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München überschreitet Corona-Grenzwert

26.06.2009

Zu hoch gepokert

Neu-Ulm/Senden (boz) - Ein 42-jähriger Portugiese hat vor dem Amtsgericht Neu-Ulm zu hoch gepokert. Er hielt sich für unschuldig und kämpfte auch dafür - ohne letztlich die Mahnungen seines Anwalts Mihael Milosevic ernst zu nehmen. Das war sein Pech.

Der 42-Jährige wurde nun wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Körperverletzung und Beleidigung zu einem Jahr und zwei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. So hatte es Oberstaatsanwalt Markus Schroth gefordert und Amtsgerichtsdirektor Dr. Bernt Münzenberg schloss sich dem an. Hinzu kommt ein Führerscheinentzug für zwei Jahre.

Dauerkunde vor dem Kadi

Es wäre auch schwierig gewesen, dem Portugiesen Bewährung zuzugestehen, denn er ist seit 1982 schon 19 Mal verurteilt worden, sehr oft wegen Verkehrsdelikten, ob mit Alkohol im Blut, ohne Versicherung oder ohne Fahrerlaubnis. Auch Körperverletzung und Beleidigung wurden gerichtsnotorisch.

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Unbestritten ist, dass der Angeklagte in der Nacht zum 1. Februar gegen 2.20 Uhr in Senden von zwei Streifenpolizisten in seinem Auto sitzend angetroffen wurde mit - wie sich später herausstellte - 1,95 Promille Alkohol im Blut (die NUZ berichtete). Dann aber hören die Gemeinsamkeiten der Wahrnehmung auf.

Der Angeklagte wollte vielmehr aus einer nahen Gaststätte gekommen sein, um in seinem Auto Ruhe zu finden. Die Streifenpolizisten wollten dem Wagen, der mit aufgeblendeten Scheinwerfern unterwegs war, dagegen auf der Hauptstraße begegnet sein. Der habe nicht auf das Lichtsignal reagiert, das ihn zum Abblenden aufforderte, habe links geblinkt, sei aber geradeaus weiter gefahren. Wenig später, so sagten die Beamten aus, hätten sie den Wagen in einer Straße hinter dem Rathaus einparken sehen. Nachdem dem Portugiesen im Weißenhorner Krankenhaus Blut abgenommen worden war, kam es nach Aussagen der Polizisten im Keller der Polizeiinspektion zu einer Rangelei und Beschimpfungen.

Der Angeklagte beteuerte wie schon bei der ersten, ausgesetzten Verhandlung: "Ich bleibe dabei, ich wollte mich im Auto ausruhen" und: "Die Polizei hat mich auf dem Kieker." Vor dem Urteil sagte der Mann: "Ich habe aus dem Verfahren von vor drei Jahren gelernt und bin ganz normal geblieben. Ich habe nichts getan."

Trotzdem bekam er von Richter Münzenberg zu hören: "Ich kenne die Beamten. Sie haben keinen Grund, uns einen Bären aufzubinden." Eine Verurteilung wegen einer unbeeideten wie einer beeideten Falschaussage hätte nämlich schwere Konsequenzen für ihre Karriere.

Auch der Verschwörungstheorie des Portugiesen gab der Amtsgerichtsdirektor keine Chance. Es sei allerdings richtig, dass auf Bürger, die mehrfach auffällig geworden seien, öfter ein Auge geworfen werde.

Letztlich wurde deutlich, dass der Angeklagte, bei allem Bemühen in den vergangenen Jahren ein unbescholtenes Leben zu führen, zu hoch gepokert, zu sehr auf seine Glaubwürdigkeit und Ehre gesetzt hatte. "Bewährung gibt es nur, wenn besondere Umstände vorliegen", sagte Dr. Münzenberg. "Ein Geständnis wäre so etwas gewesen." Jetzt drohen dem Selbstständigen, der fünf Mitarbeiter beschäftigt, nicht nur ein Jahr zwei Monate Haft, sondern noch acht Monate mehr. Zwar ist seine Bewährungsstrafe von acht Monaten im März abgelaufen, auf Antrag der Staatsanwaltschaft kann sie aber an seine jetzige Strafe angehängt werden.

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