1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Wo die wilden Biester wohnen

Oberfahlheim

25.05.2015

Wo die wilden Biester wohnen

Seltsame Wesen oder doch ein Tier? Florian L. Arnolds großformatige Wandzeichnung empfängt die Besucher im Landkreismuseum in Oberfahlheim. Foto: Andreas Brücken

Florian L. Arnold gibt im Landkreismuseum Oberfahlheim Einblick in seinen fantastischen künstlerischen Kosmos. Dabei rettet er die Ehre einer zuletzt wenig populären Technik.

Sie scheinen direkt aus der Wand zu kommen: Seltsame Wesen, halb Pflanze, halb Tier, ein wucherndes Etwas, das irritiert, aber zugleich neugierig macht. Schon im Foyer des Museums für bildende Kunst entfesselt Florian L. Arnold sein gesamtes Bestiarium: "Out of Pandora’s Box" - "Aus der Büchse der Pandora" - heißt die großformatige Wandzeichnung, die den Besucher in Oberfahlheim empfängt. In der Ausstellung, die am heutigen Mittwoch eröffnet, gibt Arnold einen Überblick über sein eigenwilliges und (im doppelten Wortsinn) fantastisches Schaffen.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Im Fall des 1977 geborenen Elchingers kann dies dennoch nur ein Ausschnitt sein. Denn die bildende Kunst ist nur eine von vielen Facetten Arnolds: Der studierte Kunstwissenschaftler verfasst auch satirische Texte, von denen einige auch schon in Buchform erschienen sind (zuletzt der Erzählungsband "Würstelessen mit Aliens"), er ist Mitbegründer des musikalisch-literarischen Bühnenprojekts Teatrino, Co-Kurator der Ulmer Griesbad-Galerie und nicht zuletzt langjähriger Mitarbeiter des NUZ-Kulturteils.

Vielleicht liegt es ja an dieser Vielseitigkeit, dass seine Arbeit als bildender Künstler in der Region bislang nicht immer die ihr zustehende Beachtung erhielt. Die Ausstellung im Landkreismuseum sollte dies ändern: Arnold bespielt in dem historischen Gebäude das Erdgeschoss und den Keller mit Zeichnungen und Objekten. Der Titel "Glas. Licht." bezieht sich dabei auf die Techniken, die er für das Gros der gezeigten Arbeiten verwendete. Das Licht scheint aus manchen Objektkästen und aus dem Fernseher mit den animierten Kurzfilmen im Keller, das Glas ist seit bald 20 Jahren ein bevorzugter Bildträger des gebürtigen Ulmers.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Obwohl die Hinterglasmalerei beziehungsweise -zeichnung nicht nur ein wenig unmodisch, sondern auch kompliziert ist. "Ich habe es schon immer gerne schwierig gehabt", sagt Arnold mit einem Schmunzeln. Zudem schätze er die Brillanz der Farbe und die Klarheit der Linien, die ihm diese Technik ermögliche. In Oberfahlheim zeigt Arnold überwiegend Neues, aber auch einige ältere Arbeiten und legt so seine Entwicklung der vergangenen Jahre offen. Folgen frühe Zeichnungen und Radierungen noch stärker der Tradition der Buchillustration und der satirischen Zeichnung des 19. und 20. Jahrhunderts, hat der 37-Jährige längst eine eigene Handschrift gefunden. Organische Formen wuchern wie wildes Gestrüpp durcheinander und verästeln sich in feinste Gespinste; immer wieder tauchen Formen auf, die an Wurzeln, fleischfressende Pflanzen erinnern, aber auch an den menschlichen Körper. Dieser scheint sich bei Arnold permanent in einem Stadium der Auflösung oder des Entstehens zu befinden.

Die anatomischen Studien der Renaissance-Genies haben im zeichnerischen Werk ebenso ihre Spuren hinterlassen wie Ornamentik des Jugendstils, die morbiden Visionen des Schweizer Künstlers und "Alien"-Designers HR Giger und die dunkle Märchenwelt der Romantik. Der Künstler Florian L. Arnold ist aber auch ein Humorist - schließlich entstehen seine feinen Grafiken oftmals parallel zu seinen spitzzüngigen Satiren. So findet der Besucher im Landkreismuseum einen "kleinen Giftmischer" ebenso wie eine "Arschtritt-Maschine".

Noch größere Aufmerksamkeit als Arnolds zeichnerisches Werk erregten zuletzt seine Objektkästen. Sie bilden im Landkreismuseum einen zweiten Schwerpunkt. In den Kästen sind wunderliche Figuren zu sehen, die ihren Ursprung oft in zunächst unauffälligen Fundstücken haben: ein verschrumpeltes Stück Sellerie, eine alte Lederschnalle, ein kurios geformter Zweig. Arnold kombiniert sie - mit dünnem Draht oder zartem Transparentpapier - zu feingliedrigen Geschöpfen, die manchmal an Libellen oder Gottesanbeterinnen erinnern. Der Betrachter steht staunend davor wie der Besucher einer frühneuzeitlichen Wunderkammer.

Parallel zu "Glas. Licht." zeigt das Landkreismuseum in einer Kabinettausstellung Grafik und Malerei von Magdalena Willems-Pisarek. Die Künstlerin, geboren 1972 in Warschau und seit einigen Jahren im Allgäu zu Hause, widmet sich ebenfalls der Natur, wenn auch aus einer ganz anderen Perspektive. Ihre Schau "Im Schutz der Bäume" zeigt Bäume und Wälder ihrer Wahlheimat. In Farbigkeit und Pinselduktus ist der Einfluss der französischen Impressionisten zu erkennen. Bei Willems-Pisarek steht die Natur in ihrer Ordnung und Schönheit für sich selbst. Bei Arnold ist sie immer auch ein Ort der Mythen und Gefahren.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren