Das denken Radfahrer über die Probleme vor dem Ulmer Hauptbahnhof
Ulm
„Ulm ist für Radfahrer eine Katastrophe“: Ärger um den Radverkehr vor dem Hauptbahnhof
Verloren zwischen Autos, Fußgängern und gescheiterten Plänen: So schätzen Radler, die täglich am Ulmer Bahnhofsvorplatz vorbeikommen, die Situation ein.
Die Radspur vor dem Ulmer Hauptbahnhof ist lediglich durch Poller vom Rest des Platzes abgetrennt.Foto: Franziska Benner
Die Radweg-Situation entlang des Ulmer Bahnhofplatzes empfinden die Radfahrer als „etwas nervig“, „beeinträchtigend“ oder sogar als „unsicher für Passanten und Radfahrer“, das ergibt eine Umfrage vor Ort. Einige beziehen sich dabei nicht nur auf die Radspur am Bahnhof, sie empfinden das Radfahren in ganz Ulm teils als problematisch oder sogar gefährlich, wie zum Beispiel Lukas (23), der fast täglich mit dem Rad in der Ulmer Innenstadt unterwegs ist. Er findet: „Ganz Ulm ist für Radfahrer eine Katastrophe.“
Radler, die am Bahnhof vorbeikommen, sprechen davon, dass die Situation hier unübersichtlich sei. Die meisten berichten von Platzmangel und Konfrontationen. Am häufigsten geschieht dies mit Fußgängern, welche an der Ampel warten oder außerhalb der gekennzeichneten Wartebereiche die Radspur kreuzen. Phillip, 29 Jahre alt, arbeitet bei der Bahn und fährt täglich mit dem Rad zur Arbeit. „Die Leute stehen dauernd im Weg und schauen, wenn sie über die Straße laufen, nur auf die Fahrbahn und nicht auf den Radweg“, sagt er. Gerade zu den Hauptverkehrszeiten komme es dadurch zu gefährlichen Situationen.
„Man muss oft ausweichen oder absteigen, damit nichts passiert“
Zwei junge Frauen, die regelmäßig ihr Fahrrad am Bahnhof parken, empfinden die Situation ebenfalls als einschränkend und sehen das Problem hauptsächlich im nicht ausreichenden Platz und der unübersichtlichen Wegführung von Fuß-, Radweg und Straße. „Man muss oft ausweichen oder absteigen, damit nichts passiert, dies kostet eben Zeit“, sagt eine der Frauen. Der Grund hierfür ist, dass sich Fußgänger, Radler und Autofahrer gelegentlich in die Quere kommen. Mal halten einfach Autos auf dem Fuß- und Radweg, um Personen ein- und aussteigen zu lassen oder Fußgänger stehen auf der Radspur, weil sie zum Beispiel die Straße queren wollen. Radfahrer wechseln deshalb dann häufig auf die Straße – auch hier kommt es zu gefährlichen Situationen.
Vor allem an der Ampel kommt es zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern.Foto: Franziska Benner
Zu den angedachten Lösungsansätzen sagt Radfahrerin Tabea (29): „Es wäre praktischer, wenn es auf der Straße eine extra Spur gäbe.“ Tatsächlich wurde im Rathaus bereits darüber diskutiert, ob der Radweg auf die Fahrbahn verlegt werden soll oder ob eine Autospur gänzlich in eine Fahrradstraße umgewandelt werden könnte.
Manche Radfahrer wünschen sich mehr Platz auf der Straße
Auch Leser der Neu-Ulmer Zeitung diskutieren über die Situation vor Ort. „Jedes Mal, wenn ich dort gefahren bin, musste ich auf der Straße fahren, weil zugeparkt war oder dutzende Leute draufstanden“, schreibt einer.
Was nun die Lösung sein wird, nachdem die Stadt den beschlossenen Plan kippen musste, ist noch unklar. „Bis dahin muss man die Situation wohl so akzeptieren, wie sie ist“, sagt Susanne (62), die ebenfalls täglich mit dem Rad zur Arbeit fährt, seit die Spritpreise gestiegen sind. Sie findet, dass jetzt vor allem Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme zwischen Radfahrern, Passanten und Autofahrern wichtig ist.
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