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25.05.2019

Zuschauer hadern mit Kaiser-Stück

Marie Luisa Kerkhoff und Fabian Gröver in „Von morgens bis mitternachts“ im Theater Ulm.

Wenig Euphorie nach Schauspiel-Premiere

Manch einem Zuschauer gefiel Jasper Brandis’ Inszenierung von Georg Kaisers expressionistischem Drama „Von morgens bis mitternachts“ im Großen Haus des Theaters Ulm nicht: Nach der Pause zeigten sich deutliche Lücken in den Sitzreihen. Wer blieb, bewertete den zweiten Teil des Dramas deutlich positiver als den Beginn.

So wie Christina Biber-Hörger aus Neu-Ulm. „Mit dem ersten Teil konnte ich wenig anfangen. Er war langatmig. Nach der Pause wurde dann ein roter Faden klar: Es ging um die Seele.“

„Gefallen wäre zu viel gesagt“, erklärt der Ulmer Günter Bäumler. „Das Stück ist sehr gewöhnungsbedürftig. Richtig gut fand ich Fabian Gröver in der Rolle des Kassierers, der aus seinem Leben ausbrechen will. Ansonsten war vieles schwer zu deuten und wurde nicht klar, auch wenn man konzentriert folgte.“

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„Ich glaube, man hat mit dieser Inszenierung zu viel gewollt“, sagt Svenja Stittrich. Die Ulmerin fühlt sich nach dem Ende des Dramas „sprachlos und geschlagen“. „Ich fand keine Linie und frage mich, was das Stück soll.“

Georg Heinzelmann ist irritiert vom Bruch zwischen Slapstick und ernsthafter Handlung. „Ich hätte es bevorzugt, wenn sich entweder das eine oder das andere als roter Faden durchgezogen hätte. So war der Slapstick wie eine Ouvertüre und dann begann relativ unvermittelt das Stück.“

Renate Wagner von den Theaterfreunden beklagt, dass sie eine Interaktion zwischen Zuschauern und Stück nur in Momenten gespürt habe. „Die Menschen mögen das Stück nicht, weil es sie nicht berührt“, vermutet sie. Ihr Favorit sei die Szene, in der der Kassierer im Schneefall vor einem Baum steht. „Der Moment ging unter die Haut.“ Nicht aber die verschwurbelte Sprache, sagt die Ulmerin.

Längen kritisiert Andrea Sievers aus Ichenhausen an der Inszenierung. „Und das Atmen des dicken Mannes ist nicht realistisch, sondern nervt als Geräusch. Das hielt ich kaum aus.“ (köd) "Feuilleton

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