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Roggenburg

13.06.2019

Zum Kirchenfest in Schießen gibt es Schnaps und eine Wette

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Gemeindepfarrer Pater Johannes (rechts im Bild) und Kirchenpfleger Werner Brückner freuen sich auf die Feierlichkeiten zum Schnapszahl-Jubiläum am 21. Juli.
Bild: Angela Häusler

Plus Vor 333 Jahren wurde Mariä Geburt geweiht. Das prächtige Gotteshaus wurde zu einem bekannten Wallfahrtsort. Im Innern befindet sich eine versteckte Rarität.

Ein Schnapszahl-Jubiläum steht demnächst im Roggenburger Ortsteil Schießen an: Die örtliche Kirche Mariä Geburt wird am 21. Juli 333 Jahre alt. Grund genug für die Kirchengemeinde, ihr lieb gewonnenes Gotteshaus zu feiern. „Die Schießener lieben ihre Kirche, das finde ich sehr schön“, sagt der Gemeindepfarrer und Subprior des Roggenburger Klosters, Pater Johannes Baptist Schmid, über das herzliche Verhältnis der Bevölkerung zu ihrem prächtig ausgestatteten Gotteshaus.

Dessen Einweihung durch den Augsburger Weihbischof Eustach von Westernach am 21. Juli 1686 wird nun unter dem Motto „333 Jahre Schießamer Kirch“ feierlich gedacht, dann sind die Gläubigen zum Festgottesdienst eingeladen. Anschließend stehen ein Empfang vor der Pfarr- und Wallfahrtskirche und ein gemütliches Beisammensein im Pfarrgarten auf dem Programm. Sogar einen Jubiläums-Schnaps gibt es zu probieren.

Die Kirche wurde seit jeher von Roggenburger Chorherren betreut

Viele fleißige Helfer werden die Pfarrei bei der Organisation des Festes unterstützen – und auf die Mitwirkung der Bevölkerung kann sich die Pfarrgemeinde immer verlassen, wie Pater Johannes und Kirchenpfleger Werner Brückner über die laufenden Vorbereitungen erzählen. Dass das Dörflein Schießen, zu dessen Pfarrei auch Schleebuch und Unteregg gehören, eine so reich bestückte und mehrfach renovierte Wallfahrtskirche hat, hängt mit dem Roggenburger Kloster zusammen. Denn seit jeher wurde Schießen von den Roggenburger Chorherren betreut.

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Einer von ihnen, Pater Severin Ott, begründete im 17. Jahrhundert die örtliche Wallfahrt, indem er ein besonderes Gnadenbild für die damalige, noch viel kleinere Schießener Kirche beschaffte. Es war die Nachbildung des als wundertätig verehrten Bildes „Maria Maior“, dessen Original Ott bei einer RomReise gesehen und später als Kopie in Haupeltshofen im Kammeltal entdeckt hatte. Eine solche Nachbildung ließ er daraufhin heimlich auch für Schießen anfertigen – und schon bald wurde die kleine Kirche für die von der neuen Attraktion zahlreich angezogenen Wallfahrer zu eng.

1681 schließlich begann der Bau der heutigen Kirche unter dem damaligen Roggenburger Abt Adalbert Rauscher am jetzigen Standort im Ortskern. Der prächtige Neubau auf der Anhöhe wurde zum gefragten Wallfahrtsort. Das Gnadenbild der Maria mit Kind prangt bis heute am Hochaltar.

In der ehemaligen Abstellkammer entstand eine kleine Taufkapelle

Mariä Geburt wurde rasch als „lieblichste Tochter des Roggenburger Klosters“ bekannt. Schließlich lebten zuweilen mehrere der Chorherren direkt in Schießen, und die Abtsweihe des bedeutendsten Roggenburger Abts, Georg Lienhardt, geschah in dieser Kirche. Er war es auch, der den Innenraum 1779 umgestalten ließ und damit das heutige Erscheinungsbild der Kirche entscheidend prägte. Bekannt ist die Kirche unter anderem für die Fresken des Weißenhorner Künstlers Konrad Huber und für ihre üppigen Stuckarbeiten.

Doch es gibt am Rande des eindrucksvoll gestalteten Saalbaues auch eine ganz versteckt liegende Rarität: einen Ehekarzer. Das ist eine recht beengte Holzkonstruktion, in die Wand eingelassen, von außen verschließbar und für zwei Personen ausgerichtet, die dort einander in nicht eben bequemer Haltung gegenübersitzen. So eingepfercht sollten sich zerstrittene Ehepaare über Nacht wieder vertragen, berichtet Pater Johannes über die altertümliche Paartherapie.

Heute verfügt das Gotteshaus auch über eine kleine Taufkapelle, die in einer ehemaligen Abstellkammer entstanden ist. Die letzte große Renovierung der Kirche ist mittlerweile mehr als 30 Jahre her, erst 2012 bedurfte es einer aufwendigen Sanierung des Dachstuhls. Im Moment, berichtet Brückner, sei das Gebäude ziemlich gut in Schuss – vorerst stehen nur kleinere Maßnahmen an. Dazu gehört die Erneuerung des Glockenstuhls, wo morsche Balken ausgetauscht werden müssen. Etwa 80000 Euro wird das Vorhaben wohl kosten. Den Löwenanteil, 50000 Euro, muss die Gemeinde selbst aufbringen.

Eine Menschenkette soll die Kirche umarmen

Derzeit besteht die Kirchengemeinde aus ungefähr 900 Katholiken und die Pfarrei verbucht rege Aktivitäten. Die Gläubigen engagieren sich unter anderem im Pfarrgemeinderat oder der Mutter-Kind-Gruppe, aktive Ministranten und die Landjugend bieten Programm für die Jüngeren. Auch die Kleinsten kommen übrigens am 333. Weihetag zum Einsatz. Die Kinder des Kindergartens St. Marien nämlich haben eine Wette abgeschlossen: Sie wollen nach dem Festgottesdienst versuchen, gemeinsam mit den Besuchern eine Menschenkette um die Kirche herum zu bilden, sie also quasi zu umarmen. Danach können die Gäste im Pfarrgarten weiterfeiern und den speziellen Jubiläums-Schnaps testen, der mit besonderem Etikett aufwartet. „Schließlich ist es ja eine Schnapszahl“, sagt Kirchenpfleger Brückner schmunzelnd.

Gefeiert wird „333 Jahre Schießamer Kirch“ am Sonntag, 21. Juli. Los geht es um 16.45 Uhr mit der Aufstellung der Vereine zum Kirchenzug am Pfarrhof. Um 17 Uhr beginnt der Gottesdienst mit Abt emeritus Michael Proházka O. Praem., Vizerektor am Collegium Orientale in Eichstätt, und dem Chor „Pro Vobis“. Um 18 Uhr ist die Jubiläumswette: Die Kinder des Kindergartens St. Marien wollen mit Festbesuchern eine Menschenkette um die Kirche herum bilden. Ab 18.30 Uhr gibt es Bewirtung und Blasmusik der Seniorenkapelle Schießen im Pfarrgarten und im Pfarrhof.

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