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Konzert

29.02.2016

Zahlen statt Melodien

„Sonar“ trat im Club Orange der Volkshochschule auf.
Bild: Michael Peter Bluhm

Das Schweizer Quartett „Sonar“ liefert im Club Orange kraftvolle Musik ohne Effekthascherei ab – und wird dafür belohnt

So hätte sich der polnische Dichter Stanislaw Lem die Musik zu seinem in Hollywood verfilmten Science-Fiction-Roman „Solaris“ wohl vorgestellt, die das Schweizer Quartett „Sonar“ aus ihrem neuen Album „Black Light“ jetzt im Club Orange in der Ulmer vh vorstellte: Töne so präzise wie ein Uhrwerk, außerirdisch fremd und nah zugleich und perfektionistisch, als würden Roboter die Instrumente bedienen und die Zuhörer in einen Sogwirbel ziehen, aus dem es bis zum Ende des Konzertes kein Entrinnen gab.

Diese eidgenössische Band der Extraklasse musste vom Macher des Kunstwerk e.V. Klaus Köhler lange umworben werden, bis sie auf ihrer aktuellen Europatournee doch nach Ulm kam, wohl wissend, dass hierzulande die Schar von Fans experimenteller Musik eher überschaubar ist. Aber wie immer vor den Kunstwerkkonzerten konnte Köhler mit einem tollen Fünf-Gänge-Menü, von seiner Frau gekocht, in seinem Haus in Böfingen locken, sodass das Quartett gestärkt am Freitagabend den Club Orange betreten konnte und ein hoch konzentriertes Konzert ablieferte, an das man lange denken wird.

Das Konzept der Schweizer Jazzmusiker ist einfach, aber äußerst schwer umzusetzen: Songs zu komponieren, die nicht auf Melodien basieren, sondern auf Zahlen, Strukturen und Symmetrien. Kann so eine Musik grooven? Und wie, das bewiesen die beiden Gitarristen Stephan Thelen und Berhard Wagner, Christian Kuntner am Elektrobass und Schlagzeuger Manuel Pasquinelli zwei Stunden lang mit einem postminimalen Soundritual, das auch Stilmittel aus dem Jazz und Progressive Rock in sich vereinte. Schon der musikalische Einstieg mit der Nummer „Enneagram“ hämmerte sich regelrecht in das Gedächtnis des Zuhörenden rein. Bei dem Donner grollenden Tiefenbass von Christian Kuntner war man an den legendären Bassisten Dan Berglund des viel zu früh verstorbenen Esbjörn Svensson erinnert, der seinem Instrument geradezu pyschedelische Töne entlocken konnte.

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Band macht ihrem Namen viel Ehre

Diese kraftvolle wie präzise Musik kam ohne Effekthascherei und musiktechnischem Brimborium aus – die Schweizer Musiker ließen nur ihre Instrumente sprechen und die hatten – um im Bild zu bleiben – viel zu sagen. Das wurde vom Publikum mit reichem Applaus belohnt.

Das Quartett hat seinem Namen „Sonar“ viel Ehre gemacht. Schließlich versteht man darunter auch das Orten von Gegenständen im Raum (und unter Wasser) mittels ausgesandter Schallimpulse. Und wahrlich schallimpulsiv und dröhnungsfrei war dieses Auftaktkonzert des Halbjahresprogramms 2016 vom Kunstwerk e.V. in der Ulmer Volkshochschule.

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