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Ulm

16.11.2017

Zeit des Abschieds am Ulmer Theater

Nicht wenige Künstler werden das Theater Ulm zur nächsten Spielzeit verlassen – wie es naturgemäß bei einem Intendantenwechsel der Fall ist. Außergewöhnlich ist jedoch die Situation im Ballett.
Bild: Alexander Kaya (Archiv)

Mit dem Weggang von Intendant Andreas von Studnitz und Ballettchef Roberto Scafati dreht sich das Personalkarussell ganz gewaltig. Wer geht, wer bleibt – und was kommen könnte.

Ein Intendantenwechsel an einem Theater zieht regelmäßig die Neubesetzung anderer Stellen nach sich. Kay Metzger, der vom Herbst 2018 an Intendant am Theater Ulm sein wird, hat 18 Verträge nicht verlängert. Im Musiktheater bleiben Maria Rosendorfsky, I Chiao Shih und Martin Gäbler, während sich Edith Lorans, Tomasz Kaluzny und Kwang-Keun Lee aus Ulm verabschieden müssen. Im Schauspiel bleiben unter anderem Fabian Gröver, Jakob Egger, Christl Mayr und Gunther Nickles. Außergewöhnlich ist die Situation im Ballett des Theaters Ulm: Mit dem Weggang von Ballettchef Roberto Scafati, der am 20. Oktober die Zusage als künftiger Ballettdirektor in Trier erhielt, während Kay Metzger drei Tage später Reiner Feistel als Scafatis Nachfolger präsentierte, verlassen alle aktuellen Tänzerinnen und Tänzer des Ensembles das Haus.

Sieben Compagnie-Mitglieder gehen mit Roberto Scafati nach Trier – das Ehepaar Yuka Kawazu und Damien Nazabal, Beatrice Panero, Chiara Rontini, Giorgio Strano, Alessio Pirrone und Bogdan Muresan. Die übrigen Tänzerinnen und Tänzer bleiben nicht am Theater Ulm – darunter Ceren Yavan-Wagner, die mit ihrem Ehemann in Augsburg lebt, die kündigte und nun freischaffend arbeiten will.

Yavan-Wagner wird auch ihre Position als Lehrerin für Modern Dance an der Ballettschule des Theaters aufgeben; die Ballettschule steht in dieser Spielzeit noch unter der Leitung von Roberto Scafati, Ceren Yavan-Wagner und Gisela Montero i Garcia, die dort klassischen Tanz unterrichtet. Über die Zukunftsgestaltung der boomenden Ballettschule wisse sie aktuell nichts, sagt die in der Türkei geborene Tänzerin.

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In Roberto Scafatis Brust schlagen zwei Herzen: „Ich bin Ulm unendlich dankbar“, erklärt er. „Ich hatte hier meine Karriere als Tänzer, Choreograf und Ballettdirektor. Ich habe hier meine Frau kennen gelernt, meine Tochter wurde hier geboren. Ich habe hier ein Haus gekauft, mein Leben war hier.“ Gerne wäre er geblieben. „Aber ich wollte das Ballett weiterentwickeln. Ich habe für hier gekämpft und mich bis Oktober 2017 nicht an ein anderes Theater beworben.

Das Ulmer Publikum ist kein provinzielles; es spürt, was gut ist und was nicht“, sagt Scafati und fügt hinzu: „Ich wollte mit Gastchoreografen arbeiten und mehr Ballettabende machen, weil deren Auslastung in Ulm sehr gut ist. ‘Carmen’ zum Beispiel hatte eine Auslastung von 93 Prozent.“ Auch die Ballettschule wollte Scafati durch bessere Bedingunge stärken. „Vor einem Jahr habe ich deshalb die Stadtverwaltung angeschrieben. Die Antwort war zunächst, man werde sehen, was man machen könne. Aber dann ist nichts passiert. Dann muss ich gehen.“

„Die Entwicklung des Balletts in Ulm war toll“, bestätigt Ceren Yavan-Wagner. „Und die Ballettschule läuft super.“ Aber: „Roberto Scafati hat uns Tänzern die Möglichkeit gegeben, uns als authentische Persönlichkeiten mit unserer Kreativität in die Choreografie einzubringen und nicht nur als Körper. Dahinter kann ich nicht zurück.“

Er werde sich in den beiden noch ausstehenden Ballett-Produktionen dieser Spielzeit – „Acqua & Recortes“, das am 23. November Premiere hat, und „Dornröschen“, das am 22. Februar Premiere haben wird – in jeder einzelnen Aufführung vom Publikum verabschieden, erklärt Roberto Scafati.

Sein designierter Nachfolger Reiner Feistel befindet sich derweil, wie er berichtet, im Findungsprozess für sein zukünftiges Ulmer Ballettensemble. Er habe der derzeitigen Compagnie angeboten, in der nächsten Spielzeit mit ihm zu arbeiten. „Sie haben gesagt, das Angebot sei toll, sie möchten aber mit Roberto Scafati weitergehen.“ Gerne würde Feistel mit einer Mélange aus Tänzern, die er kennt, und ihm bislang Unbekannten arbeiten. Dafür findet im Januar 2018 in Ulm eine Vortanzen statt. Feistel lobt den harmonischen Wechsel, den es gebe, weil Scafati in Trier Ballettdirektor werde.

Das Ulmer Theater als Drei-Sparten-Haus ist jedenfalls für die Zukunft gesichert, verrät CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Kienle, selbst „Tanz-Fanatiker“, wie er sagt. Man denke im Moment eher über eine weitere Sparte nach – die Sparte eines Bürgertheaters an authentischen Orten außerhalb des Theaterhauses.

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