Wer gerade einen Führerschein im Landkreis Neu-Ulm macht, dem wurde vermutlich schon geraten, den Führerscheinantrag möglichst früh zu stellen. Laut dem Fachbereich Verkehr im Landratsamt Neu-Ulm kann es aktuell zwei bis drei Monate dauern, bis der Antrag durch ist.
„Außergewöhnliche personelle Herausforderungen“ führen zu Rückstau bei den Anträgen
Der Fachbereich erklärt dazu: „Die Führerscheinstelle war in den letzten zwölf Monaten von außergewöhnlichen personellen Herausforderungen in einer nicht vorhersehbaren Häufung betroffen. Hier sind unter anderem mehrere kurzzeitige sowie einige langfristige Krankheitsfälle zu nennen.“ Diese hätten immer wieder für Lücken gesorgt, die sie „trotz größter Anstrengungen jeweils nicht sofort schließen konnten“.
Fahrlehrer Sascha Albrecht sagt, er kenne Fälle von Schülern, die sogar vier bis fünf Monate warten mussten. Er betreibt die Fahrschule ABF mit Sitz in Bellenberg, die Standorte im südlichen Landkreis Neu-Ulm hat. Zudem ist er Vorsitzender des Regionalverbandes im Landesverband Bayerischer Fahrlehrer.
Viele Fahrschüler müssen lange warten, bis sie zur Prüfung dürfen
„Wir kriegen den ganzen Unmut ab“, erzählt Albrecht. „Viele machen schnell die Theorie, gerade in den Ferienkursen, aber müssen dann zwei, drei, vier Monate warten, bis sie in die Prüfung dürfen“, was wiederum zu fehlender Motivation bei den Fahrschülern führe und infolgedessen auch „bissl geschäftsschädigend“ sei.
„Die jungen Leute wollen ja zeitnah ihren Führerschein machen und mobil sein.“ Einige sind darauf angewiesen, dass ihr Führerschein bis Anfang September fertig wird, damit sie etwa eine Lehre anfangen können. Bei einigen fehlt allerdings der Vorlauf, sodass es zeitlich nicht mehr möglich ist, obwohl Fahrtheorie und -praxis im Normalfall in einem solchen Zeitfenster hinzubekommen wären.
„Woanders dauert der Antrag drei Wochen, da funktioniert es ruckzuck.“ Albrecht fragt sich, warum es bisher nicht möglich ist, den Antrag im Landkreis Neu-Ulm online einzureichen, und sagt: „Man spricht immer von Digitalisierung, aber die Behörden hängen hinterher.“
In der Stadt Ulm kann der Führerschein schon online beantragt werden, im Landkreis Neu-Ulm ist das bislang nicht der Fall
Den Führerschein digital zu beantragen, ist in Ulm seit März 2024 möglich. Eine Sprecherin des Landratsamts Neu-Ulm erklärt, dass die Digitalisierung von Arbeitsprozessen im Amt „schon seit längerer Zeit in allen Fachbereichen genau geprüft und, wo immer möglich, auch nach und nach umgesetzt“ werde. Auch wird im Herbst geprüft, ob eine digitale Antragstellung eine Möglichkeit ist. Bisher können allerdings nur Änderungen in bereits gestellten Anträgen online beantragt werden.
Der Fachbereich Verkehr geht davon aus, „dass sich die Rückstände stetig reduzieren lassen“. Es wurden bereits neue Mitarbeiter eingestellt und weitere sollen in den nächsten Wochen folgen. Außerdem unterstützen Mitarbeiter aus anderen Bereichen dabei, den Rückstau aufzuarbeiten. Anträge auf Ersterteilung, Erweiterung und Verlängerung werden bevorzugt, „um den Weg zum Führerschein so wenig wie möglich zu blockieren“, heißt es.
Wichtig: Führerscheinantrag frühzeitig einreichen, korrekt und vollständig ausfüllen
Fahrlehrer Albrecht weist darauf hin, dass der Antrag frühestens ein halbes Jahr vor Beginn der Ausbildung gestellt werden kann, und rät dazu, den Antrag so früh wie möglich vollständig und korrekt einzureichen. Er geht davon aus, dass sich „der Rattenschwanz noch zieht“. Auch der Antrag für begleitetes Fahren ab 17 kann bereits ein halbes Jahr vor dem 17. Geburtstag gestellt werden.
Um die Unterlagen abzugeben, ist es nicht notwendig, persönlich bei der Führerscheinstelle vorbeizukommen, sie können auch per Post verschickt oder in den Briefkasten am Landratsamt eingeworfen werden.
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