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19.04.2014

Zwei Solisten gehen auf Tuchfühlung

Joo Kraus und Omar Sosa im Alten Theater

Zwei absolute Individualisten bilden ein Duo und geben ein Konzert, das zum Wettstreit der Charaktere gerät: Im ausverkauften Alten Theater wirbeln Piano-Guru Omar Sosa und Jazztrompeter Joo Kraus die Musikstile kreuz und quer über den Globus, dass einem Hören und Sehen vergeht.

Vor acht Jahren haben sich die beiden Ausnahmemusiker kennengelernt. Im Senegal haben sie zusammen gespielt. Kraus wirkt in Sosas Quintett „Afreecanos“ als Gastmusiker mit. Jetzt heißt es im Fahrwasser der Café-Animo-Reihe „Herzstücke spezial“: „Joo Kraus meets Omar Sosa“. Auf der Bühne des Alten Theaters kürt Kraus ein geflügeltes Wort des Tasten- und Klangzauberers Sosa zum Motto des Abends: „Sei einfach Du selbst“.

Sosas Mix aus elektronischem Spirit, spätromantischem Tastenspiel, Fusion-Launen und perkussiven Einfällen ist improvisationsgeladen, wirkt wie aus der Sekunde des Augenblicks geschöpft. Der Kubaner treibt die Salsa voran, schöpft elektronisch aus Naturlauten, gibt den Strings die Peitsche und singt bei seinen zuckersüßen Piano-Balladen mit hell weicher Stimme mit. Ein Exot in weiß wallendem Gewand, der als Anhänger der aus afrikanischen Quellen schöpfenden Naturreligion Santeria am schwarzen Flügel schon Mal ein Figürchen befingert, zelebriert im Alten Theater die Kunst der Klangcollage, die bisweilen fast rituellen Charakter demonstriert.

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Gedämpftes Flügelhorn statt schmetternde Trompete

Kraus setzt diesen suggestiv wabernden, melancholisch getränkten und dennoch explodierenden Gespinsten virtuose Rasanz und butterweiches Melos entgegen. Schmetterlaute an der Trompete sind hier eher Nebensache. Das überwiegend abgedämpfte Flügelhorn skandiert das spirituelle, weltmusikalisch prall gefüllte Gefüge mit souveräner Referenz ans partnerschaftliche Gelingen, das auch Soloauftritte möglich macht.

Im Klangkosmos von Merengue, Afropop, Pogo-Funk, Rap und subtropischem Regenpfützensound ist der von der Musik Thelonious Monks und Abdullah Ibrahims pianistisch beeinflusste Omar Sosa der Egozentriker, der seine magische Montagetechnik mit flippiger Komik und perkussiven Saitenkünsten garniert.

Kraus beeindruckt dagegen nicht als Selbstdarsteller, sondern als integrativer Virtuose, der seinem Partner den introvertierten Nachschlag dieses zweistündigen Weltmusik-Meetings überlässt.

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