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Kreis Neu-Ulm/Unterallgäu

22.02.2021

Zurück ins Klassenzimmer: Wie ist der erste Schultag in der Region verlaufen?

Mit Maske zurück ins Klassenzimmer. So lief der erste Schultag nach dem Lockdown in der Region.
Bild: Sebastian Gollnow, dpa (Symbolfoto)

Plus Tests, Abstand und Maskenpflicht: Die Schulen wollen nach zwei Monaten im Homeschooling Sicherheit bieten. Doch es gibt Bedenken.

"Bisher ist alles ideal gelaufen", erzählt Beate Altmann, Rektorin der Grundschule Stadtmitte in Neu-Ulm. Nach zwei Monaten Homeschooling geht es für Grund- und Förderschüler sowie für die Abschlussklassen der Real- und Mittelschulen wieder ins Klassenzimmer. "Es gab keine größeren Probleme. Die Kinder freuen sich, dass sie wieder in die Schule dürfen. Bei den Eltern herrscht große Dankbarkeit und Erleichterung." Aber bei manchen Lehrern und Schülern gibt es Bedenken. Wie war der erste Schultag? Hier ein Überblick. ,

Tests, Abstand und Maskenpflicht: Die Schulen wollen nach zwei Monaten im Homeschooling Sicherheit bieten.
Bild: Matthias Balk, dpa (Symbolfoto)

Die Grundschule Stadtmitte verfüge über genügend Räume und Lehrkräfte, damit der Präsenzunterricht mit Mindestabstand durchgehend stattfinden könne. "Da wir die Klassengröße auf vierzehn Schüler reduziert haben, ist auch die Anzahl der Klassen gestiegen", sagt Altmann. "Deshalb gibt es vorläufig keinen Nachmittagsunterricht, denn alle Lehrer werden vormittags gebraucht." Bedarfsorientierte Notbetreuung für Kinder, die auch nachmittags nicht nach Hause könnten, gebe es aber trotzdem.

Die stellvertretende Vorsitzende des Elternbeirates, Michaela Putze, bestätigt die Einschätzung der Schulleiterin: "Gerade die Tatsache, dass alle Kinder wieder in die Schule können und man nicht auf Wechselunterricht angewiesen ist, sehen die Eltern positiv. Dass dafür der Nachmittagsunterricht ausfällt, ist zu verkraften." Auch an der Disziplin der Schüler zweifelt Putze nicht: "Die Schüler sind die meisten Einschränkungen schon aus dem Herbst gewöhnt."

Weißenhorner Realschüler sorgen sich wegen Prüfungen

In den bayerischen Realschulen dürfen seit diesem Montag wieder die Abschlussjahrgänge in Präsenz unterrichtet werden. "Heute früh war die Stimmung der Schüler verhalten, passend zum Nebel", sagt Christa Megow, Schulleiterin der Realschule in Weißenhorn. Einige Schüler sorgen sich momentan wegen der Prüfungen im Juli. Trotz der Pandemie sei man mit dem Stoff aber gut vorangekommen, so die Schulleiterin: "Wir nehmen unseren Schülern ihre Bedenken und geben ihnen mit auf den Weg: Wir schaffen das als eine Schulgemeinschaft."

Darüber hinaus könne an der Weißenhorner Realschule mit drei verschiedenen Eingängen und mehreren Pausenhöfen gewährleistet werden, dass sich die 100 Schüler in den fünf Abschlussklassen nicht zu nahe kommen. Jede Klasse wurde aber bereits zweigeteilt, sodass täglich nur 50 Schüler in Präsenz unterrichtet werden. Um das Infektionsrisiko zusätzlich zu verringern, findet am Dienstag eine Reihentestung in der Realschule in Weißenhorn statt. Die Lehrer der Realschule, der beiden Grundschulen und der Mittelschule in Weißenhorn können sich dort auf das Coronavirus testen lassen. Dass diese Überprüfungen sinnvoll sind, zeigen bereits durchgeführte Reihentests an Schülern und Lehrern. Bei solchen Maßnahmen wurden bereits Corona-Fälle bei Menschen entdeckt, die keine Symptome zeigten.

Hinsichtlich der kommenden Wochen ist es der Neu-Ulmer Schulleiterin Altmann wichtig, dass bald Schnelltests zur Verfügung stehen. "Die Lehrer haben sich bereits im Voraus auf Corona testen lassen, aber wenn sie jetzt wieder Kontakt mit den Schülern haben, muss regelmäßig getestet werden, um sicherzugehen, dass sich niemand ansteckt."

