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Illertissen-Au

16.02.2013

Wo der Papst-Kandidat Kässpatzen aß

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Peter Turkson war in den Jahren 1979 und 1980 Aushilfspfarrer in Au. Unser Bild zeigt ihn mit dem damaligen Ortsgeistlichen Willi Berchtold. Der Kontakt zu den Gläubigen in dem Illertisser Ortsteil ist jahrzehntelang nicht abgerissen.

Der afrikanische Kardinal Peter Turkson, einst Aushilfspfarrer in Illertissen-Au, könnte Papst Benedikt XVI. auf Stuhl Petri folgen.

Kaum war der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. bekannt, flammten auch schon Spekulationen um dessen Nachfolge auf. Mehrere Kardinäle werden favorisiert, Italiener und Afrikaner liegen anscheinend gut im Rennen. Eine deutsche Beteiligung gibt es in gewisser Hinsicht sogar auch, denn der oft genannte afrikanische Kardinal Peter Turkson war vor rund 30 Jahren Pfarrer im Illertisser Vorort Au.

„Au ist Papst“

Eine Schlagzeile, die Anfang März die Bewohner des Illertisser Stadtteils wohl nur zu gerne lesen würden. Ihre Hoffnung, dass es tatsächlich so kommen könnte, ist nicht unbegründet: Der damalige Gemeindepfarrer Willi Berchtold holte den gebürtigen Ghanaer „Archi“ Turkson als Urlaubsvertretung nach Au. Im Sommer 1979 und 1980 übernahm dieser jeweils für einige Wochen die seelsorgerischen Aufgaben im Ort.

Die Gemeinde ist heute noch ganz angetan von Peter Kodwo Appiah Turkson. „Er ist so ein offener und herzlicher Mensch“, sagt Hildegard Rasmussen vom christlichen Arbeitskreis „Eine Welt“, der Hilfsprojekte in der Dritten Welt unterstützt. Als Turkson vor rund dreißig Jahren zweimal für ein paar Wochen die Urlaubsvertretung für Pfarrer Willi Berchtold übernahm, feierte er die heilige Messe, taufte Kinder und traute Paare. Die Gottesdienste sind Rasmussen noch gut in Erinnerung: „Es war sehr eindrucksvoll. Das Evangelium wurde geradezu theatralisch umgesetzt.“ Zudem sei die Messe mit afrikanischer Musik unterlegt gewesen, wie Hilde Ohmayer aus Au weiß. „Da war viel Leben drin mit diesen vielen Trommeln“, sagt sie. Sprachbarrieren gab es keine. „Deutsche Bücher haben ihn sehr interessiert, so lernte er die Sprache“, berichtet Rasmussen.

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Besuch des Erzbischofs beim 500. Jubiläum der Gemeinde

Nach seiner Zeit in Au brach der Kontakt zu dem Ghanaer nicht ab. Jedes Jahr schickten einige Bewohner des Ortes ihm eine Weihnachtskarte und die wurde immer prompt beantwortet. 1996 kam Turkson zu Besuch nach Au, da die Pfarrei Mariä Himmelfahrt ihr 500. Jubiläum feierte. Der Arbeitskreis schrieb Turkson eine Einladung zum Fest. Dieser war zu diesem Zeitpunkt bereits Erzbischof mit eigener Diözese in Cape Coast, Ghana. Die Antwort folgte schnell. „Das Datum für das Pfarrfest habe ich fest verrechnet“, schrieb er zurück. Tatsächlich kam er und blieb während der Feierlichkeiten das ganze Wochenende. „Der Besuch der Leute, die er noch kannte, war ihm besonders wichtig. Eigentlich hatte er einen vollen Terminplan, aber er nahm sich viel Zeit für uns“, sagt Rasmussen.

Der Kontakt zu den Menschen sei überhaupt das Wichtigste für ihn gewesen. Dies bestätigt Martin Binder. Der gelernte Betriebsschlosser war zu der Zeit, als Turkson Pfarrer in Au war, Oberministrant. Er hatte ein gutes Verhältnis zu dem Geistlichen. „Wir haben ihn öfter zu uns nach Hause eingeladen, da hat er dann Kässpatzen gegessen“, erinnert sich Binder. Doch nicht nur das verbindet ihn mit Turkson. Ein ganz besonderes Erlebnis hatte er in Rom, denn dorthin ging es 1980 für Binder und drei weitere Ministranten zur Wahlfahrt: Pfarrer Turkson sagte uns noch in Au: „Wenn ihr nach Rom kommt, dann meldet euch bei mir.“ Gesagt – getan und so kamen die vier Jugendlichen in den Genuss einer persönlichen Stadtführung.

Briefe aus Ghana

Nur einige Wochen war Peter Turkson in Au und doch hat er offenbar bei einigen Menschen bleibenden Eindruck hinterlassen. Petra Schlibach hat er sogar in einer besonders schweren Zeit in ihrem Leben geholfen. Sie beklagte im Jahr 2000 einige Trauerfälle in ihrer Familie. Ein Brief von Turkson machte ihr wieder Mut. Er schrieb ihr: „Petra, wenn wir Gott lieben, müssen wir auch unsere Lieblinge mit ihm teilen. Es geht deswegen nicht um Verlust, es geht um eine Übergabe zu jemandem, den wir auch lieben.“

Schlibach hatte Turkson als kleines Mädchen bei seinem Aufenthalt in Au kennengelernt. Seitdem schrieben sie sich Briefe. „Es dauerte zwar immer etwas, bis die Antwort kam, da ich nur seine Adresse in Ghana habe, aber es kam immer eine Antwort“, berichtet sie. Seit 2010 ist der Kontakt abgebrochen. Schlibach vermutet, weil Turkson sich nur noch in Rom aufhält und seitdem nicht mehr in seiner Heimat war.

Kardinal Turkson: Heißer Anwärter in vielen Wettbüros

Turkson steht bei Wettbüros bereits hoch im Kurs für die Papst-Nachfolge. Bei einigen Anbietern von Internetwetten rangiert er in der Liste der aussichtsreichsten Kandidaten unter den ersten fünf. Viele Experten halten es für wahrscheinlich, dass der nächste Papst aus Afrika kommt. Glaubt man diesen Vermutungen, wird es wohl ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen ihm und Francis Arinze aus Nigeria.

Milan's archbishop holds a mass
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Sie könnten die Nachfolger von Papst Benedikt XIV. werden
Bild: Daniel Dal Zennaro

Binder ist anderer Ansicht: „Ich vermute, es wird ein Italiener. Vielleicht könnte es ein Afrikaner werden, falls sich die italienischen Kardinäle bei der Abstimmung nicht einig werden.“ Der ehemalige Kirchenpfleger der Gemeinde, Hans Kuhn, hofft, dass am Ende des Konklaves Turkson als neuer Papst hervorgeht: „Ich denke, dass er Neuerungen in der Kirche positiv gegenüberstehen wird.“

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