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Religion

07.07.2017

Zuflucht für die einen, Gefahrenzone für die anderen

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2 Bilder
Holzschnitt von Caspar Schwenckfeld, um 1590.
Bild: Haus der Heimat

Eine Ausstellung im Donauschwäbischen Zentralmuseum wirft einen Blick auf verfolgte protestantische Gruppen

Was muss ich tun, um in den Himmel zu kommen? Löst diese Frage heutzutage mehr oder weniger Schulterzucken aus, wurde im ausgehenden Mittelalter darüber hitzig diskutiert. Wenn man eine von der Amtskirche abweichende Auffassung vertrat, konnte das den Ketzertod bedeuten. Eine neue Ausstellung des Donauschwäbischen Zentralmuseums beschäftigt sich mit den religiösen Gruppierungen, die sich weder mit der lutherischen noch mit der Auffassung der katholischen Kirche anfreunden konnten: den Täufern, den Schwenckfeldern und den Pietisten. Und allen dreien ist eines gemeinsam – sie mussten wegen ihres Glaubens aus der Heimat fliehen.

Das heutige Baden-Württemberg zog damals viele Splittergruppen an. „Der Südwesten war so interessant, weil es eine Vielzahl an religiösen Strömungen hier gab“, sagt Christine Absmeier, Leiterin des Hauses der Heimat in Stuttgart. Der Grund dafür lag vor allem in der politischen Kleinteiligkeit des Gebietes. So fanden viele Zuflucht in autonomen Reichsstädten wie Ulm oder Heidelberg.

Einer von ihnen war der schlesische Reformator Caspar Schwenckfeld. Seine Ideen und Vorschläge gingen selbst Luther zu weit. So billigte und befürwortete Schwenckfeld die Ehelosigkeit. Er sah dies als eine fromme Lebensform an. Mit diesen und weiteren Ideen machte sich der Reformator in Schlesien mehr Feinde als Freunde – und wurde verbannt. Nach einer Station in Straßburg landete er dann von 1535 bis 1539 in Ulm. „Am Beispiel Schwenckfelds kann man gut nachvollziehen, wie sich die Religion verbreitet hat“, sagt Absmeier. Die Historikerin brachte die Exponate nach Ulm, nachdem die Ausstellung die vergangenen acht Monate in Stuttgart zu sehen war.

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Die württembergischen Pietisten sind ein weiteres Beispiel für eine religiöse Splittergruppe auf der Flucht. Doch anders als Schwenckfeld und seine Anhänger zog es sie weg aus dem Südwesten. Ihr Ziel: der biblische Ort Ararat im Kaukasus. „Dort erhofften sie sich religiöse Freiheit“, sagt Absmeier. Nach einem schweren Anfang fanden die Pietisten auch abseits ihres Glaubens eine Bestimmung: als Winzer. „Ende des 19. Jahrhunderts war georgischer Wein äußerst gefragt“, erzählt die Historikerin.

Die Ausstellung „Flucht vor der Reformation“ wirft einen schlaglichtartigen Blick auf die drei religiösen Strömungen der Schwenckfelder, Täufer und Pietisten. Zugleich werden in einer Art Prolog weitere Beispiele von Gruppen gezeigt, die ihre Heimat wegen des Glaubens verlassen mussten.

Noch bis 7. Januar 2018 kann man die Ausstellung jeweils dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr besuchen.

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