Neu-Ulmer Schulamtsleiter hofft auf Präsenzunterricht für alle

Schulamtsleiter Ansgar Batzner freut sich über die Wiedereröffnung der Schulen.
Bild: Sammlung Batzner

Auch Ansgar Batzner, Leiter des Staatlichen Schulamts im Landkreis Neu-Ulm, bestätigt, dass sich die Lehrkräfte und Schulleitungen über die Wiederaufnahme des Unterrichts freuen. Dem Dienstvorgesetzten für rund 800 Lehrkräfte an den 49 Grund- und Mittelschulen im Kreis Neu-Ulm zufolge ist die Unterrichtung an Schulen vor Ort, wenn es die Infektionslage ermöglicht, immer der bessere Weg: "Wir hoffen, dass allmählich alle Jahrgänge wieder am Präsenzunterricht teilnehmen können", so Batzner.

Trotz Wechselpräsenz, die derzeit an den meisten Schulen üblich ist, und der weiteren Einschränkungen im Schulalltag müssen die Schülerinnen und Schüler schriftliche Leistungsnachweise erbringen - und zwar in der Schule. Laut Batzner werden weiterhin die persönliche Handhygiene, das Abstandhalten, regelmäßiges Lüften sowie das Testen und das Tragen einer Maske auf dem gesamten Schulgelände die wirksamsten Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus sein.

Für Grundschüler ist Kontakt zu den Mitschülern wichtig

So wird zum Beispiel an der Grundschule in Babenhausen sehr viel Wert auf Hygiene- und Abstandsregeln gelegt. Die einzelnen Klassen wurden jeweils in zwei Gruppen unterteilt, die sich mit dem Präsenzunterricht täglich abwechseln. Für die Klassen gibt es feste Pausenzeiten und einen festgelegten Pausenbereich. "Das hat am ersten Tag bereits sehr gut funktioniert", sagt Schulleiter Wolfgang Schiersner. Man versuche bestmöglich Kontakte zu vermeiden und Abstände einzuhalten, einen gewissen Begegnungsverkehr gebe es aber immer. Auf dem Weg zur Schule und wieder zurück könne eine Durchmischung der einzelnen Schulklassen nur schwer kontrolliert werden. Man habe den Schülern aber erklärt, worauf sie achten sollen, so Schiersner.

Wie auch in der Grundschule Neu-Ulm sind dem Schulleiter zufolge die Schüler, Eltern und Lehrer sehr glücklich darüber, dass der Unterricht wieder beginnt. Der Elternbeirat sei mit dem Management der Grundschule Babenhausen in Pandemiezeiten zufrieden. Schiersner betont: "Grundschule findet vor allem auf der Beziehungsebene statt." Gerade in sehr jungem Alter ist das Gemeinschaftsgefühl wichtig. Daher ist es vor allem für die ersten Klassen bitter, dass sie durch die Pandemie auseinandergerissen wurden. Umso wichtiger sei daher die Öffnung der Schulen, wenn auch vorerst im Wechselbetrieb, so der Schulleiter.

Nersingen: Lehrer machen viele Überstunden

Für Irmgard Neureuther, Schulleiterin der Anton-Miller-Schule in Nersingen, müssen die Lehrer nach der Wiedereröffnung zunächst den Förderbedarf der Schüler aufdecken. "Auch wenn unser Homeschooling-Konzept gelobt wurde, müssen wir jetzt so schnell wie möglich herausfinden, wie gut die Schüler den Stoff beherrschen und wo es Nachholbedarf gibt." Da sich in ihrer Schule Grund- und Mittelschule unter einem Dach befinden, kehren jetzt nicht nur die Klassen eins bis vier in den Unterricht zurück, sondern auch die neunte Klasse. Die Schüler der ersten und zweiten Klassen haben wöchentlichen Wechselunterricht, für die Klassen drei, vier und neun gibt es durchgehenden Präsenzunterricht, während sich die Klassen fünf bis acht noch im Homeschooling befinden.

Seit Montag sind in den Grundschulen wieder Präsenzunterricht. Mancher fragt sich, ob die Infektionszahlen wieder steigen.
Bild: Matthias Becker

Während die Freude unter Schülern und Eltern über die Rückkehr an die Schulen groß ist, plage Neureuther jedoch eine Sorge: "Die Schule befindet sich an ihrer personellen Grenze. Wir müssen drei verschiedene Unterrichtskonzepte bedienen, um den Infektionsschutz gewährleisten zu können”, erzählt die Rektorin. "Die meisten Lehrer machen Überstunden, damit den Schülern kein Nachteil durch den Lockdown entsteht." Gerade deshalb hält sie die Forderungen nach Unterricht in den Osterferien oder an Samstagen, um die verpasste Schulzeit nachzuholen, für nicht umsetzbar.

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