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Neu-Ulm/Memmingen

01.04.2019

Wollte er den neuen Partner seiner Ehefrau umbringen?

Am Landgericht Memmingen läuft seit Mittwoch ein Prozess wegen versuchten Mordes.
Bild: Alexander Kaya (Archivbild)

Plus Ein 52-Jähriger und sein Komplize sollen den Nebenbuhler in Neu-Ulm in einen Hinterhalt gelockt und attackiert haben. Jetzt stehen sie wegen vor Gericht.

Es war wohl das aufsehenerregendste Verbrechen, das sich im vergangenen Jahr in Neu-Ulm ereignet hat: Ein 52-Jähriger und ein 41-Jähriger sollen nachts den neuen Freund der Ehefrau des Älteren in einen Hinterhalt gelockt haben und dann mit einem Schlagstock und einem spitzen Gegenstand auf ihn losgegangen sein. Wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Mordes stehen die beiden türkischen Staatsangehörigen seit Mittwoch vor der Großen Strafkammer des Memminger Landgerichts.

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Der 52-jährige Angeklagte, der seit 1979 in Deutschland lebt, hatte seine Ehefrau vor 15 Jahren über Verwandte in der Türkei kennengelernt, die Hochzeit sei arrangiert gewesen. Sie zogen in den Landkreis Göppingen, bekamen drei Kinder. Anfang 2017 trennte sich die Frau von ihm, im Oktober desselben Jahres beantragte sie die Scheidung. Damit kam der 52-Jährige laut Anklageschrift aber gar nicht klar: Er akzeptierte weder die Trennung noch den neuen Partner seiner Frau – einen 45-Jährigen aus Ulm. Obwohl er sich wegen eines zwischenzeitlich verhängten Kontaktverbots seiner Frau nicht nähern durfte, brachte er einen Peilsender am Auto der heute 35-Jährigen an – um so stets zu wissen, wo sie war.

Prozess wegen versuchten Mordes am Landgericht Memmingen

Im Juni 2018 soll er sich dann entschlossen haben, den neuen Lebensgefährten seiner Frau anzugreifen, „wobei er dessen Tod nicht ausschloss“, heißt es weiter. Der 41-jährige sei bereit gewesen, ihm dabei zu helfen. Am 8. Juli vergangenen Jahres wollten die beiden ihren Plan laut Anklage schließlich umsetzen: Sie orteten das Auto, das – wie sie beide wussten – der neue Partner der 35-Jährigen nutzte: Es stand an jenem Abend in der Finninger Straße in Neu-Ulm. Gegen 23 Uhr kamen sie bei dem Wagen an und zerstachen den rechten Vorderreifen. Danach versteckten sie sich in der Nähe.

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Um kurz nach Mitternacht kam das spätere Opfer wieder bei seinem Auto an, er hatte laut eigener Aussage einen Spaziergang mit einem Freund gemacht. Er setzte sich hinters Steuer, hielt jedoch nach knapp 100 Metern an, weil er den Fehler am Wagen bemerkte. Als er ausstieg, sah er den platten Reifen. Dann soll der 41-jährige Komplize des Ehemannes, den der 45-Jährige nicht kannte, zu ihm gegangen sein, ihn angesprochen und ihm mit einem Pfefferspray ins Gesicht gesprüht haben.

Staatsanwaltschaft: "Hinterlistiger Überfall" aus niederen Bewegggründen

Das Opfer rannte davon, der 41-Jähriger mit einem Schlagstock hinterher und der 52-Jährige stürmte von der anderen Seite auf den flüchtenden Mann zu. Das Opfer schaffte es zwar noch auszuweichen, stürzte aber kurz danach – und dann sollen die beiden Angreifer auf ihn losgegangen sein. 15 bis 20 Schläge soll der Ulmer auf Kopf, Schulter und Gesicht erlitten haben, hinzu kommen laut Anklage mindestens sieben Stiche in der Hüftgegend. Er erlitt dabei schwere Verletzungen, unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma, Schnitt- und Platzwunden, eine offene Nasenbeinfraktur und andere Brüche.

Durch Hilferufe wurden Anwohner auf das Geschehen aufmerksam, die beiden Angreifer flüchteten. Durch eine Großfahndung der Polizei wurden die beiden aber noch am selben Tag gefasst. Seitdem sitzen sie in Untersuchungshaft. Laut Anklage soll der 52-Jährige diesen „hinterlistigen Überfall“ aus niederen Beweggründen geplant haben: Er sei „voller Hass und Eifersucht“ gewesen.

Angeklagter Ex-Mann sei "voller Hass und Eifersucht" gewesen sein

Der 41-Jährige erklärte beim Prozessauftakt, er wollte „behilflich sein, dem Mann eine Abreibung zu verpassen“. Er entschuldigte sich vor Gericht beim Opfer: „Das, was ich gemacht habe, war falsch. Es tut mir leid.“ Er habe ihn nicht in diesem Maße verletzen wollen. Dass der 52-Jährige einen Reifen zerstochen und ein Messer dabei hatte, habe er nicht gewusst.

Dem widersprach der 52-Jährige: Statt eines Messers habe er damals einen Schraubenzieher benutzt – und dieser habe ihm sein Mitangeklagter noch extra scharf geschliffen. Der neue Partner seiner Ex-Frau – die Scheidung wurde im Dezember 2018 vollzogen – habe ihn zudem schon mehrmals angegriffen. Geplant hätten sie den Angriff in jener Nacht nicht, den Schlagstock hätten sie „nur für alle Fälle“ dabei gehabt – und als der Mann am Boden gelegen habe, hätten sie ihn nicht mehr attackiert.

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