Newsticker
Impfkommission Stiko empfiehlt AstraZeneca jetzt auch für über 65-Jährige
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Zarte Körper und solide Bauten im Edwin-Scharff-Museum

Neu-Ulm

28.01.2019

Zarte Körper und solide Bauten im Edwin-Scharff-Museum

Die Ausstellung „Ausgezeichnet!“ (im Bild eine Arbeit von Wiebke Siem) präsentiert Werke von Trägern des Edwin-Scharff-Preises des Hamburger Senats.

Das Museum am Neu-Ulmer Petrusplatz bietet 2019 klassische Moderne, Gegenwartskunst und tierische Architektur. Der Namensgeber wird auf besondere Weise gewürdigt.

Den Bürgern in Neu-Ulm ist der Name Edwin Scharff geläufig – und sei es nur aus dem Namen des städtischen Museums. Aber auch in Hamburg kennt man den großen Sohn Neu-Ulms, denn der Kunstpreis der Hansestadt ist nach Scharff, der dort nach dem Krieg an der Landeskunstschule lehrte und 1955 starb, benannt. In seinem Jahresprogramm, das Direktorin Helga Gutbrod am Mittwoch den Neu-Ulmer Stadträten präsentierte, baut das Haus gleich zweimal eine Brücke an die Elbe – und will auch Familien wieder unterhaltsame Stunden bieten.

Nach dem Ende der aktuellen Ausstellung „Wie ein Traum!: Emil Orlik in Japan“ (noch bis 10. Februar) widmet sich das Kunstmuseum, das dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen am Petrusplatz feiert, eben jenem Edwin-Scharff-Preis: Unter dem Titel „Ausgezeichnet!“ (2. März bis 23. Juni) sind Arbeiten von Künstlern zu sehen, die mit diesem ausgezeichnet wurden. Dieser wird seit 1955 an Hamburger oder eng mit Hamburg verbundenen Künstlern vom dortigen Senat verliehen. In Neu-Ulm werden unter anderem Werke von Anna und Bernhard Blume, Hanne Darboven, Daniel Richter und Franz Erhard Walther gezeigt. Auch eine Inszenierung der jüngsten Preisträgerin Michaela Melián wird zu sehen sein.

Scharffs eigenes Werk ist dann Bestandteil eines Projekts aus der 2012 begonnenen Reihe „Gastspiel“: Der Düsseldorfer Künstler Stefan Wissel, der bereits zur Wiedereröffnung einen Raum inszeniert hat, setzt seinen Dialog mit dem Neu-Ulmer mit vier künstlerischen Interventionen in der ständigen Sammlung fort (ab 19. Mai). Diese werden dort voraussichtlich für mehrere Jahre neben den Original-Exponaten zu bewundern sein.

Ausstellung "Zarte Männer" passt zur Genderdebatte

Um „Zarte Männer in der Skulptur der Moderne“ geht es dann in der zweiten großen Schau des Jahres am Petrusplatz (13. Juli bis 3. November), die in Kooperation mit dem Georg-Kolbe-Museum Berlin entsteht. Es rückt Bildhauer in den Fokus, die ab Ende der 1880er bis in die 1950er-Jahre den Topos des verletzlichen Jünglings in ihrer Kunst verarbeiten – und eben keine heroisch-starken Mannsbilder darstellen. „Angesichts der Genderdebatte eine ganz spannende Ausstellung“, findet Direktorin Gutbrod. Präsentiert werden Werke von Adolf von Hildebrand, George Minne, Georg Kolbe, Wilhelm Lehmbruck und Gerhard Marcks, aber auch von Hermann Blumenthal, der als bester Schüler Edwin Scharffs gilt.

Zum Abschluss des Jahres im Kunstmuseum geht es um ein „Künstlerpaar der Moderne“ (23. November 2019 bis 15. März 2020) aus Hamburg: Emil Maetzel (1877–1955) und Dorothea Maetzel-Johannsen (1886–1930) waren wichtige Figuren der Avantgarde und Mitbegründer der Hamburgischen Sezession. Beide waren vom Expressionismus der „Brücke“ inspiriert. Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Stade entsteht, umfasst Gemälde, Grafik und Fotografie.

Kinderausstellung "Architektierisch" kommt aus Graz

Auch im Kindermuseum, das 2019 zehn Jahre alt wird, steht ein Wechsel an: Auf „Hör mal, wer da guckt!“ (bis 15. September) folgt „Architektierisch“ (circa 10. November 2019 bis 12. September 2021). Die interaktive Schau, die vom Kindermuseum „Frida & Fred“ im österreichischen Graz konzipiert wurde, handelt von Bauten, von Menschen und Tieren – auch davon, inwieweit die tierische Architektur die menschliche beeinflusst.

Aus dem Stadtratsausschuss gab es nach der Vorstellung des Programms viel Lob, auch für die vielen Begleitveranstaltungen und die pädagogische Arbeit. Etwa von Rudolf Erne (SPD): Das Museum sei nicht nur ein Ort, um sich alte Bilder anzuschauen, sondern es entwickle sich immer mehr zum Ort der Begegnung.

Das Edwin-Scharff-Museum veranstaltet am Sonntag, 3. Februar, einen japanischen Tag rund um die Ausstellung „Wie ein Traum! Emil Orlik in Japan“. Das Programm für Erwachsene und Kinder beginnt um 11.30 Uhr mit japanischer Lyrik. Isolde Kiefer-Ikeda und Nobuo Ikeda lesen Gedichte in japanischer Sprache und anschließend in deutscher Übersetzung. Von 13.30 bis 16.30 Uhr können Kinder und Erwachsene unter Anleitung von Janina Schmid japanische Comics zeichnen. Parallel dazu erklärt Seikei Sachiko Oishi-Hess die Kunst des Ikebana. Um 16 Uhr können die Besucher an einer japanischen Teezeremonie teilnehmen. Um 15 Uhr findet eine Führung durch die Ausstellung statt. Alle Räume des Museums sind von 10 bis 18 Uhr zum normalen Eintrittspreis geöffnet, das Sonntagsprogramm ist kostenlos.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren