Ulrich Winkler fühlt sich hereingelegt und ist wütend. 219 Euro hat er für eine Salbe bezahlt, die seine chronischen Schmerzen im Knie lindern sollte. Bei deren Bestellung im Internet ist er jedoch Opfer eines Betrugs geworden. Jetzt will der Rentner andere Menschen vor solchen Gaunereien im Netz warnen. Bei der in der ARD ausgestrahlten Dokumentation „Hirschhausen und die Deepfake-Mafia“ hat er kürzlich über seinen Reinfall berichtet.
Eigentlich bestelle er selten im Internet, sagt der 82-Jährige. Um sich über aktuelle politische Nachrichten zu informieren, ist er aber regelmäßig online. Auch als leidenschaftlicher Briefmarkensammler stöbert er manchmal im Netz. „Mitte September 2025 ist dabei plötzlich ein Fenster aufgeploppt, in dem der Arzt und Fernsehmoderator Eckart von Hirschhausen zu sehen war“, sagt der pensionierte Postbeamte und berichtet: „Als ich aus dem Mund des Promis die Worte Arthrose und Schmerzlinderung gehört habe, war ich sofort ganz Ohr und habe das Pop-up-Fenster angeklickt.“
Schließlich litt er seit Jahren an massiven Kniebeschwerden, die sich durch Arthrose noch verschlimmerten. „Laut Hirschhausen-Empfehlung im Internet könne man mit Artodip Schmerzgel Gelenk-, Hand- und Fußschmerzen innerhalb von nur vier Wochen los werden“, sagt der Rentner. Diese Aussage klang für ihn vielversprechend, zumal seine bisherigen Behandlungen durch Fachärzte und Physiotherapeuten nicht die gewünschte Linderung erbracht hatten. Diese Salbe war sein letzter Versuch vor einer Operation.
Betrüger nutzen prominente Gesichter für Werbezwecke
Als Winkler das Artodip Schmerzgel im Internet bestellte, wusste er noch nicht, dass es sich bei der Werbung um ein sogenanntes „Deepfake“ handelte. Deepfakes sind täuschend echte Bild-, Video- oder Audioaufnahmen, die mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) manipuliert oder komplett neu erstellt werden. So lassen sich, wie in diesem Fall, reale Personen täuschend echt mit Mimik, Gestik und Stimme nachahmen. So entsteht der Eindruck, eine bekannte oder vertrauenswürdige Person würde für ein Produkt werben oder dieses persönlich empfehlen, obwohl das in der Realität niemals der Fall war.
Wenige Tage nach der Bestellung im September 2025 erhielt der Babenhauser eine Lieferung von vier Tuben Artodip Gel Schmerzcreme für eine Anwendungsdauer von vier Wochen. Das Päckchen wurde vom Postboten gegen Nachnahme zugestellt. Dass weder die Adresse des Absenders noch ein Lieferschein oder eine Rechnung drin waren, kam dem Rentner seltsam vor. Selbst ehemalige Kollegen bei der Post konnten ihm nicht helfen, den Empfänger der 219 Euro ausfindig zu machen.
Winkler wurde bereits drei Tage nach Erhalt des Artrodip Schmerzgels per Handy-Anruf nach seiner Zufriedenheit befragt, das machte ihn erneut stutzig. „Die Creme roch gut und hatte einen leicht kühlenden Effekt“, berichtet er. Aber auch nach mehrwöchiger Anwendung konnte er keine Schmerzlinderung feststellen. Letztendlich wurde er Mitte Dezember 2026 erfolgreich am Knie operiert und ist jetzt schmerzfrei. „Selbst Tennisspielen geht wieder“, sagt er.
Hirschhausen wird zum Markenbotschafter, ohne es zu wissen
Erst Monate später begriff der Babenhauser, dass er auf einen Betrug hereingefallen war: Im Februar 2026 sah der Winkler im SWR die Sendung „Marktcheck“, so wurde ihm klar, dass die Werbeaussagen im Internet nicht von Eckart von Hirschhausen stammten. „Ich erfuhr, dass Dr. Eckart Hirschhausen Opfer eines Deepfake-Betrugs geworden ist“, sagt er. Die Identität des Promis war von Betrügern mithilfe von künstlicher Intelligenz für ihre Betrugsmasche missbraucht worden. Auch wenn Hirschhausen mit der Sache eigentlich nichts zu tun hatte, entschuldigte er sich offiziell.
Auf diese Weise machten sie mit Hirschhausens Gesicht auch Werbung für Nahrungsergänzungs- und Potenzmittel, Pseudomedikamente und mehr, sagt der echte Eckert von Hirschhausen in der ARD-Dokumentation „Hirschhausen und die Deepfake-Mafia“. Über 2000 solcher Fakes gebe es von ihm aktuell im Netz, heißt es in der Dokumentation.
Um andere Menschen vor solchen Betrugsmaschen zu schützen, hatte sich Ulrich Winkler bereit erklärt, offen in der Dokumentation über seinen Reinfall auf den Deepfake zu berichten. „Ich möchte verhindern, dass auch andere auf diese Betrugsmasche hereinfallen“, sagt Winkler. Die Anfang Mai im Fernsehen ausgestrahlte Dokumentation „Hirschhausen und die Deepfake-Mafia“ ist in der ARD-Mediathek abrufbar.
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