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Ulm

14.03.2020

Zahl der Alkohol-Unfälle rund um Ulm steigt

Die Polizei hat Helm-, Gurt- und Handy-Kontrollen verstärkt.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Plus Fahrer in Eile verursachen im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm die meisten schlimmen Unfälle. Die Beamten rätseln, warum Alkohol nun eine größere Rolle spielt.

Die Zahl der Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ulm ist von 2018 auf 2019 um zwei Prozent angestiegen – genauso groß war der Anstieg der Kfz-Zulassungen in diesem Zeitraum. Gesunken ist dagegen die Zahl der Verunglückten: von 4079 auf 3888. Das geht aus dem aktuellen Verkehrssicherheitslagebild hervor, das die Polizei am Freitag vorgestellt hat.

Die Zahl der Todesopfer lag präsidiumsweit unverändert bei 41, in der Stadt Ulm sind 2019 wie im Vorjahr drei Menschen ums Leben gekommen. Eine Joggerin, die im November auf der B19 bei Böfingen von einem Tesla erfasst wurde und noch an der Unfallstelle starb, ist im Zuständigkeitsbereich der Ulmer Polizei das erste Opfer durch ein Auto, das teilautonom unterwegs war. Das Präsidium ist für die Stadt Ulm sowie die Kreise Alb-Donau, Heidenheim, Biberach und Göppingen verantwortlich. Ob der Tesla bei dem Unfall nahe Böfingen autonom fuhr, ist noch unbekannt.

Polizeipräsidium Ulm legt Statistik zum Verkehr vor

Statistisch gesehen seien Unfälle durch Elektroautos und teilautonom fahrende Fahrzeuge noch zu vernachlässigen, heißt es bei der Polizei. Josef Veser, der als Leiter der Schutzpolizeidirektion für die Verkehrspolizei und die Polizeireviere verantwortlich ist, spricht von einer „Zukunftsaufgabe“ für die Beamten. Die aktuellen Aufgaben sind altbekannt: An Unfällen, bei denen Menschen zu Schaden kommen, sind vor allem Fahrer schuld, die in Eile waren. Sie waren schneller unterwegs als erlaubt, nahmen anderen die Vorfahrt, überholten falsch oder machten Fehler beim Abbiegen. Diese Gründe führten beinahe zur Hälfte aller Unfälle, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden. Immerhin sank die Zahl dieser Unfälle um vier Prozent von 1392 auf 1331. „Für uns ist das ein Stück weit ein Erfolg“, betont Polizeipräsident Bernhard Weber. Die Entwicklung zeige, dass die Maßnahmen der Polizei wirkten. Das sind vor allem Kontrollen: Beamte überwachten die Geschwindigkeit, achteten aber auch auf Handy-Verstöße, Autofahrer ohne Gurt oder Motorradfahrer ohne Helm. Die Zahl der Schwerpunktkontrollen zu Gurt-, Helm- und Handy-Verstößen nahm im Vergleich zu 2018 deutlich zu. Nur die Zahl der Tempokontrollen ging zurück – wegen eines technischen Defekts. Ein Rasenmäher war über ein Blitzer-Kabel gefahren, mangels Ersatzteil blieb die Anlage etliche Wochen lang außer Betrieb.

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Bei Fahrern, die ihr Handy am Steuer nutzen, steigen die Zahlen nach Angaben der Polizei seit 2013 jährlich sprunghaft um 1000 an. 2019 erwischten die Beamten jeden Tag 19 Fahrer. Die Polizei nimmt an, dass Ablenkung bei fast jedem siebten tödlichen Unfall eine Rolle spielte. Polizeipräsident Weber sagt dazu: „Wir können es nicht zweifelsfrei nachweisen, deswegen können wir es nicht statistisch erfassen. Aber es ist ein Riesenproblem.“

Ein Problem, das nachgewiesenermaßen zugenommen hat, sind Alkohol und Drogen am Steuer. Die Zahl der Alkohol-Unfälle ist von 336 auf 403 gestiegen. Dabei kamen 163 Menschen zu Schaden (2018: 143). Wie es zu dieser Steigerung kam, wissen die Polizisten nicht. „Wir sind am Analysieren, aber wir können es nicht erklären“, räumt Weber ein. Anders ist es bei den Drogen-Unfällen, die sich fast verdoppelten – allerdings auf niedrigem Niveau. 2019 registrierte das Präsidium 67 Unfälle, davon 28 mit Personenschaden. Im Jahr davor waren es 37 Unfälle gewesen, davon 16 mit Personenschaden. „Wir haben das Dunkelfeld deutlich aufgehellt“, erklärt Josef Veser, der Leiter der Schutzpolizeidirektion. Die Beamten seien intensiv geschult worden und könnten Anzeichen für Drogenkonsum besser erkennen.

Mehr Unfälle in Ulm und Umgebung

Die Polizei kennt zwar keinen Grund für die Zunahme der alkoholisierten Unfallfahrer, aber sie hat bei der Fasnet gute Erfahrungen gemacht, wie Alkoholfahrten verhindert werden können. Beamte kontrollierten die Fahrer schon vor Beginn der Veranstaltungen. „Der Besucher weiß, die Polizei ist da“, erläutert Veser. Im Anschluss habe man sehr wenige angetrunkene Fahrer erwischt. „Wir messen unseren Erfolg nicht nur daran, wie viele Verstöße wir feststellen“, sagt Veser. Diese Präventionsmaßnahme sei ein Erfolg gewesen.

Schuld an rund 70 Prozent aller Unfälle sind Pkw-Fahrer, gestiegen ist die Zahl der Zusammenstöße, die von Senioren verursacht wurden. Die Zahl der Unfälle mit Fahrern unter 24 Jahren sank dagegen. Das liegt aus Sicht der Polizei am demografischen Wandel. Im Jahr 2020 wollen die Beamten ihre Schwerpunkte auf Alkohol und Drogen am Steuer, auf die Raser- und Tuner-Szene und auf Motorradfahrer legen. Bei Letzteren geht es vor allem um unnötigen Lärm und Umweltverschmutzung.

In der Stadt Ulm unterscheidet sich die Entwicklung teilweise von jener auf der Präsidiumsebene: Es gab mehr Unfälle (4973 statt (4849), aber auch mehr Verunglückte (599 statt 588). Die Zahl der Alkoholunfälle sank leicht von 51 auf 49. Die Zahl der Autobahnunfälle stieg im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums Ulm von 1693 auf 1705, dabei kamen 284 Menschen zu Schaden (2018: 323).

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