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Ulm

22.04.2015

Zehn Künstler bauen das Münster neu

Die Künstler Hermann Geyer (links) und Lothar Seruset (rechts) mit Initiator Frieder Nething beim Begutachten der Probehängung im Ulmer Atelier von Herbert Volz.
Bild: Roland Mayer

Ein Ulm-Kölner Gemeinschaftswerk zeigt die 125 Jahre alte Westfassade der Kirche – zerlegt in 21 Einzelteile. Bis zur Enthüllung im Ulmer Museum werden noch Paten gesucht.

Über das Versuchs- und Prestigeprojekt einer ungewöhnlichen künstlerischen Gemeinschaftsarbeit hinaus ist dieses Unternehmen zum Münsterturmjubiläum seinem Initiator Frieder Nething zufolge auch ein schlüssiges Kooperationsmodell, das „im Wesentlichen von der Bürgerschaft mitgetragen wird“. Die Aktion steht auf dem Fundament von Patenschaften. Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner ist einer der privaten Paten. „130 brauchen wir“, sagt Nething. Ein Viertel davon kam bereits in den ersten beiden Wochen zusammen.

Der 1941 geborene Ulmer Firmengründer des heute in Neu-Ulm hauptansässigen Unternehmens Nething Generalplaner GmbH hatte vor einiger Zeit von seinem Architektur-Projektleiter Bela Stollhans eine Postkarte bekommen. Diese zeigt im Kleinformat eine drei mal 1,5 Meter große Gemeinschaftsarbeit der Kölner Künstlergruppe „Sichtbar“. Das aus 18 Bausteinen zusammengesetzte Acrylbild von 2005, das der DuMont-Verlag ankaufte, wurde so zum Vorbild für Nethings Münster-Aktion, in die auch die evangelische Kirche integriert wurde.

Beim künstlerischen Schulterschluss zwischen Rhein und Donau spricht Nething auch von einem „ökumenischen Brückenschlag“ zwischen dem (katholischen) Kölner Dom und dem (evangelischen) Ulmer Münster, das den Gotik-Bruder aus Köln bekanntlich um 415 Zentimeter überragt. Der kleine Unterschied: Die Ulmer Patchwork-Installation wird aus drei Teilen mehr als die Kölner zum Gesamtwerk zusammengefügt und wird mit einer Höhe von 4,20 und einer Breite von 1,80 Metern auch größer sein als ihr Vorbild aus der nordrhein-westfälischen Millionenstadt.

Für den Ulmer, in Burlafingen groß gewordenen Künstler Michael Danner bedeutet seine Teilnahme am Puzzle-Projekt Neuland mit dem Reiz der besonderen Herausforderung. Seine Kölner Kollegin Barbara Ruf zeigt sich angetan darüber, dass die Linien, die sie in ihren eigenen Bildern malt, auch ins Team-Projekt Einkehr gefunden haben: „Oft sind es die kleinen Dinge.“ Den zehn Künstlern sind die 21 quadratischen (60 mal 60 Zentimeter) Bildmodule zugelost worden. Ruf bemalt drei, alle anderen jeweils zwei der Kunstbausteine. „Was kommt da wohl dabei raus“, fragte sich Danner am Überraschungstag des Arbeitstreffens im hoch aufragenden Atelier seines Ulmer Kollegen Herbert Volz.

Noch ist das Münster-Werk nicht ganz vollendet. Doch was bereits zu sehen war, umfasst ein Spektrum von Realismus über Konkrete Kunst bis hin zur gestischen Malerei – „individuell und pluralistisch“, wie es Danner hinsichtlich der quadratischen Vorgabe, aber offenen Spielregeln, formuliert. Bei der Work-in-Progress-Präsentation waren sie alle versammelt: Auf Ulmer Seite neben Herbert Volz und Michael Danner noch Thomas Kahl, Birte Horn, Hermann Geyer und Lothar Seruset. Aus Köln kamen neben Barbara Ruf auch Gunda Kawel, Eva Vollmer-Kopka (alle Künstlergruppe „Sichtbar“) sowie Anne Dahm-Puchalla angereist.

Erlös von limitiertem Druck fließt in Bauunterhalt

Nach dieser Preview steigt die Spannung weiter, bis dann am 17. Juli das Werk im Lichthof des Ulmer Museums enthüllt wird. Erscheinen soll auch eine Dokumentation zur Aktion. Ebenso die limitierte Auflage einer ein Meter großen Lithografie, deren Verkaufserlös (zum Stückpreis von 300 Euro) in den Erhalt des Münsters einfließen soll.

Bevor das Gemeinschaftsbild im Museum aufgebaut wird, geht dort eine Ausstellung zu Ende, die ebenfalls ein Gruppenwerk markiert, „eines allerdings in einer anderen Haltung“, wie Maler Danner betont: Die Schau „Jerusalem in Ulm“ mit den erhaltenen spätgotischen Teilen des Wengen-Altars, den die Werkstätten der wichtigsten Ulmer Maler dieser Zeit, Bartholomäus Zeitblom und Jörg Stocker, gemeinsam bebilderten.

Ist diese Ausstellung im Ulmer Museum noch bis 12. Juli zu sehen, wird die Köln-Ulmer Bildinstallation nach dem 30. August vom Ulmer Museum ins Münster umgesiedelt. Dort soll sie an der Westwand des nördlichen Seitenschiffes als Dauerleihgabe seine dauerhafte Bleibe finden.

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