksbank bestätigte auf Nachfrage, dass mit zwei Interessenten verhandelt werde. Das Ziel sei, das Café inklusive Konditorei wie bisher zu vermieten. Was die Bank-Pressesprecherin nicht ausspricht, aber bei Kreditinstituten auf der Hand liegt: an den Höchstbietenden. Und hier haben Filialisten oft die besseren Karten.

Klar ist so oder so, dass der Name „Café Ströbele“ verschwinden wird. Die Witwe des Ur-Pächters Rudolf Ströbele habe die Weiterverwendung des Namens an die Englers gekoppelt. Was in Ulm an Kaffeehäusern der alten Schule bleibt, sind das „Confiserie Café Tröglen“ und das „Möhrenköpfle“, die noch mehr Tradition auf dem Buckel haben: Seit 1811 gibt es das Tröglen am Münsterplatz, und die Wurzeln des Mohrenköpfle (heute Kramgasse) reichen bis in das Jahr 1910 zurück.

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